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14.01.2009

20:05 Uhr

Nach der eigenen Trommel

Deutsche Bank will es nicht wahrhaben

VonJeffrey Goldfarb (breakingsviews.com)

Trotz ihres 5-Milliarden-Euro-Verlustes im vierten Quartal brüstet sich die Deutsche Bank mit ihrer Kapitalstärke und verspricht den Aktionären eine kleine Dividende. Aber der Ruf der Bank als Risikomanager ist befleckt. Die Gewinne aus dem Investmentbanking scheinen ebenfalls mager. Vor diesem Hintergrund wirkt es überzogen, die Inanspruchnahme von Kapitalhilfen rundweg auszuschließen.

Die Deutsche Bank will es immer noch nicht wahrhaben. Der deutsche Bankenkonzern verlor im vierten Quartal 4,8 Milliarden Euro. Der Verlust sei auf die katastrophalen Bedingungen auf dem Markt für Kredit- und Eigenkapitalderivate zurückzuführen. Jede andere Bank hätte bei Verlusten dieses Ausmaßes Kapitalhilfen in Anspruch genommen. Nicht so die Deutsche Bank. Sie sonnt sich voller Stolz in ihrem Status, die einzige große Investmentbank zu sein, die kein Kapital von Steuerzahlern oder Staatsfonds braucht.

Trotz der roten Zahlen gelang es der Deutschen Bank, wieder die richtigen Hebel zu ziehen, damit die Eigenkaitalquoten gerade noch gesund aussehen. Ihre Tier-1-Kernquote liegt mit 7 Prozent unter der Quote vieler Konkurrenten, wie Credit Suisse, UBS und den britischen Banken. Immerhin gelang es der Deutschen, die Übernahmekonditionen für die Postbank anzupassen - jetzt wird sie im ersten Schritt einen geringeren Anteil übernehmen, in Aktien statt mit Bargeld zahlen und die Übernahme einer Kontrollmehrheit beim Konkurrenten noch drei Jahre hinausschieben. Dadurch gewann sie 33 Basispunkte bei der Tier-1-Eigenkapitalquote. Der Deutschen Bank gelang es auch mehr Kapital anzusammeln als sie zur Ausschüttung der vorgesehenen Dividende braucht. Dass die Deutsche überhaupt noch eine Dividende zahlen will, wirkt wie eine Verhöhnung der Wettbewerber, die gezwungen waren ihre Dividenden auszusetzen.

Die Hausaufgabe der Deutschen Bank bleibt weiter die Entschuldung. Sie trennt sich zwar bereits von Vermögenswerten, aber dieser Prozess verläuft zu langsam. Die Handelswerte im Geschäftsbereich globale Märkte sanken zwar im vierten Quartal um 300 Milliarden Euro, aber über die gesamte Bank blieb der Schuldenrückgang minimal. Die Deutsche Bank ist stolz auf ihre Bewertungsansätze, aber insgesamt sind ihre Abschreibungen weniger konservativ als bei der Konkurrenz. Damit bleibt sie anfällig für weitere Verluste, wenn der Markt sich nicht bald erholt. Hinzu kommt noch, dass die Deutsche wohl tatsächlich Marktanteile im Investmentbanking hinzugewinnt, die Gewinne in diesem Segment aber immer magerer zu werden drohen.

Bei der Deutschen zeigt man sich zuversichtlich für die Zukunft, weil der Anteil der Konsumentenkredite und des Immobiliengeschäfts im Vergleich zu vielen Wettbewerbern geringer ist und gerade diese Bereichen voraussichtlich von der nächsten Krisenwelle betroffen sein werden. Aber die Selbstüberschätzung im vergangenen Jahr entstand auf ähnliche Art, als man glaubte, der US-Subprime-Krise entgehen zu können. Im vergangenen Februar musste der Vorstandsvorsitzende Joseph Ackermann erklären, warum der Konzern statt der prognostizierten 8 Milliarden Euro Gewinn 4 Millarden Euro Verlust im Jahresverlauf eingefahren hatte. Nicht nur Ackermann hat die Krise unterschätzt. Aber inzwischen sieht es so aus, als sei er einer der wenigen, die sie immer noch nicht richtig einzuschätzen wissen.

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