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19.01.2010

10:15 Uhr

Kraft/Cadbury

Alles wird gut

VonChristopher Hughes

Kraft steht kurz davor, den britischen Süßwarenkonkurrenten Cadbury für 11,6 Mrd. Pfund zu übernehmen. Kraft hatte seine unerwünschte Offerte durch eine Barkomponente nachgebessert. Beide Seiten sollten zufrieden sein.

Es wäre schon erstaunlich gewesen, wenn die unerwünschte Übernahme-Offerte von Kraft Foods für Cadbury bis zum bitteren Ende gegangen wäre. Wie die meisten heißen Übernahmeschlachten scheint sich auch diese auf eine Annäherung in der letzten Minute und auf eine Empfehlung seitens des Übernahmekandidaten hinzubewegen. Der voraussichtliche Erfolg für Cadbury, Kraft ohne Auktion mehr zu abzuringen, ist eindrucksvoll.

Kraft dürfte rund 840 p in bar und Aktien zahlen, die Cadbury-Aktionäre werden voraussichtlich in den Genuss einer Abschlussdividende von zwölf p je Aktie kommen. Damit beläuft sich das Gebot von Kraft auf rund 850 p je Aktie. Außerdem wird erwartet, dass Kraft die Bar-Komponente auf etwa 500 p anhebt, wodurch dieser Anteil mit Leichtigkeit mehr als die Hälfte der Vergütung ausmacht.

Auch wenn dies einem 50prozentigen Aufschlag gegenüber dem Aktienkurs von Cadbury vor der Offerte entspricht, hat Kraft keine Schwierigkeiten damit, dies zu rechtfertigen. Auf den Anstieg des Marktkurses im Verlauf der Schlacht entfallen zwölf Prozent. Hochstufungen von Schätzungen verschlafener Analysten steuerten vielleicht weitere zehn Prozent bei, so dass eine annehmbare Prämie von 28 Prozent für die Kontrolle impliziert wird.

Alternativ könnte man die zukunftsgerichteten Gewinne von Cadbury mit einem Vielfachen von 15,5 versehen - ein zu rechtfertigender Aufschlag gegenüber dem Markt, wenn man bedenkt, dass Cadbury ein zweistelliges Wachstum der Gesamtgewinne vor sich hat. Dann wäre das Unternehmen für sich genommen 682 p je Aktie wert. Mit der Hilfe von Cadbury müsste Kraft in der Lage sein, die Kosteneinsparungen auf 7,5 Prozent des Jahresumsatzes von Cadbury von sechs Mrd. Pfund Sterling zu steigern. Dies dürfte auf Synergien mit einem Barwert von mehr als drei Mrd. Pfund schließen lassen.

Nach diesen Berechnungen hätte Kraft sogar eine Offerte zu etwa 900 p je Aktie rechtfertigen können. Durch die Neufestlegung der Mischung aus Cash und Aktien kann Kraft nun den Umfang der Aktien, die in das Gebot einfließen, tatsächlich herabsetzen - und damit den Aktionär Warren Buffett zufrieden stellen.

Was Cadbury angeht, so hat der Süßwarenhersteller in einer immer angreifbareren Situation Werte für seine Aktionäre geschaffen. Da Hedge Fonds 20 Prozent halten und viele US-Investoren mit Freuden Kraft-Papiere annehmen wollten, war die Unabhängigkeit von Cadbury gefährdet. Der Flirt des Unternehmens mit Hershey hat sicherlich dazu beigetragen, die Kraft-Chefin Irene Rosenfeld zu verunsichern und sie dazu zu bringen, ihr Gebot zu erhöhen. Auch der britische Politiker Peter Mandelson, der an die Aktionäre appellierte, nicht zu billig zu verkaufen, hat seinen Teil dazu beigetragen.

Scheinbar wird Rosenfeld ihren Deal bekommen. Während der Schlacht hatte es mehrere Male so ausgesehen, als würde das Unterfangen ihrer Karriere ein Ende setzen. Jetzt wird sie, wenn sie ihre Versprechen einhalten kann, wie die Siegesheldin von Bonbonland erscheinen.

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