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15.05.2013

13:54 Uhr

Kleinleins Klartext

Wie eine Sterbetafel zum Tod führen kann

VonAxel Kleinlein

Sterbetafeln legen fest, wie hoch die Beiträge oder die Renten ausfallen. Wer sich die Kalkulationen genauer anschaut, entdeckt erstaunliche Unterschiede. Warum manche Versicherte älter werden als andere.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Sterbetafeln sind das Herzstück einer Lebens- oder Rentenversicherung. Mit der Sterbetafel legt der Versicherungsmathematiker, Fachjargon „Aktuar“, fest, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Kunden sterben oder überleben. Es handelt sich also eigentlich nur um eine Tabelle. In dieser ist also festgehalten, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Kunde, der ein bestimmtes Alter x hat, dann auch das Alter x+1 erlebt.

Ein Beispiel: Aktuell wird einem Raucher, der eine Risikolebensversicherung abschließt und gerade 43 Jahr alt ist, von den Aktuaren unterstellt, dass er etwa mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,333 Prozent im Verlauf des nächsten Jahres verstirbt. Das heißt, bei 300 Rauchern dieses Alters kalkuliert der Aktuar, dass genau einer versterben wird.

Eine Sterbetafel endet immer in sehr hohem Alter – in den derzeit gängigen Tafeln spätestens mit 130. Ab diesem Endalter setzen die Versicherungsmathematiker immer die Sterbewahrscheinlichkeit 100 Prozent an, es wird also angenommen, dass ab diesem Alter sowieso jeder stirbt. Kennt man die gesamte Sterbetafel, dann können auch Lebenserwartungen berechnet werden. So hat der Raucher aus unserem Beispiel dieses Jahr an seinem 43. Geburtstag eine Lebenserwartung von 69,9 Jahren. Überlebt er das nächste Jahr (ist also nicht der „Eine aus den Dreihundert“, der stirbt), dann ist seine Lebenserwartung sogar auf 70 gestiegen. Mit jedem Jahr, das er überlebt steigt also seine Lebenserwartung an.

Viele werden jetzt aufhorchen und meinen, dass eine Lebenserwartung von 70 Jahren doch viel zu gering sei, das könne doch nicht stimmen. Sie haben recht! Denn die Sterbetafel, auf die ich mich hier beziehe, ist eine Tafel, die Aktuare zur Kalkulation einer Risikolebensversicherung für Männer entwickelt haben. Bei einer Risikolebensversicherung besteht die Gefahr für das Versicherungsunternehmen darin, dass der Kunde zu schnell stirbt.

Um in der Kalkulation „auf Nummer sicher“ zu gehen, nehmen die Aktuare eine höhere Sterblichkeit an, als es realistisch anzunehmen wäre. Deshalb ergibt sich besonders für Raucher dann eine geringe Lebenserwartung.
Für andere Vertragsarten gibt es andere Sterbetafeln, die auch zu anderen Lebenserwartungen führen. Würde dieser Raucher etwa eine klassische Rente abschließen, so würde ihm (nach Unisextarif) zuweilen eine Lebenserwartung von nur 95,4 Jahren unterstellt, bei einem neuartigen fondsgebundenen Tarif auch schon mal 104.

Kommentare (2)

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hermann.12

15.05.2013, 15:26 Uhr

Na ja, die unterschiedlichen Sterbetafeln sind so alt, wie die Produkte selbst. Und im Prinzip ist dagegen nicht das geringste einzuwenden um ausreichenden Risikopuffer zu haben.

Was bleibt ist die frage, was ein ausreichender Risikopuffer denn nun ist und hier leistet sich Klein den Luxus aller Kritiker, er muss sich nicht zwischen alle Stühle setzen, in dem er einen konkreten Vorschlag macht, den er sachlich für tragfähig hält.
Er spielt vielmehr mit dem Empörungspotential der Öffentlichkeit, die je nach Ahnungslosigkeit schon allein aus der Differenz der jeweiligen Sterbetafel zu einer anderen Unrecht wittern könnte.
Sie sollten sich schämen Herr Klein. wenn sie wirklich die Sterbetafelpraxis für unseriös halten, dann sollten sie als Fachmann auch so viel Rückgrad haben einen sachlichen Vorschlag zu unterbreiten.
Alles andere ist Schlechtreden auf Kosten Dritter, die das ausbaden müssen.

H.

Leser

15.05.2013, 18:39 Uhr

@hermann.12
Alles eine Frage der Sichtweise.
Ein kritischer Finanzmathematiker und ein provisionsabhängiger Versicherungsvertreter müssen naturgemäß sehr weit auseinander liegen...

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