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06.01.2010

10:30 Uhr

Kraft-Foods

Warren Buffett teilt wieder aus

VonJeffrey Goldfarb (breakingviews.com)

Investor Warren Buffett hat die Chefin von Kraft in Verlegenheit gebracht. Nachdem der "Weise von Omaha" die Cadbury-Offerte getadelt hat, bleiben Irene Rosenfeld nur noch wenige gangbare Optionen. Im schlimmsten Fall scheitert das Gebot.

Warren Buffett lässt Kraft Foods ein wenig an seiner geschätzten Weisheit teilhaben. Der "Weise von Omaha" hat die Struktur der unerwünschten Übernahmeofferte der US-Nahrungsmittelgruppe für den britischen Konkurrenten Cadbury angeprangert. Nach der seltenen öffentlichen Schelte eines der meistbewunderten Investoren der Welt sitzt die Chefin von Kraft, Irene Rosenfeld, in einer Falle, wie sie selbst mit einem Fondue aus Velveta-Schmelzkäse und Toblerone nicht zäher herzustellen wäre.

Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hat nach eigenen Angaben gegen den Plan von Kraft gestimmt, bis zu 370 Mill. Aktien zu begeben, um eine Offerte für Cadbury über 16,4 Mrd. Dollar abzustützen, die teilweise über Aktien, teilweise in bar vorgenommen werden soll. Es sollte niemanden überraschen, dass ein Aktionär, der 9,4 Prozent an Kraft hält, der Meinung ist, dass das Unternehmen unterbewertet sei und dass seine Aktien eine "teure Währung" darstellten, um in einer Übernahme eingesetzt zu werden.

Nachdem Buffett im September geäußert hatte, Kraft habe "eine Menge zu tun", um den Angebotspreis zu rechtfertigen, folgen seine jüngsten Bedenken als logische Konsequenz. Darüber hinaus hat es der rustikale Anlegerguru aus Nebraska selbst schon bitter bereut, Aktien in Deals eingesetzt zu haben, besonders bei der Akquisition des Schuhgeschäfts Dexter im Jahr 1993. Der Abschluss kostete die Investoren zwar nicht den Transaktionswert von 433 Mill. Dollar - aber nachfolgende Gewinne der Berkshire-Aktien über rund 3,5 Mrd. Dollar.

Rosenfeld kann Buffett immer noch zufrieden stellen. Der Weise räumte ein, er könnte die Mega-Aktienemission von Kraft immer noch absegnen, wenn erst einmal die endgültige Offerte auf dem Tisch liegt, falls er davon überzeugt ist, dass keine Werte zerstört werden.

Doch das wird nicht einfach werden. Die Cadbury-Titel werden immer noch über dem Niveau der Kraft-Offerte gehandelt. Rosenfeld wird Mühe haben, sich Buffett zu widersetzen und mehr Aktien in die Offerte einzubringen. Sie könnte immer noch eine höhere Offerte mit einer höheren Barkomponente finanzieren. Zusammen mit den zusätzlichen 1,3 Mrd. Dollar, die Kraft am Dienstag nach dem Verkauf des US-Pizzageschäfts eingebracht hat, könnte die Firma mindestens noch einmal den gleichen Betrag dazu legen, indem sie Mittel bei ihren Banken aufnimmt.

Mit ein bisschen Glück kann sie nach derlei Nachbesserungen Cadbury vielleicht doch an den Verhandlungstisch locken. Und wenn das Management von Cadbury mit an Bord ist, könnte Kraft in der Lage sein, weitere Möglichkeiten zur Kosteneinsparung zu entdecken, um den Bedenken von Buffett über die Bewertung Rechnung zu tragen.

Rosenfeld hat die Alternative, das Gebot fallen zu lassen. Ihre Glaubwürdigkeit wäre dann schwer beschädigt. Doch selbst wenn es ihr gelingt, Buffett doch noch zu überzeugen, wird Rosenfeld die Narben einer erniedrigenden Lektion, die sie auf die harte Tour lernen musste, nicht mehr los.

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