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21.01.2008

15:13 Uhr

Neuemission geplatzt

Ein Zeichen der Zeit

VonSimon Nixon (breakingviews.com)

Die Privatisierung der dänischen Energiegesellschaft Dong über zwei Mrd. Euro ist abgesagt worden. Dong war als solide defensive Aktie angepriesen worden, die in der Lage sei, den Turbulenzen der Märkte Widerstand zu leisten. Da aber die europäischen Märkte im bisherigen Jahresverlauf fast zehn Prozent verloren haben, ist es der dänischen Regierung wohl doch zu stürmisch geworden. Wenn dieser Deal schon nicht zustande kommt, dann fragt man sich, welcher denn überhaupt noch eine Chance hat.

Große Hoffnungen waren an den Börsengang von Dong geknüpft worden – nicht nur seitens der dänischen Regierung, die sich zwei Mrd. Euro aus der Privatisierung des Energiekonzerns versprochen hatte. Der Deal war auch als ein wichtiger Test für die Verfassung des europäischen Markts für Erstemissionen (IPOs) betrachtet worden, der mehr oder weniger brach liegt, seitdem die Probleme auf den Kreditmärkten sich Ende 2007 auf die Aktienmärkte ausgeweitet haben. Dieser Test wurde vermasselt. Der IPO-Markt sieht damit so schwach aus wie seit dem Platzen der spekulativen Internet-Blase nicht mehr.

Die Entscheidung der dänischen Regierung, den Börsengang zum dritten Mal zu verschieben – er war ursprünglich für September 2007 vorgesehen gewesen, aber zuerst wegen eines Streits über die Managementverträge und dann durch die allgemeinen Wahlen in Dänemark durchkreuzt worden –, war angesichts der jüngsten Kursrückgänge auf den weltweiten Aktienmärkten fast unvermeidlich. Der dänische Aktienmarkt ist jetzt gegenüber seinen Höchstständen im Sommer um 25 Prozent, seit Anfang des Jahres um 18 Prozent und seit dem Beginn der Roadshow von Dong vor gerade einmal zwei Wochen um zehn Prozent gefallen. Es ist fast unmöglich, unter diesen Umständen eine Preisfestsetzung für einen Deal vorzunehmen – besonders für eine Privatisierung, die von einer ganzen Reihe politischer Empfindlichkeiten begleitet wird.

Und politische Empfindlichkeiten haben ganz gewiss auf Dong gelastet. Die Transaktion war als gute defensive Aktie angepriesen worden, die in der Lage sei, den Marktstürmen zu trotzen. Sie hatte während des vorläufigen Marketings bei den Investoren großes Interesse hervorgerufen, verlautete aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen. Aber der Preis dafür, den Deal auf den Weg zu bringen, wären politisch schwer verdauliche Abstriche gegenüber den ursprünglichen Erwartungen gewesen. Dazu käme das Risiko, dass Kleinanleger möglicherweise große Verluste erleiden könnten, wenn die unruhigen Zeiten auf den Aktienmärkten anhalten.

Auf Dong selbst hat die Verschiebung höchstwahrscheinlich so gut wie gar keine Auswirkungen. Die Firma hat sich kein frisches Kapital beschafft und kann einfach als staatliche Gesellschaft weitermachen, bis sich die Marktbedingungen verbessern. Die eigentlichen Verlierer sind die Abteilungen für die europäischen Equity Capital Markets, also für Private Equity und Wagniskapital sowie die IPO-Beratung, die darauf gesetzt hatten, dass dieser Deal wie ein echter Stimmungsaufheller wirken würde. Sie sehen sich jetzt dem genauen Gegenteil ausgesetzt. Wenn dieser Börsengang schon nicht durchzusetzen war, dann ist es schwer vorstellbar, welcher Deal denn dann die Voraussetzungen dafür haben sollte, so lange die gegenwärtigen großen Kursausschläge anhalten.

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