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28.09.2012

10:56 Uhr

Kolumne

Schach, Herr Steinbrück!

VonWolfram Weimer

Eine peinliche Sponsoren-Affäre stört die Krönungsszenerie der SPD. Da hilft Peer Steinbrück selbst lautstarkes Poltern gegen die Banken nichts.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Peer Steinbrück hat sich ans Ziel gekämpft. Sigmar Gabriel zog grummelnd zurück, Frank-Walter Steinmeier gibt auf, der Gerhard-Schröder-Freundeskreis jubelt testosteronerfüllt, Helmut Schmidt gibt seinen papstähnlichen Segen und die Medien finden an dem kantigen Querkopf auch ihren Spaß. Die Kanzlerkandidatur der SPD ist entschieden, nur der Termin der Krönungsmesse ist noch offen.

Dabei schien kurz vor der Ziellinie doch noch alles ins Wanken zu geraten. Denn die Affäre um gedungene Sponsoren für ein Schach-Spektakel in Steinbrücks Heimatstadt zieht Kreise. Das Nachrichtenmagazin Focus hatte enthüllt, dass Steinbrück 2006 die damaligen Chefs von Post und Telekom, Klaus Zumwinkel und Kai Uwe Ricke, um ein Sponsoring in Höhe von 950.000 Euro und einer Million Euro gebeten hatte. Das Pikante daran: Steinbrück war Finanzminister, und der Bund herrschte als größter Einzelaktionär im Aufsichtsrat der beiden Unternehmen.

Steinbrück war das Dubiose seiner Sponsoreninitiative offenbar bewusst, denn er verwendete privates Briefpapier für die Sponsorendrückerei – unter seinem Namen stand freilich Bundesfinanzminister, damit auch allen klar war, dass hier die Macht persönlich bittet. Aktienrechtler haben diese Methode Steinbrücks inzwischen als inakzeptablen Amtsmissbrauch kritisiert. Als Finanzminister dürfe man bei halbstaatlichen Unternehmen nicht derart um Spenden für private Vergnügen werben.

Entscheidung gefallen

Steinbrück soll Kanzlerkandidat werden

Entscheidung gefallen: Steinbrück soll Kanzlerkandidat werden

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Der Fall erinnert einerseits an die Bittbriefe der Sponsorensammler Christian Wulff und Olaf Glaeseker (hier ermittelt die Staatsanwaltschaft noch) für ihren Nord-Süd-Dialog, andererseits an den Fall Möllemann 1993. Der FDP-Politiker hatte damals als Wirtschaftsminister mit Briefkopf seines Ministeriums die Erfindung eines Verwandten angepriesen. Letztlich musste Möllemann 1993 wegen dieser „Briefkopf-Affäre“ zurücktreten.

Kommentare (16)

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28.09.2012, 11:24 Uhr

Wunderbar !

apt3844

28.09.2012, 11:28 Uhr

Was soll die kleine Sponsoren-Geschichte ?
Kritisieren Sie doch eher die sanfte Intrigantin Merkel, die gekonnt die Demokratie in Deutschland nach iherer Lust und Laune biegt. Dieses Weib muß gestoppt werden !

haustechniker

28.09.2012, 11:35 Uhr

Da könnte einer ja schneller weg sein als er überhaupt da war. Und über eine Politik gegen die Großfinanz ist schon so mancher deutsche Politiker gestolpert, wenn er den Kurs durchhält wird er nicht besonders viel Spaß haben, befürchte ich.

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