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28.01.2010

14:29 Uhr

London

Eine Stadt namens Malus

VonGeorge Hay

In London sind gewöhnlich die Banker mit ihren großen Boni dafür verantwortlich, wenn die Häuserpreise steigen. Doch bei der diesjährigen Auszahlung wird es weniger Bares auf die Hand geben. Gleichzeitig dürfte das Angebot an Immobilien steigen. Damit wird der überraschenden Mini-Erholung auf dem Londoner Wohnungsmarkt gleich wieder die Luft ausgehen.

Die Banken machen Ernst mit der Rücknahme der Bonuszahlungen, zumindest teilweise. Damit dürften sie den Mini-Boom auf dem Londoner Immobilienmarkt gleich wieder abwürgen. Die Häuserpreise in den erstklassigen Lagen der britischen Hauptstadt, wie Kensington, Mayfair und Notting Hill, waren im vergangenen Jahr um neun Prozent geklettert und lagen damit um 13 Prozent unter ihren im Herbst 2007 erreichten Spitzenwerten. Aber da in diesem Jahr die Bar-Komponente der Boni geringer ausfallen wird, könnte diese Erholung sich 2010 in ihr Gegenteil verkehren.

Angesichts der britischen Bonus-Steuer bauen einige der größten Wall Street-Firmen ihre Bonuspools in Großbritannien jetzt um. Die Credit Suisse und Goldman Sachs kürzen oder deckeln die Leistungsprämien für Spitzenbanker und Barclays will eine umfangreiche Portion der Auszahlungen für viele Mitarbeiter zurückstellen. Doch vor allem werden die Banker, die trotzdem noch üppige Boni einstecken, verglichen mit den Zeiten vor der Krise relativ wenig davon bar auf die Hand erhalten.

Dies könnte dem Londoner Wohnungsmarkt einen Hauptantriebsfaktor entziehen. Die Cash-Boni vergangener Jahre hatten dazu geführt, dass die Häuserpreise in zentralen, erstklassigen Lagen Londons seit 1999 um 83 Prozent nach oben geschossen waren, rechnen die Immobilienberater von Savills vor. Rund siebzig Prozent aller Transaktionen unter den ersten Adressen der Hauptstadt hatten in der Vergangenheit Verkäufe an Barzahler umfasst. Mehr als ein Drittel dieser Käufer arbeitete im Finanzsektor.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich gleichzeitig das Wohnungsangebot ausweiten dürfte. Die Aussichten auf Änderungen bei der Kapitalgewinnsteuer nach den Wahlen in diesem Jahr ist ein Faktor, der die Aktienkurse nach oben treiben könnte. Und während sich zwar die durchschnittlichen Londoner Häuserpreise unter ihren Höchstständen bewegen, haben Immobilienbesitzer in einigen Gegenden Papierverluste aus der Krise wieder hereingeholt und könnten bereit sein, ihr Glück mit einem Verkauf zu versuchen. Und die Eigentümer ausgesuchter Anwesen, die mit Hilfe von Hypothekendarlehen aus den Boom-Zeiten gekauft hatten, könnten auch nach einem Weg suchen, um sich mit ihrem Eigenkapital zu verabschieden, bevor die Zinsen steigen.

Die Verteuerung bei Immobilien in bester Lage aus dem vergangenen Jahr sieht immer mehr nach einem Ausnahmespurt aus, bei dem eine aufgestaute Nachfrage auf ein begrenztes Angebot getroffen war, nachdem zuvor die Pleite von Lehman Brothers auf dem Markt eine sechsmonatige Schockstarre ausgelöst hatte. Was jetzt im schlimmsten Fall vorstellbar wäre, ist ein kräftiger Schub neuer Angebote vor dem Hintergrund einer erneuten Schrumpfung der britischen Wirtschaft insgesamt, wobei ein kleiner gewordener Kader an Bankern mit Bargeld in der Tasche die Nachfrage stützen soll. Optimisten könnten anführen, dass Käufer auf dem Ausland die entstandene Lücke ausfüllen. Auf internationale Käufer waren 2009 rund 55 Prozent der Transaktionen entfallen im Vergleich zu 45 Prozent in den beiden vorhergehenden Jahren, berichtet Savills. Aber das Pfund Sterling hat sich gegenüber dem Dollar und dem Euro in den vergangenen Monat recht wacker behauptet.

Savills hatte selbst noch vor der Überraschung um die Boni prognostiziert, dass sich die Immobilienpreise in London im Jahr 2010 um ein Prozent verbilligen. So wie es jetzt aussieht, ist eine deutlichere Umkehr der Erholung der Häuserpreise in der Hauptstadt wahrscheinlicher.

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