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05.01.2009

19:14 Uhr

Marktpreisbewertung

Die Vergangenheit als Prolog

VonMartin Hutchinson (breakingviews.com)

Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC bekannte sich in einer Jahresendstudie wiederholt zum Modell der Marktpreisbewertung. Auf die Hauptprobleme dieses Bewertungssystems - verzerrte Leistungsanreize und pro-zyklische Markteinflüsse - ging sie allerdings nicht ein. Dabei könnte eine Offenlegung der "verdeckten Reserven" die Schwächen des Modells überwinden - und die Vorteile aufrecht erhalten.

Bewertung zum Marktpreis: Die jüngste Studie der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission zum Modell der Marktpreisbewertung bestätigt den Ansatz und macht ein paar Vorschläge zur Beseitigung von Schwachstellen. Auf die unerwünschten Anreizwirkungen und das prozyklische Verhalten des Systems geht die vom Kongress beauftragte Analyse allerdings nicht ein. Ein Lösungsansatz könnte jedoch in der Neugestaltung der "stillen Reserven" liegen, die Londoner Geschäftsbanken vor 1980 aufbauen konnten. Die stillen Reserven sollten allerdings in Zukunft transparenter gemacht werden. Auf diese Weise könnten die Defizite des Marktbewertungsmodells beseitigt werden, ohne auf seine Vorteile verzichten zu müssen.

Die Bilanzierung zu Marktpreisen spiegelt die Realität besser als der kostenorientierte Rechnungslegungsansatz. Sie ist allerdings pro-zyklisch; durch den Marktpreisansatz wird es möglich, dass umsatzschwache Märkte den Wert von Finanzinstituten bestimmen. In Boom-Phasen kommt es zu deutlichen Zuschlägen bei den Vermögenswerten, während ihre Bewertung in schwachen Zeiten stark fällt.

Der Mark-to-Market-Ansatz begünstigt zudem Kursmanipulationen durch Börsenhändler. Steigende Kurse führen zu kurzfristigen Gewinnen und höheren Bonuszahlungen. Hinzu kommt, dass Computermodelle die Kurse beeinflussen können. Die Banken könnten dadurch verleitet werden, sie so zu manipulieren, dass die gewünschten Resultate entstehen.

Eine Rückkehr zu kostenorientierten Rechnungslegungsansätzen ist allerdings keine Lösung. Wenn ein Großteil der Bilanzpositionen handelbar ist, kann durch einen Ansatz zu historischen Anschaffungskosten der Bezug zum aktuellen Wert verlorengehen. Die Anschaffungskosten führen so zu einem verzerrten Bild der Realität und begünstigen Fehlallokationen.

Die SEC löst mit ihren jüngsten Vorschlägen - die Modellannahmen anhand der Marktsituation zu überprüfen und Standards festzulegen, nach denen Abschreibungen bei Wertveränderungen der Vermögenswerte vorzunehmen sind - Randprobleme, lässt das Kernproblem aber unberührt. Eine tragfähige Lösung muss im Aufschwung den Anreiz verringern, die Preise nach oben zu manipulieren, und im Abschwung dazu beitragen, die Kapitalvernichtung zu begrenzen. Vor drei Jahrzehnten fanden Londoner Geschäftsbanken eine Lösung für das Bewertungsproblem - die stillen Reserven. Sie wurden in guten Zeiten gebildet und in schwachen Marktphasen aufgelöst.

In der heutigen Zeit wäre dieser Ansatz nicht transparent genug. Allerdings könnte der Marktbewertungsansatz mit einem offenen Reservesystem kombiniert werden. So müssten Marktwertveränderungen beispielsweise nicht unmittelbar ergebniswirksam werden, sondern könnten über einen offengelegten Reservefonds verbucht werden. Ein Teil dieses Fonds, zum Beispiel ein Fünftel, könnte jedes Jahr aufgelöst werden und in das Jahresergebnis einfließen.

Dadurch würde die kurzfristige Profitabilität von frühzeitigen Höherbewertungen und fragwürdigen Computermodellen begrenzt. Gleichzeitig würden auch plötzliche Wertverluste und Ergebnisrückschläge durch starke Marktpreisschwankungen reduziert. Werden die Reserven allerdings durch schwerwiegendere Bewertungsveränderungen aufgezehrt, so schlagen alle weiteren Bewertungsverluste unmittelbar auf Einkommen und Vermögen durch.

Der Ansatz könnte jedoch dazu beitragen, die Probleme des Marktbewertungsansatzes zu lösen. Die Aufsichtsbehörden sollten das Konzept in Angriff nehmen, anstatt sich auf Kniffe und halbgare Lösungen einzulassen.

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