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26.08.2013

15:09 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Luxemburger Dukatenesel

VonHans-Peter Siebenhaar

RTL füllt mit einer Sonderdividende die Kassen des Mutterkonzerns Bertelsmann. Doch noch fehlt dem Gütersloher Familienkonzern eine zündende Idee, um wieder an die einstigen goldene Zeiten anknüpfen zu können.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Am Donnerstag nächster Woche wird die Freude in der Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh groß sein. Dann überweist die Deutsche Bank die Sonderdividende des Fernsehkonzerns RTL auf das Konto des ostwestfälischen Familienkonzerns. Das zweitbeste Halbjahresergebnis der RTL-Konzerngeschichte beschert dem Großaktionär Bertelsmann 296 Millionen Euro Sonderdividende. Das ostwestfälische Familienunternehmen ist zu 76,4 Prozent an dem Luxemburger TV-Riesen beteiligt. Zur RTL Group zählen derzeit noch 53 Fernseh- und 28 Radiosender in zehn Ländern.

Der Luxemburger Konzern spielt für die Bertelsmänner die Rolle des Dukatenesels. Die Gütersloher hatten erst Ende April ein RTL-Aktienpaket von 15,9 Prozent für 1,3 Milliarden Euro an der Frankfurter Börse platziert. Zusammen mit der Sonderdividende ist die Kasse der Mohns gut gefüllt.

Das Problem: Wo kann ich in der Medienbranche noch mehr Geld verdienen als im hoch lukrativen Fernsehgeschäft?

Die RTL Group ist mit Abstand rentabelste Konzernbereich bei Bertelsmann. Im ersten Halbjahr lag die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) bei fast 20 Prozent. Der Nettogewinn explodierte im ersten Halbjahr gerade zu. Er schnellte um 41 Prozent auf 467 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 331 Millionen) hoch. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe muss also ein Übernahmeobjekt finden, dass noch eine höhere Rendite abwirft.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Mission impossible? Im Konzern wachsen die Zweifel, ob der charismatische Vorstandschef mit seinem engen Vertrauten, Strategievorstand Thomas Hesse, tatsächlich einen realistischen Masterplan in der Schublade hat, der Bertelsmann wieder an die goldenen Zeiten anknüpfen lässt. Im vergangenen Jahrzehnt hatte das Familienunternehmen einen Umsatz- und Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Vor drei Jahren lag beispielsweise der Konzerngewinn bei 656 Millionen. Im vergangenen Jahr sank er auf mittlerweile 619 Millionen Euro.

Bertelsmann braucht ein neues Geschäftsmodell. Vor fast genau einem Jahr hat Rabe auf der Bühne des Gütersloher Stadttheaters eine große Show abgezogen. Ohne Krawatte im offenen Hemd redete er vor 500 Führungskräften in dem futuristischen Kubus viel von Aufbruch und Umbruch. „Die digitale Transformation eröffnet uns eine ganze Vielzahl von Möglichkeiten“, schwärmte der frühere RTL-Finanzvorstand vieldeutig. Er kündigte an, in den USA, dem wichtigsten Medienmarkt der Welt, wieder eine größere Rolle spielen zu wollen. Bildungsmedien, Musikrechtehandel, Online-Anzeigenmarkt oder digitale TV-Produktionen böten, so Rabe damals, Wachstumspotenzial.

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