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21.01.2010

09:38 Uhr

Kraft Chefin Rosenfeld

Im Ring mit Warren Buffett

VonRichard Beales

Die Kraft-Chefin Irene Rosenfeld hat ihren Preis erhöht, um sich den britischen Süßwarenhersteller Cadbury zu sichern. Allerdings nahm sie dabei den Umfang der bei dem Deal gebotenen Aktien zurück. Damit folgte hat sie ihm damit die Chance entzogen, als größter Aktionär von Kraft gegen den Abschluss zu stimmen. Ein mutiges Manöver.

Irene Rosenfeld kann sich eindeutig glücklich schätzen. Die Kraft-Chefin hat ihren Preis erhöht, um sich die Einwilligung von Cadbury in eine Übernahme zu sichern. Indem sie dabei die Aktienkomponente verringerte, hat sie gleichzeitig Warren Buffett, der den Deal missbilligt, die Chance entzogen, als größter Aktionär von Kraft gegen die Transaktion zu stimmen.

Der Boss von Berkshire Hathaway hatte bereits seine Bedenken über den Abschluss geäußert, den Rosenfeld für den britischen Süßwarenhersteller eingefädelt hatte. Jetzt hat die Investmentlegende aus Nebraska dem Fernsehsender CNBC zu Protokoll gegeben, dass er Zweifel an den Konditionen hegt, auf die sich Rosenfeld in dieser Woche mit Cadbury geeinigt hat. Er würde gegen die Transaktion stimmen, wenn er könnte.

Aber er kann nicht. Rosenfeld hatte die Offerte von Kraft für Cadbury auf 850 p je Aktie und damit auf insgesamt etwa 19 Mrd. Dollar erhöht, um die Zustimmung des Übernahmekandidaten zu gewinnen. Doch indem sie die Barkomponente anhob, verringerte sie gleichzeitig die Anzahl der Aktien, die Kraft emittieren muss, auf etwa 18 Prozent der bereits umlaufenden Titel und blieb damit geschickt unter der Schwelle von 20 Prozent, bei der sie gemäß den Richtlinien der New Yorker Börse die Billigung durch die Aktionäre hätte einholen müssen.

Indem sie die Aktienkomponente der Offerte verkleinerte, trug Rosenfeld zufällig einem der Einwände Buffetts Rechnung, nämlich dass die Aktien von Kraft unterbewertet sind und sie deshalb eine teure Akquisitionswährung darstellten. Und andere einflussreiche Aktionäre unterstützen den Abschluss, darunter Bill Ackman vom aktivistischen Hedge Fonds Pershing Square.

Aber es erfordert schon Mut, sich gegen einen Großaktionär zu stellen, besonders gegen einen, der Buffetts Aura besitzt. Sicher, es handelt sich um einen geschäftlichen Dissens, der sich vorwiegend um den Preis zu drehen scheint, den Kraft zahlt, und nicht um die Gesamtstrategie. Buffett sagt zwar, er wolle seine Aktien nicht verkaufen, zollt Rosenfeld aber dennoch nach wie vor seine höchste Anerkennung. Trotzdem ist sie von nun an besonders exponiert, sollte auch nur das geringste Missgeschick eintreten, wenn es darum geht, die Versprechen einzulösen, die sich um Cadbury ranken.

Die Kraft-Chefin muss sich dessen bewusst sein. Und es sieht ganz so aus, als habe sie bei den Zielen, die sie selbst festgelegt hat, eine Sicherheitsmarge eingebaut. Die angekündigten Erwartungen bezüglich der Kosteneinsparungen haben sich seit der ursprünglichen feindlichen Offerte des Cracker- und Käseherstellers kaum verändert. Da Cadbury jetzt ins Boot geholt wurde, sollte es möglich sein, mehr als die angedachten rund sieben Prozent des Umsatzes zu kürzen - und die geschätzten Kosten, um dahin zu gelangen, scheinen ebenfalls ein wenig zu hoch angesetzt zu sein.

Wenn die Kraft-Aktien dauerhaft an Stärke gewinnen, wird Rosenfeld zweifellos mit Freuden mit Buffett darüber streiten, ob diese Entwicklung aufgrund oder trotz des Cadbury-Deals eingetreten ist. Die Alternative, vor der Rosenfeld stehen würde - einen Deal zu verteidigen, der entgegen dem Urteil von Buffett durchgezogen wurde und der hinsichtlich des Aktienkurses überhaupt keine Argumente liefert - wäre viel weniger verlockend.

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