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06.01.2010

15:21 Uhr

Marks & Spencer

Feuertaufe für den neuen Chef

VonNeil Collins (breakingviews.com)

Der britische Einzelhändler vermeldet ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft. Bei reduzierter Umsatzsteuer, den niedrigen Zinsen und dem freundlichen Wetter nicht überraschend. Aber bei anderen Einzelhändlern lief das Geschäft besser. Den neuen M&S-Chef erwartet eine harte Taufe.

Marks & Spencer spricht von einem "erfolgreichen Weihnachtsgeschäft". Nach den eigenen, mäßigen Standards der Vergangenheit und dank einiger Taschenspielertricks zum Quartalsende ist diese Aussage auch durchaus zutreffend. Alle Umsatzkennziffern drehten in den schwarzen Bereich. Inzwischen ist aber auch klar, dass die Handelsbedingungen - selbst wenn sie für den Einzelhandel maßgeschneidert worden wären - kaum hätten besser sein können. Bei der Konkurrenz florierte das Geschäft, während M&S sich nur gerade so erholten.

Das Finanzklima war ideal, um Kaufanreize bei den Konsumenten zu setzen. Die Aussichten auf eine Mehrwertsteueranhebung zum 1. Januar animierte die Verbraucher Käufe vorzuziehen, während äußerst niedrige Zinsen und die Bereitschaft der britischen Regierung, unvermeidbare Steuererhöhungen noch hinauszuzögern, allen Ladenbesitzern Rückenwind gab.

Auch das Wetter wirkte tatkräftig mit. Der Dezember war ungewöhnlich kalt, aber nicht allzu nass. Mittlerweile wird aus dem Rückenwind aber eher ein perfekter Sturm - alle bisher günstigen Faktoren verkehren sich allmählich in ihr Gegenteil. Die Schneestürme, die am Mittwoch dazu führten, dass 56 Läden geschlossen werden mussten, waren da noch das geringste Problem des Unternehmens.

Zum Glück gelang es M&S inzwischen, das Nachfolgeproblem im Management ohne Krisen (bisher zumindest) zu lösen, auch wenn der neue Chief Executive Marc Bolland nicht vor dem Frühjahr einsteigen wird. Das für die Finanzen und das operative Geschäft zuständige Vorstandsmitglied Ian Dyson, der aussichtsreichste interne Bewerber um den Topjob, spricht begeistert davon, wie sehr er sich auf den neuen Chef freut. Aber das alte Management sollte sich lieber darauf einstellen, dass weitere Veränderungen im Führungsgremien folgen dürften.

Die beiden traditionellen M&S-Stärken - seine Größe und die Tatsache, dass sich die meisten Immobilien im eigenen Besitz befinden - sind heute weniger wert als früher. Bei den Immobilien verschiebt sich die Machtbilanz zugunsten des Mieteigentums und die jüngsten Zahlen von John Lewis und Next zeigen, dass die Konkurrenz aufholt. Das Lagerbestandsmanagement von M&S wird zwar verbessert - zum Ende der Woche wird das Unternehmen seinen Winterschlussverkauf beenden und dann seine veralteten Systeme erneuern - aber hierbei handelt es sich um einen langsamen und komplexen Prozess, bei dem noch einiges schief gehen kann.

Kein Zweifel, Bolland wird ein deutlich besseres Unternehmen übernehmen als sein Vorgänger Stuart Rose. Raum für Verbesserungen bleibt dennoch reichlich. Nach dem unerwarteten Einzelhandelsboom im vergangenen Jahr sind M&S-Aktien heute wieder fast doppelt so viel wert wie während der Talsohle an der Börse. Aber mit 384 Pence pro Aktie, nach einem Tagesrückgang von 5 Prozent, hat M&S sich erst gerade wieder auf ein Kursniveau erholt, dass das Unternehmen schon vor 16 Jahren zum ersten Mal erreichte.

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