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19.01.2010

14:03 Uhr

Kraft/Cadbury

Milliardenschwere Schokoholiker

VonChristopher Hughes (breakingviews.com)

Krafts Übernahme von Cadbury für 19 Mrd. Dollar sorgt für große Instabilität im weltweiten Süßigkeitensektor. Beinahe ein Drittel des Marktes liegt von nun an zu gleichen Teilen in den Händen von Kraft und dessen US-Rivalen Mars. Damit ergeben sich einige knifflige strategische Aufgaben für Nestlé und die kleineren Konkurrenten .

Die angepeilten Einsparungen aus dem Cadbury-Deal werfen ein Schlaglicht auf die Tragweite von M&A-Synergien in dieser Branche. Kraft rechnet mit jährlich 675 Millionen Dollar - und damit 6,9 Prozent von Cadburys Gesamtverkäufen des letzten Jahres. Investoren sehen darin 3,76 Mrd. Dollar Unternehmenswert, wenn man die Summe mit 25 Prozent versteuert, 10-fach kapitalisiert und einmalig die recht hoch angesetzte Summe von 1,3 Mrd. als Kosten abzieht. Diese Vorabschätzung scheint ziemlich konservativ und reflektiert nicht die Kooperationsbereitschaft, die Cadburys Management in letzter Minute zeigte.

Dank seiner größeren Effizient ist Kraft zu einer wachsenden Bedrohung geworden. Hershey und Ferrero kontrollieren jeweils 4,5 Prozent des Marktes und wussten dies. Beide schlichen um Cadbury herum, müssten nun aber nicht zwingend sofort auf die Übernahme reagieren. Hershey wächst noch und hält in einigen Märkten die Marktdominanz. Ferrero hingegen unterliegt, da es sich im Familienbesitz befindet, nicht dem Druck, den institutionelle Investoren ausüben.

Auf lange Sicht sitzen werden beide Firmen von Kraft und Mars bedrängt werden. Zudem setzen auch die Einzelhändler die Daumenschrauben an. Nur Hersteller ab einer gewissen Größe können sich widersetzen.

Insbesondere Nestlé muss sich entscheiden, welche Rolle man wirklich in diesem Sektor spielen möchte. Derzeit konzentriert sich die Strategie auf Gesundheits- und sogenannte "Wellness"-Produkte, ein Widerspruch zum Sortiment süßer Snacks, die man spontan kauft. Die gut kapitalisierte Unternehmensgruppe entschloss sich gegen ein Gebot für Cadbury - obwohl man die Aufspaltung der britischen Firma im Schulterschluss mit Hershey durchaus hätte stemmen können. Von nun an scheint sich das Unternehmen eher auf der Verkäufer-, denn auf der Käuferseite zu sehen.

Für Käufer unterhalb der Kraft?schen Durchschlagskraft bleiben europäische Knirpse wie Lindt & Sprüngli sowie Perfetti van Melle attraktive Übernahmeziele.

Kraft selbst muss nun erst einmal für Ordnung sorgen. Mit Cadbury im Sack erscheint angesichts der Konjunkturerholung die Trennung von wenig wachstumsstarken Marken wahrscheinlich. Die Übernahme von Cadbury sorgt dabei für neue M&A-Impulse in diesem konsolidierungsfreudigen Sektor.

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