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20.01.2010

12:55 Uhr

Mervyn King

Was wird das kosten?

VonEdward Hadas

Mervyn King vergleicht den wachsenden Bestand an grenzüberschreitenden Vermögenswerten mit einem Turm, dessen Steine ohne Mörtel aufeinandergeschichtet werden. Der britische Zentralbanker ist der Meinung, die G20 sollte darauf hinarbeiten, diesen Turm kontrolliert abzureißen. Er hat recht, aber vielleicht muss erst eine noch größere Krise kommen, bevor die nationalen Egoismen überwunden werden.

Einige Krisen haben dazu geführt, die zugrunde liegenden Probleme zu lösen. Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England, machte am Dienstag in einer Rede deutlich, dass die aktuellen Finanzturbulenzen bis jetzt nichts dergleichen bewirken konnten. Das fragliche Problem besteht in der Akkumulation von Vermögenswerten in fremder Währung. Sie türmen sich - wie ein Turm aus Ziegeln ohne Mörtel - immer dann auf, wenn der grenzüberschreitende Handel unausgewogen ist. 2008 zum Beispiel fügten die Länder mit hohen Sparquoten ihrem Turm Ziegel im Wert von einer Billion Euro jährlich hinzu, also rund 2 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

International ist das Angebot an sicheren Anlagemedien aber nicht groß genug, um all diese Mittel zu absorbieren. Der Turm hat also die Tendenz zu schwanken - durch schnelle Wechselkursveränderungen und volatile Vermögenswerte - und könnte eines Tages einstürzen. Je höher er wird, desto wahrscheinlicher der große Zusammenbruch.

Noch steht der Turm, selbst nach der Kreditkrise. Der Dollar musste heftige Schläge einstecken, blieb aber die weltweite Reservewährung. Das US-Handelsbilanzdefizit ist geschrumpft, aber immer noch ungesund groß und es nimmt schon wieder zu. Die Reformen im Finanzsektor, die gegenwärtig diskutiert werden, sind notwendig, tragen aber kaum dazu bei, den Turm sicherer zu machen.

King führt die unsichere Bauweise darauf zurück, dass die einzelnen Länder unterschiedliche "wirtschaftliche Strategien wählen". Er drückt damit auf höfliche Weise aus, dass China und andere große Exportnationen sich weigern, einen anderen politischen Weg einzuschlagen, nur um ihre Handelsbilanzüberschüsse zu reduzieren, während die Amerikaner und Briten sich munter weiter verschulden und Geld ausgeben.

Seit das Abkommen von Bretton Woods, das die Weltwährungen an den Dollar und den Dollar an das Gold band, in den späten 1960ern anfing zu bröckeln, wächst der Turm. Nach zwei Nachkriegsjahrzehnten des Friedens und des wachsenden Wohlstands zeigten die Regierungen sich immer weniger bereit, ihre nationalen Interessen im Sinne höherer globaler Ziele hintanzustellen.

Vier Jahrzehnte und einige grenzüberschreitende Finanzkrisen später lassen einschneidende Entscheidungen zur Beseitigung der Ungleichgewichte immer noch auf sich warten, oder in Kings Worten "glänzen sie immer noch durch Abwesenheit". Er hat recht, wenn er das Problem als politisches und weniger als technisches klassifiziert. Bleibt also die Hoffnung, dass King auch recht behält, wenn er annimmt, dass die G20 keine neue - vielleicht noch gravierendere - Krise braucht, um einzusehen, dass "Kooperation besser ist als Streit".

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