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18.03.2013

12:39 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Der große Preis

VonHans-Peter Siebenhaar

Die spannendste Bundesliga-Saison aller Zeiten: Erstmals pfeift „Bild“ die Partie gegen „Sportschau“ an. Für den Springer-Konzern steht in der Begegnung mit ARD viel auf dem Spiel: Klappen Bezahlangebote in Deutschland?

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

In der kommenden Spielsaison geht es für Axel Springer um alles oder nichts. Erstmals wird der Berliner Konzern auf Bild.de exklusiv Zusammenfassungen der Bundesliga-Spiele zeigen. Der Abruf der Videos zwischen eineinhalb Minuten und sechs Minuten gegen Geld ist für den „Bild“-Konzern ein strategisch wichtiger Test, ob Bezahlinhalte im Internet überhaupt funktionieren.

Für Springer steht viel auf dem Spiel. Mit seinem Angebot auf Bild.de greift das Verlagshaus frontal die „Sportschau“ der ARD ein. Ein spannendes Match um die mediale Lufthoheit beginnt.

Es war ein Schnäppchen. Gerade mal für fünf Millionen Euro pro Spielzeit hat Axel Springer im Frühjahr vergangenen Jahres die Bundesliga-Rechte von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erworben. Damit darf der „Bild“-Konzern bereits eine Stunde nach Spielende Zusammenfassungen zwischen 90 Sekunden und sechs Minuten zeigen. Die Aficionados können das neue Bewegtbildangebot aber nur gegen Bezahlung auf ihrem Computer, Tablet-PC oder Handy abrufen - einmalig in der Geschichte eines Verlagshauses. Damit will Springer-Chef Mathias Döpfner testen, ob Paid Content auf der Internetseite der größten Zeitung Europas klappt. Denn keine Ware ist kostbarer als der Fußball.

Rundfunkbeitrag - Was sich geändert hat

Die Neuregelung ab 1. Januar 2013

Zum Jahreswechsel wurde die bisherige Gerätegebühr abgeschafft. Sie wurde durch eine neue Haushaltsabgabe ersetzt. Unabhängig davon, ob der Bürger die Angebote von ARD und ZDF im Fernsehen, Radio oder Internet nutzt, muss er nun die volle Rundfunkgebühr zahlen.

Wer wie viel zahlen muss

Kassiert werden pro Haushalt 17,98 Euro pro Monat. Wer Unterstützung wie Arbeitslosengeld erhält, studiert oder in der Ausbildung ist, muss keine Gebühr zahlen, wenn er sich befreien lässt. Menschen mit Behinderung zahlen monatlich 5,99 Euro statt der vollen Gebühr.

Was passiert, wenn man nicht bezahlt

„Schwarzseher“ werden es künftig schwer haben, da ihnen nicht der Besitz von Radio oder Fernseher nachgewiesen werden muss. Stattdessen wird jeder Haushalt zur Kasse gebeten. Wer nicht bezahlt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld rechnen.

Was sich für Unternehmen ändert

Die Gebühren werden nach einem neuen Schlüssel berechnet, der pro Betriebsstätte und der Zahl der dort beschäftigten Mitarbeiter erhoben wird. Bislang fielen Gebühren lediglich für jeden PC im Unternehmen und jedes tatsächlich vorhandene Fernsehgerät an.

Wie die Wirtschaft leidet

Besonders betroffen sind von der Neuregelung Firmen mit vielen Filialen. Sie müssen deutlich mehr zahlen. Die Autowerkstatt-Kette ATU gehört dazu, ebenso auch Rossmann, Sixt oder die DB Netz AG.

Fallstrick für Kleinunternehmen

Die Antragsformulare des Beitragsservices sind nur vermeintlich eindeutig. Denn nur wer die Details der neuen Regeln kennt, kann wissen, dass er nicht alle Firmenautos eintragen muss. Nur die „beitragspflichtigen“ müssen eingetragen werden. Das heißt: Zahl der Autos minus Zahl der Betriebsstätten.

Springer greift mit seinem Bezahlangebot die samstägliche „Sportschau“ der ARD ab der Saison 2013/14 frontal an. Seit langem ist das Verhältnis zwischen dem MDax-Konzern und den Medienkonzern zerrüttet. Im Streit um die Gratis-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen im Netz wie der umstrittenen „Tagesschau“-App waren die Anstalten bislang zu keinem Kompromiss bereit, obwohl er schon seit Jahren tobt. Springer hat es daher aufgegeben, weiter auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Gebührenfernsehen zu warten.

Es ist auch ein Kampf David gegen Goliath. Wie die Kräfteverhältnisse zwischen Springer und ARD tatsächlich aussehen, hat bereits der Rechteerwerb im April vergangenen Jahres gezeigt. Die ARD zahlte für die Zusammenfassungen in der „Sportschau“ einen 22 Mal höheren Preis als Springer für die Internetrechte. In den nächsten vier Spielzeiten greifen die Intendanten für die Bundesliga-Rechte so tief in die Geldbörse des Gebührenzahlers wie noch nie. Sie überweisen insgesamt 420 Millionen Euro auf das Konto der DFL. Vom ZDF kommen für das „Aktuelle Sportstudio“ in den nächsten vier Spielzeiten nochmals zwischen 88 und 92 Millionen Euro. Das berichten Bundesliga-Kreise. Genaue Zahlen verrät die Mainzer Anstalt nicht.

Deutschlands größte TV-Sender

Platz 10

Super RTL - 2,2 Prozent Marktanteil (Stand: 2011)

Quelle: AGF/GfK Fernsehforschung

Platz 9

RTL II - 3,6 Prozent Marktanteil

Platz 8

Kabel Eins - 4 Prozent Marktanteil

Platz 7

Vox - 5,6 Prozent Marktanteil

Platz 6

ProSieben - 6,2 Prozent Marktanteil

Platz 5

Sat. 1 - 10,1 Prozent Marktanteil

Platz 4

ZDF - 12,1 Prozent Marktanteil

Platz 3

ARD - 12,4 Prozent Marktanteil

Platz 2

Dritte Programme - 12,5 Prozent Marktanteil

Platz 1

RTL - 14,1 Prozent Marktanteil

Die Partie, die Springer nach der Sommerpause anpfeift, ist deshalb so spannend, weil sich dann zeigen wird, ob Bezahlinhalte auf Websites von großen Zeitungsmarken tatsächlich im Massenmarkt funktionieren. Wenn es einen Inhalt in Deutschland gibt, der die Millionen bewegt, dann ist es Fußball. So viel ist schon jetzt klar.

Die Chancen, dass die Rechnung von Mathias Döpfner und seinen Vorstandskollegen Andreas Wiele aufgeht, stehen gar nicht so schlecht. Der seit Jahrzehnten darbende Bezahlsender Sky zeigt gerade, dass mit der Bundesliga eine wirtschaftliche Gesundung erreicht werden kann. Seit dem Einstieg des Medien-Tycoons Rupert Murdoch setzt das Unterföhringer MDax-Unternehmen konsequent auf den Fußball. Diese Strategie wird nun allmählich mit besseren Abonnenten- und Bilanzzahlen belohnt. Springer ist in einer weitaus besseren Situation. Das Unternehmen von Verlegerin Friede Springer ist hoch profitabel und agiert aus einer Position der Stärke, um die digitale Transformation des einstigen Zeitungshauses hinzukriegen.

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