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10.06.2013

13:32 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Möglicher Goldregen für RTL-Aktionäre

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Privatsender RTL ist der größte Gewinnbringer des Medienkonzerns Bertelsmann. Den Aktionären von Europas größtem Fernsehkonzern winkt möglicherweise in den nächsten zwölf Monaten eine Sonderausschüttung.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Wenn Liz Mohn in den opulenten Firmenpalast nach Berlin mit der prestigereichen Anschrift Unter den Linden 1 einlädt, kommen sie alle: die Mächtigen, die Schönen, die Reichen, die Kreativen. Die Sommerparty der Bertelsmann-Matriarchin zählt zu den wichtigsten Festivitäten der Hauptstadt. Deshalb wird im fernen Gütersloh monatelang an der Inszenierung des weit verzweigten Medienimperiums von Bertelsmann gearbeitet.

In diesem Jahr ließ Liz Mohn ihren Buchkonzern Random House, der gerade an der Fusion mit dem britischen Konkurrenten Penguin arbeitet, in den Fokus rücken: Das gedruckte und das digitale Wort wurden auf allen Stockwerken der Konzernrepräsentanz publikumsträchtig inszeniert. Und RTL? Auf der Party gewährte Liz Mohn ihrem Fernseh- und Radiokonzern keine Bühne.

Dabei ist der Luxemburger Konzern der eigentliche Star bei Bertelsmann. Im vergangenen Jahr lieferte der europäische Branchenprimus mehr als eine Milliarde Euro an operativen Betriebsgewinn in Gütersloh ab. Zum Vergleich: bei Random House waren es lediglich 325 Millionen Euro. RTL war, ist und bleibt der wichtigste Gewinnbringer des 178 Jahre alten Familienkonzerns aus Ostwestfalen.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Deshalb ist die Stimmung in der Führungsspitze der RTL Group trotz der fehlenden Dankesbekundung auf der Bertelsmann-Sommerparty gut. Vorletztes Wochenende hatten die beiden RTL-Vorstandsvorsitzenden Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch ihre Manager aus ganz Europa nach Stockholm eingeladen. Unter der Sonne der schwedischen Hauptstadt gab es einen guten Grund zu feiern. Die RTL Group hatte vor wenigen Wochen den zweiten Börsengang einigermaßen gut über die Bühne gebracht.

Der Gütersloher Mutterkonzern verkaufte 17,3 Prozent seiner Aktien für 1,4 Milliarden Euro. Damit erhöht sich der Anteil der frei handelbaren Aktien auf 24,1 Prozent. Mit dieser Transaktion schuf Bertelsmann die Voraussetzung dafür, dass die RTL Group nun in den Aktienindex SDax einzieht. Das Ziel des prominenteren MDax wurde aber verfehlt. Doch in der Konzernzentrale in Luxemburg ist die Hoffnung dennoch groß, mit den Konkurrenten Pro Sieben Sat 1 und Sky Deutschland künftig gleichzuziehen. Beide Wettbewerber sind seit Jahren in dem Segment der mittelgroßen Börsengesellschaften geführt.

Kommentare (1)

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RTListScheisse

10.06.2013, 16:38 Uhr

Ein Beweis für die Verbödung Deutschlands, die RTL in grossem Umfang mit seinem Hartz IV TV mit zu verantworten hat. Dieses Unternehmen gehört mit allen seinen Tochtergesellschaften verboten!

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