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29.04.2013

10:52 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Welche Medienkonzerne die ARD in die Tasche steckt

VonHans-Peter Siebenhaar

Dem Senderverbund gelingt es als einziger öffentlich-rechtlichen Anstalt weltweit, sich einen Platz unter den 20 größten Medienkonzernen der Welt zu erobern. Die private TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 hinkt hinterher.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Zu den großen Verdiensten des Medienwissenschaftlers und Fernsehproduzenten Lutz Hachmeister und seinem Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik gehört es, jedes Jahr die Rangliste der 50 größten Medienkonzerne zu erstellen. Die mühevolle Kleinarbeit des früheren Chefs des Adolf-Grimme-Instituts, an dem die ARD im Übrigen beteiligt ist, zeigt Jahr für Jahr den Aufstieg und Fall von Medienimperien.

Die ARD darf sich diesmal freuen. Als weltweit einzige öffentlich-rechtliche Anstalt hat es der öffentlich-rechtliche Senderverbund 2012 geschafft, in der Rangliste der weltweit größten Medienkonzerne unter die Top 20 zu kommen. Hachmeister und seine Mitarbeiter haben errechnet, dass die ARD auf einen Umsatz von 6,27 Milliarden Euro – zum größten Teil Rundfunkgebühren – kommt und damit Platz 19 der größten Medienkonzerne einnimmt.

Die ARD ist damit mehr als doppelt so groß wie Deutschland größter privater Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1. Die Unterföhringer kommen mit einem Umsatz von knapp drei Milliarden Euro auf Platz 47. Das Einmalige an der ARD im Vergleich zu Giganten Disney, News Corp. Bertelsmann oder Sony: die Einnahmen der Anstalt sprudeln unabhängig von Wirtschaftskrisen, Kreativitäts- oder Produktproblemen.

Die größten Medienkonzerne der Welt (nach Umsatz 2012)

Comcast/NBC, LLC

48,7 Milliarden Euro

Google

39,1 Milliarden Euro

Walt Disney

32,9 Milliarden Euro

News Corp.

26,2 Milliarden Euro

Time Warner

22,4 Milliarden Euro

Viacom/CBS Corp.

22,4 Milliarden Euro

Sony Entertainment

16,8 Milliarden Euro

Bertelsmann

16,1 Milliarden Euro

Vivendi

13,3 Milliarden Euro

Dish Network Corp.

11,1 Milliarden Euro

Rang 11 bis 20

Cox Enterprises 10,6 Milliarden Euro

Thomson Reuters 10 Milliarden Euro

Rogers Comm. 9,7 Milliarden Euro

Liberty Media Corp. 9,4 Milliarden Euro

Reed Elsevier 7,5 Milliarden Euro

Pearson 7,5 Milliarden Euro

Lagardère Media 7,4 Milliarden Euro

Nippon Hoso Kyokai 6,4 Milliarden Euro

ARD 6,3 Milliarden Euro

Bloomberg 6,2 Milliarden Euro

Quelle: Unternehmen

Seine Marktstellung wird die ARD aller Voraussicht in Zukunft sogar noch ausbauen. Denn mit der Einführung der Haushaltsgebühr wird das Aufkommen der früheren GEZ-Gebühr noch steigen. Seit Jahresanfang werden alle Bürger und Unternehmen zur Kasse gebeten, unabhängig ob sie die 22 Fernsehsender, 67 Radios und unzähligen Internetangebote überhaupt nutzen. Das war über Jahrzehnte anders. Bis vor kurzem zahlte nur derjenige, der auch ein entsprechendes Empfangsgerät besaß.

Doch nicht nur potenzielle Mehreinnahmen werden die Position der ARD verbessern, sondern auch die Schwäche der privaten Medienkonzerne. So plant Rupert Murdoch das Zeitungsgeschäft aus seinem börsennotierten Konzern News Corp. auszugliedern. Denn dadurch kann das von New York aus gelenkte Unternehmen mit seinen Fernsehsendern (in Deutschland der Bezahlsender Sky) und Filmstudios wie 20th Century Fox, besser glänzen. Auch der Konkurrent Time Warner wird sein darbendes Zeitschriftengeschäft Time Inc. ausgliedern. Das Resultat: beide Konzerne verlieren hinsichtlich des Umsatzes an Bedeutung.

Kommentare (2)

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Uwe

29.04.2013, 12:36 Uhr

Und dieser Verein (Beitragsservice)zwingt einen Rentner der 430€ Rente zum Leben hat (Inkl.Miete 160€)dazu,das er Hartz4 beantragt um von dieser TV-Steuer befreit zu werden.

Account gelöscht!

30.04.2013, 00:05 Uhr

Bei ARD und ZDF von einer Marktstellung zu sprechen ehrt diesem planwirtschaftlichen System sehr, und scheint doch eher schizophren.

Könnten die weltweiten Medienkonzerne jedermann eine Rechnung für Fernsehen, Zeitungen oder Internet in ähnlicher Höhe wie unsere Planwirtschaftler schicken, würden diese wahrscheinlich aus den Top 100 herausfallen.

Aber Deutschland hatte ja noch nie Schwierigkeiten mit zwangssystemen. Vom Volksempfänger zum Zwangsempfang.

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