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25.03.2013

10:06 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Ein lustloses Interview und seine Folgen

VonHans-Peter Siebenhaar

Nach einem unglücklichen Interview zog ein virtueller Wirbelsturm über Katja Riemann hinweg. Das hat Folgen – nicht nur für die Schauspielerin, sondern auch für ARD und ZDF: Wirtschaftsgrößen gehen noch mehr auf Distanz.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

„Sie erkennen Sie sofort an ihren tollen blonden Locken“, intoniert Moderator Hinnerk Baumgarten das Interview im NDR-Magazin „Das!“ mit Katja Riemann, um dann gleich nachzusetzen, wie die Schauspielerin das bei ihrem letzten Film gemacht habe. Da war sie schwarzhaarig. Die knappe und korrekte Antwort von Riemann: „Das ist eine Perücke.“ Mit solch dämlichen Fragen nahm ein Interview seinen Lauf, das in ungeahnter Weise zu einem virtuellen Wirbelsturm führte, der über eine der besten Schauspielerinnen in Deutschland hinwegzog.

Dass sich eine Künstlerin herausnahm, auf banale oder zu intimen Fragen lustlos zu antworten, löste eine Flut von Beleidigungen und Beschimpfungen in den Sozialen Netzwerken aus. Facebook & Co. zeigten ihre hässliche Fratze. Ein rund elfminütiger Zusammenschnitt wurde auf Youtube bereits mehr als 1,3 Millionen Mal angesehen. Wegen der Angriffe schaltete die Künstlerin auf ihrer Website und ihrem Facebook-Profil bis heute die Kommentarfunktion aus. Verständlicherweise.

Die bittere Wahrheit: Aus der Anonymität heraus wurde Riemann im Netz übel angepöbelt. Zur traurigen Wahrheit gehört auch: Kein Intendant stellte sich schützend vor die Schauspielerin – auch nicht der für die Sendung „Das!“ zuständige NDR-Chef oder der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor, der in Schaufensterreden gerne über journalistische Fairness doziert. „Gibt es Verhaltenskodexe in öffentlichen Formaten, die mit der Abwesenheit von Wahrhaftigkeit zu tun haben?“, fragt Katja Riemann auf ihrer Website zu Recht. Die Antwort lautet Nein.

„Es ist die Wahrheit, dass ich meinen Beruf liebe und gern über meine Arbeit spreche; wahr ist auch, dass das Reden über meine Person, oder Personen in meinem nahesten Kreis, mir schwer fällt“, schreibt die Schauspielerin. Eigentlich sollte so etwas auch kein Problem sein. Doch der von Riemann beanspruchte Schutz der eigenen Privatheit wurde vom bis dahin weitgehend unbekannten Moderator Baumgarten durch seine Fragen abgelehnt.

Deutschlands größte TV-Sender

Platz 10

Super RTL - 2,2 Prozent Marktanteil (Stand: 2011)

Quelle: AGF/GfK Fernsehforschung

Platz 9

RTL II - 3,6 Prozent Marktanteil

Platz 8

Kabel Eins - 4 Prozent Marktanteil

Platz 7

Vox - 5,6 Prozent Marktanteil

Platz 6

ProSieben - 6,2 Prozent Marktanteil

Platz 5

Sat. 1 - 10,1 Prozent Marktanteil

Platz 4

ZDF - 12,1 Prozent Marktanteil

Platz 3

ARD - 12,4 Prozent Marktanteil

Platz 2

Dritte Programme - 12,5 Prozent Marktanteil

Platz 1

RTL - 14,1 Prozent Marktanteil

Auch in einem Interview mit NDR-Intendant Marmor wäre es spannender zu erfahren, ob sein Fernsehdirektor Beckmann tatsächlich in dem Korruptionsskandal des Kinderkanals verstrickt als die Frage, warum Marmor als Clown am Rosenmontag in Köln unterwegs ist. Doch solche Gespräche finden auf dem Sender ohnehin nicht statt.

Zum Auftrag von ARD und ZDF gehören Information, Kultur und anspruchsvolle Unterhaltung. Ob irrelevante Interviews wie in der NDR-Sendung „Das!“ dazu gehören, darf bezweifelt werden. Denn bisweilen sind sie nicht mehr als mediale Selbstbefruchtung. Am heutigen Montag etwa spricht Moderator Hinnerk Baumgarten mit dem Moderator Peter Illmann. Diese Belanglosigkeit können sich die Anstalten nur leisten, weil sie dem Gebührenzahler keine ernsthafte Rechenschaft über ihre Inhalte schuldig sind.

In der Wirtschaft wird die menschenunwürdige Attacke auf Katja Riemann mit Argusaugen beobachtet. Mancher Unternehmenslenker kann gut nachvollziehen, wie sich die bis dahin populäre Schauspielerin fühlt. Bei ARD und ZDF kommen Konzernlenker meist als herzlose, profitgierige Gesellen auf dem Bildschirm herüber wie beispielsweise Bertelsmann-Chef Thomas Rabe kürzlich im NDR, als er mit protestierenden Druckern vor der Berliner Konzernrepräsentanz sprach. Bilder, die am Chef von mehr als 100.000 Mitarbeitern kleben bleiben.

Mancher Unternehmer und Banker hat mit ARD und ZDF negativen Erfahrungen gemacht, mancher fühlte sich gar reingelegt oder unfair behandelt. Darüber wird geschwiegen, um sich keinen Ärger mit dem mächtigen Gebührenfernsehen einzuhandeln.

Die mangelnde Fairness ist der Hauptgrund, weshalb es heute nicht nur Provinz-Moderatoren, sondern auch den Stars der Zunft wie Günther Jauch, Markus Lanz oder Sandra Maischberger kaum noch gelingt, Top-Entscheider aus der Wirtschaft auf das Sofa zu holen. Interviews mit Vorstandschef aus den Dax-30-Konzernen zu wirklich wichtigen Themen wie Euro-Krise oder Mindestlohn finden nicht statt. Dabei wäre gerade das spannend für den Gebührenzahler.

Kommentare (14)

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CarstenAx

25.03.2013, 12:14 Uhr

Ich kann dies bestätigen. 2008 hat der WDR unwahrheiten eines Betriebsrates einefach 1:1 weitergegeben. Am nächsten Tag wollte man von mir dann die Wahrheit hören, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

Der Linksradikale Journalist hat nur das gesendet, was seiner persönlichen linksextremen Meinung entspach. Letztendlich war das Interview total verzehrt.

Ich kann nur Boykott empfephelen. Bis zumm 2.4. kann man auch noch die Petition gegen die GEZ bei OpenPetition unterzeichnen. Dazu fordere ich Euch auf. Macht es bekannt.

Zuschauer

25.03.2013, 12:23 Uhr

Na ja - "eine der besten Schauspielerinnen", das ist immer noch Ansichtssache. Fakt ist allerdings, dass eine total unnötige Sendung existiert, in der ein nicht sonderlich qualifizierer Interviewer unsere Gebührengelder verschwendet.
In diese Sendung wird dann noch die etwas schwierige Frau Riemann (die ohne ARD/ZDF im Prinzip arbeitslos wäre)eingeladen.
Generell schon mal keine glückliche Ausgangsposition. Als Medienprofi, ist es allerdings Riemanns Aufgabe zu Unterhalten, zu Informieren oder eben rhetorisch gewandt auf "dumme" Fragen zu reagieren. Sich zu verhalten wie eine Mischung zwischen schlecht erzogenem Kind und Alice Schwarzer ist da definitv kein Ruhmesblatt.
Im Endeffekt kann man nur sagen, dass eine Schauspielerin die seit den Erfolgen in den 90igern eigentlich kaum jemand interessiert, ein kleiner Regionalsender und ein Nachwuchsmoderator soviel Publicity bekommen haben wie Sie es sonst nie geschafft hätten...

Heho

25.03.2013, 12:40 Uhr

Der ÖR ist zu einem Meinungsfunk der übelsten Sorte verkommen! Der Zwangsbeitrag tut ein Übriges. Ein von den Gebührenzahlern gewähltes Kontrollgremium ist das Mindeste, was an demokratischen Rechten einzufordern wäre.

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