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06.05.2013

13:23 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Manager in die Parlamente!

VonHans-Peter Siebenhaar

Das Ansehen von Managern ist mit der Steueraffäre von Uli Hoeneß auf dem Tiefpunkt. Dabei braucht die Politik Wirtschaftslenker, die sich engagieren. Bernd Buchholz, Ex-Chef von Gruner + Jahr, ist eine positive Ausnahme.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

DüsseldorfDas waren noch Zeiten, als Uli Hoeneß aus den Händen von Stephanie zu Guttenberg vor vier Jahren einen Wirtschafts-Bambi in Babelsberg erhielt und die Bel Etage der Republik reichlich Beifall spendete. „Schon als Fußballer war Uli Hoeneß ein Ausnahmetalent. Als Fußballmanager wurde er zur Legende“, jubelte damals die Jury im Auftrag des Medienunternehmers Hubert Burda.

Tatsächlich holte der gebürtige Schwabe seinen Verein aus den Schulden und schrieb mit ihm eine der großen Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs. Uli Hoeneß war auch für die Politik ein gefragter Manager. Tempi passati! Heute droht dem Präsidenten des FC Bayern München wegen seiner Steuervergehen sogar eine Gefängnisstrafe, falls Staatsanwaltschaft und Gericht die Selbstanzeige nicht anerkennen. Das Musterbeispiel einen verantwortungsvollen Managers, der sich politisch immer klar verorten ließ – nämlich bei der CSU – ist zerstört.

Dabei braucht die Politik dringender denn je Manager mit wirtschaftlichen Sachverstand und unternehmerisch Mut angesichts der gewaltigen Herausforderungen. Denn seit Jahren wird der Bundestag von Staatsbediensteten dominiert – mit der Folge, dass Wirtschaft und Politik immer stärker fremdeln. Eine derjenigen, der die Courage aufbringt, sich politisch einzumischen und gar eine zweite, nämlich politische Karriere zu starten, ist Bernd Buchholz.

Bis 2012 war der 51-Jährige Vorstandschef des damals noch größten Zeitschriftenkonzerns in Europa, Gruner + Jahr. Der gebürtige Berliner will nun für die FDP in den nächsten Bundestag einziehen. Die Chancen auf ein Mandat im Herbst stehen gut. Schließlich hat sich der Medienmanager den zweiten Platz auf der schleswig-holsteinischen Landesliste gesichert – hinter FDP-Landesvorsitzenden und Hoeneß-Anwalt Wolfgang Kubicki. Und die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen, scheint bei der Wahl im Herbst für die Liberalen auch keine „mission impossible“ zu werden.

Der Politik würden tatkräftige Manager vom Schlag eines Bernd Buchholz in den Parlamenten nutzen. Denn bei vielen wirtschaftspolitischen Debatten dominiert elegante Rhetorik statt tiefer Sachkenntnis. Buchholz hingegen ist einer, der die Praxis sehr gut kennt und auch bei fehlenden Sonnenschein an Deck bleibt. Der 51-Jährige hat in seinen fast 17 Jahren bei Gruner + Jahr – die letzten drei Jahre als Konzernchef – gezeigt, dass er auch in Krisenzeiten ein großes Schiff einigermaßen sicher durch die raue See steuern kann. Buchholz ist ein Mensch des offenen Wortes. Um den heißen Brei herumzureden, ist nie sein Ding gewesen. Vielleicht war das auch einer der Gründe, weshalb er am Ende aus dem Konzern gemobbt wurde?

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