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03.01.2010

13:01 Uhr

Kreditmärkte

Kein Blick zurück

VonNeil Unmack (breakingviews.com)

In den vergangenen neun Monaten haben die Investoren an den Anleihemärkten ein goldenes Zeitalter erlebt. Staatsanleihen zeigten sich mit niedrigen Renditen, die Risikoaufschläge schrumpften beträchtlich. So kann es nicht weiter gehen. Sowohl zu viel als auch zu wenig Wachstum würde die Bondmärkte in Mitleidenschaft ziehen. Doch für die Mutigen bergen hochverzinsliche Schuldtitel immer noch Potenzial.

Die Anleger an den Anleihemärkten sollten ihre Erinnerungen an die letzten neun Monate des Jahres 2009 auskosten. Solch gute Zeiten werden so schnell wohl nicht wiederkehren.

Es war ein goldenes Zeitalter. Eine Flut an Geldern sorgte dafür, dass die Renditen von Staatsanleihen niedrig blieben. Gleichzeitig nahm das Vertrauen in die Wirtschaft wieder zu und verringerte die Angst, dass Unternehmenszusammenbrüche verstärkt um sich greifen könnten. Dies führte dazu, dass der Risikoaufschlag auf den iTraxx Europe-Index, ein Renditebarometer für erstklassig bewertete Schultitel, von über 200 Basispunkten im März bis Dezember auf weniger als 80 Basispunkte fallen konnte.

Gemessen an historischen Vorgaben ist dies immer noch relativ hoch, so dass mit einer weiteren leichten Schmälerung gerechnet werden kann. Damit die Investoren in Zinspapiere dies erreichen können, müsste das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts einerseits niedrig genug bleiben, damit die Zentralbanker die Zinszügel weiter locker halten. Andererseits müsste es hoch genug ausfallen, so dass keine Panik entsteht. Renditehungrige Anleger müssten Unternehmensschuldtitel kaufen und damit die Spreads nach unten treiben.

Dieses Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, ist schwierig. Wenn das Wachstum anzieht, könnte sich der Aufschlag gegenüber den Staatsanleihen verengen, da das Ausfallrisiko abnimmt. Allerdings würde sich wahrscheinlich die Rendite der Staatstitel erhöhen, wenn die geldpolitischen Anreize verschwinden und die Inflationsängste zunähmen. Eine kräftige Erholung könnte ebenfalls einen Exodus aus Kredittiteln in Aktien auslösen, die noch riskanter und besser gegen die Inflation geschützt sind.

Oder aber die wirtschaftliche Erholung könnte abflauen und in einer Stagnation oder einer erneuten Rezession münden. Dann würden die Renditen der Staatspapiere vermutlich niedrig bleiben, allerdings könnten dadurch viel mehr Unternehmen an den Rand des Abgrunds rücken. Die Aufschläge würden sich also ausweiten und den Investoren Verluste bescheren.

Selbst ein noch schlimmeres Szenario ist denkbar. Nehmen wir einmal an, die Regierungen reagieren auf eine hartnäckig schwache Wirtschaft, indem sie noch mehr Schuldtitel begeben. Die Investoren allerdings zögerten, diese zu kaufen. Dann würden die Renditen von Staatsanleihen steigen, während die Unternehmen immer noch ums Überleben kämpften. Diese Kombination würde auf fast allen Finanzmärkten verheerende Schäden anrichten, die Kreditmärkte eingeschlossen.

Was sollte ein Anleihe-Investor also tun? Nun, ängstliche Anleger sollten sich auf kurze Laufzeiten und hoch bewertete Emittenten verlegen. Aber denjenigen, die sich risikofreudiger zeigen wollen, eröffnen sich auf dem Markt für Hochverzinsliche immer noch Möglichkeiten. Mit 440 Basispunkten notierte der iTraxx Crossover von meist als hochspekulativ eingestuften Unternehmen Ende Dezember immer noch um mehr als 200 Basispunkte über dem Punkt seines geringsten Risikoaufschlags, den er im Jahr 2007 erreicht hatte .

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