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26.01.2010

08:32 Uhr

Kontra Bernanke

Strafe für Versagen

VonMartin Hutchinson

Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank abzulösen, würde zeigen, dass die Fed für ihre Fehler verantwortlich ist. Angesichts der Rolle, die Bernanke während der Immobilienblase spielte, und angesichts seiner Weigerung, Fehler einzugestehen, wäre es falsch, ihn zu halten. Selbst innerhalb der Regierung sollte Versagen bestraft werden.

Ben Bernanke als Chairman der US-Notenbank Federal Reserve abzulösen, würde zeigen, dass die amerikanische Notenbank für ihre Fehler verantwortlich ist. Bernanke wird von Republikanern, die für einen harten geldpolitischen Kurs eintreten, und von gegen die Wall Street eingestellten Demokraten abgelehnt. Wenn die Letzteren die Oberhand behalten, könnte sein Nachfolger sich als noch schlimmer erweisen. Aber angesichts der Rolle, die Bernanke bei der Immobilienblase spielte und angesichts seiner Weigerung, den Fehler einzugestehen, wäre es falsch , ihn zu halten.

Die Immobilienblase der Jahre 2002 bis 2007, zu der eine lasche Geldpolitik erheblich beigetragen hat, hatte sich größtenteils während der Amtszeit seines Vorgängers Alan Greenspan abgespielt. Allerdings tendierte Bernanke schon im November 2002 zu noch niedrigeren Zinsen und behauptete, es bestehe Deflationsgefahr.

Im Jahr 2004 propagierte er zudem die Theorie der "Great Moderation", also der weltweiten makroökonomischen Stabilität, die dazu führte, dass unter den politisch Verantwortlichen die Selbstzufriedenheit um sich griff. Seit seinem Amtsantritt im Februar 2006 hat er sich beständig für billigeres Geld eingesetzt. Unter anderem haben vermutlich voreilige Zinssenkungen in den Jahren 2007 und 2008 dazu beigetragen, dass in den Sektoren Energie und Rohstoffe eine spekulative Blase entstanden ist.

In einer Rede vom 3. Januar vor der wirtschaftswissenschaftlichen Vereinigung American Economic Association gab Bernanke einer unangemessenen Regulierung die Schuld an den Übertreibungen im Bankensektor und der sich anschließenden Krise und nicht einer Geldpolitik, die zu locker war. Dies legt nahe, dass er zu langsam reagieren wird, was Zinserhöhungen angeht, selbst nachdem wirtschaftliche und inflationsbezogene Signale ein Anziehen der Zinszügel unerlässlich machen.

Einige Widersacher Bernankes im US-Senat machen ihn für die Immobilienblase verantwortlich und treten für einen weit strengeren geldpolitischen Kurs ein. Andere wiederum, vorwiegend aus dem Lager der Demokraten, nehmen Anstoß an den staatlichen Rettungsaktionen für die Wall Street, mit denen Bernanke assoziiert wird. Sie verlangen größere Anreize, um die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln. Da die Demokraten den US-Kongress beherrschen, besteht daher die Gefahr, dass es sich bei einem möglichen Nachfolger von Bernanke um einen Populisten handeln könnte, der für gar noch billigeres Geld eintreten könnte.

Trotzdem würde durch eine Ablösung Bernankes die Fed für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen. Darüber hinaus hätte ein Fed-Chairman, der in populistischer Manier eine Politik des billigen Geldes verfolgt, vielleicht nicht lange Bestand. Im Jahr 1979 hatte eine Dollar- und Anleihemarktkrise, die durch einen Mangel an Anlegervertrauen ausgelöst worden war, die Amtszeit von William Miller verkürzt.

Es besteht zudem die Chance, dass der Senat sich dem einzigen Demokraten zuwendet, der eine Politik des harten Geldes unterstützt und der sowohl im Kongress als auch auf den Märkten auf breite Zustimmung stößt: Paul Volcker. Volcker hatte das Amt des Chairman der Fed übernommen, nachdem Miller gegangen war, und hatte die Inflation mit hohen Zinsen bekämpft, die zu einer Rezession geführt hatten. Im Alter von 82 Jahren könnte er der Fed vermutlich nur für einen Turnus von vier Jahren dienen. Doch das könnte ausreichen, um einen inflationären Preisauftrieb zu vermeiden.

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