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13.01.2010

07:55 Uhr

Kraft-Übernahmekampf

Stur bleiben

VonJeffrey Goldfarb (breakingviews.com)

Kraft sollte sich bei dem Gebot für Cadbury nicht beirren lassen. Zu viel zu zahlen, ist nicht sinnvoll. Die Hoffnungen des britischen Süßwarenherstellers auf einen weißen Ritter schwinden. Und es könnte sich für Kraft-Chefin Rosenfeld als ergiebiger erweisen, Warren Buffett zufrieden zu stellen, als dem Chairman von Cadbury hinterher zu jagen. Falls keine andere Offerte auftaucht, wird Cadbury einfach nur billiger.

Kraft Foods sollte nicht nachgeben - zumindest nicht sehr. Sein widerspenstiges britisches Übernahmeziel Cadbury hat einige eindrucksvolle, wenn auch kaum überraschende Ergebnisse präsentiert und äußerst hohe Erwartungen an den Tag gelegt. Doch dadurch haben sich die schwindenden Hoffnungen des Süßwarenherstellers nicht verbessert, einen weißen Ritter zu finden. Auch an Krafts Möglichkeiten, mehr zu zahlen, ohne damit die Aktionäre zu verärgern, hat sich nichts geändert.

Der Ruf von Irene Rosenfeld, die den Käse- und Kekskonzern leitet, steht auf dem Spiel. Gleichzeitig bleiben seitens des Cadbury-Chairman Roger Carr die Signale aus, ob die Briten an den Verhandlungstisch zu locken wären, wenn die Offerte auf den gegenwärtigen Marktkurs von Cadbury von 777 p - oder gar auf 800 p - erhöht werden würde. Tatsächlich wirbt Cadbury immer noch lautstark für andere Branchenakquisitionen mit Bewertungen, die implizieren, dass Kraft einen Preis von eher 900 p zahlen müsste.

Darüber hinaus ginge die Rechnung nicht auf, wenn Kraft nachbessern würde. Der angebotene Aufschlag übersteigt bereits den Kapitalwert der Kosteneinsparungen des Deals. Selbst wenn Kraft, wenn dem Unternehmen erst einmal ein tieferer Zugang zu den Finanzen von Cadbury gewährt worden wäre, einige weitere Posten aufspüren könnte, die zu kürzen wären, könnte die Firma das momentane Gebot dennoch nicht um viel mehr als um ein paar Pennies aufstocken.

Und dann wäre da auch noch Warren Buffett. Er hält zehn Prozent an Kraft und hat klargestellt, dass er dagegen ist, dass das Unternehmen zu viele Aktien einsetzt, um für Cadbury zu zahlen. In einem entsprechenden Schreiben schien er sogar anzudeuten, dass Kraft seiner Ansicht nach bereits einen Höchstpreis bietet. Dies schmälert Rosenfelds Optionen.

Die Investoren von Cadbury erwarten sich ein klein wenig mehr von Kraft - aber nicht in dem Umfang, von dem die optimistischeren Analysten des Unternehmens ausgehen. Sicher, die Anleger ziehen es vor, ihre Aktien einem Gebot anzudienen, für das eine Empfehlung des Board vorliegt. Aber ohne Kraft wird Cadbury billiger werden. Rechnen wir 15 Prozent - für Marktgewinne und die Entwicklung von Cadbury - zu dem Niveau hinzu, auf dem sich die Aktien bewegten, bevor Kraft auftauchte, dann notieren sie trotzdem immer noch bei etwa 650 p bzw. bei nur 85 Prozent der angebotenen 762 p je Aktie.

Die Chancen stehen trotzdem gut, dass die Mehrheit der Cadbury-Anleger nicht verkaufen wird. Dann müsste Rosenfeld darum kämpfen, ihr Gesicht zu wahren. Doch sie könnte behaupten, sie habe finanzielle Umsicht walten lassen, und damit dem Beispiel von Comcast-Chef Brian Roberts folgen, nachdem er mit seiner feindlichen Offerte für Disney gescheitert war.

Wenn dies das Schlimmste ist, das sich Rosenfeld erwarten kann, gibt es keinen Grund, warum sie ihre Offerte jetzt nachbessern sollte. Sie wird später die Gelegenheit bekommen, sich noch einmal an Cadbury zu versuchen, falls ihre gegenwärtige Offerte durchfällt.

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