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26.01.2010

20:25 Uhr

Luxus

Wohlhabende feiern das Ende der Modebranche-Rezession

VonNicholas Paisner (breakingviews.com)

Luxusgüter wurden in den letzten Monaten 2009 geradezu aus den Regalen gerissen. Die kräftige Erholung im Finanzdienstleistungssektor und in den Emerging Markets gaben den Gutbetuchten wieder das Gefühl flüssig zu sein. Puritaner mögen die Rückkehr des Glitzers bedauern, aber wer in großem Stil Geld ausgibt, kann zum Lebenselixier schwacher Volkswirtschaften werden.

Die Wohlhabenden der Welt haben in den letzten Monaten des Jahres 2009 zu ihrem Appetit auf Luxus zurückgefunden. Die jüngsten Umsatzzahlen von Richmont, Burberry und Swatch zeigen, dass die Luxusgutanbieter gegen Ende des Jahres eine beeindruckende V-förmige Erholung hingelegt haben. Das ist schon eine Leistung, wenn man bedenkt, dass sie im Gefolge der schwersten Rezession seit 60 Jahren gelungen ist.

Die Luxusmarken erhielten ihren Schub vom Einzelhandel, der die Bestände wieder aufstockte, die er zu Beginn des Jahres heruntergefahren hatte. Aber auch die Reichen haben wieder mehr Geld ausgegeben. Beflügelt wurden sie durch die Erholung im Finanzdienstleistungssektor. Die Banken werden- zumindest in diesem Jahr - wieder Megaboni ausschütten. Auch in den Emerging Markets erholte sich die Nachfrage nach Luxusgütern deutlich. Richemont, zu denen Cartier und Montblanc gehören, konnten sich im letzten Quartal 2009 im asiatisch-pazifischen Raum über einen Absatzzuwachs von 34 Prozent freuen, gemessen zu konstanten Wechselkursen.

Die schnelle Rückkehr der Reichen macht deutlich, dass sie sich wohl tatsächlich von allen anderen unterscheiden. Das Gros der Konsumenten bewegt sich bei unverändert hohen Arbeitslosenquoten und rückläufigen Kreditvergaben immer noch auf schwankendem Grund. Im November des vergangenen Jahres sanken US-amerikanische Konsumentenkredite um den Rekordbetrag von 17,5 Milliarden Dollar.

Wenn die Gutbetuchten wieder ernsthaft Geld ausgeben, könnte sich der globale Konsum aber schneller erholen als viele Ökonomen glauben. Auf die Wohlhabenden entfällt nach wie vor ein überproportionaler Anteil des Volkseinkommens. Nach Berechnungen von Mirae Asset Securities vereinen die oberen ein Prozent der Haushalte in den USA fast 24 Prozent des Volkseinkommens auf sich.

Plutonomie - ein Begriff, den der Citigroup-Stratege Ajay Kapur 2006 kreierte, um Volkswirtschaften zu beschreiben, die von einer wohlhabenden Minderheit vorangetrieben werden - ist immer noch ein Faktor, mit dem man rechnen muss. Kapur glaubt nun, dass der relative Einfluss der reichen Minderheit in den entwickelten Ökonomien abnehmen, in den Schwellenländern aber weiter steigen wird. Das klingt plausibel. Populistische Politiker dürften die verfügbaren Einkommen der Wohlhabenden in westlichen Ländern beschneiden, während das Wachstum in den ärmeren Ländern zu neuem Reichtum führt und neue Luxusgüterkonsumenten hervorbringt. Ein Großteil der neuen Absatzerwartungen in den aufstrebenden Ökonomien sind in den Kursen der Luxusgüteranbieter bereits enthalten - seit dem Tiefpunkt im vergangenen März haben sich die Aktienkurse bereits mehr als verdoppelt. Berücksichtigt man allerdings, dass europäische Luxusgüter kaum mit lokaler Konkurrenz zu rechnen haben, dann könnten sie die Emerging-Market-Bullen immer noch mit rosigen Aussichten locken.

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