Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2008

08:50 Uhr

Nyse/Amex

Kleinvieh macht auch Mist

VonAntony Currie (breakingviewws.com)

Duncan Niederauer bewegt sich in Trippelschritten. Offensichtlich will der Nyse-Chef die American Stock Exchange für rund 350 Mill. Dollar übernehmen. Das lässt sich kaum mit den Mega-Deals vergleichen, die sein Konkurrent und Vorgänger John Thain eingefädelt hatte. Aber dem Big Board würde die Transaktion einige nützliche Geschäftsbereiche einbringen.

Die Investmentbanker werden dem Nyse-Chef Duncan Niederauer wohl kaum in ewiger Ergebenheit zu Füßen liegen, wenn er tatsächlich die American Stock Exchange (Amex) kauft. Der Kaufpreis soll bei rund 350 Mill. Dollar liegen, berichtet das “Wall Street Journal”. Das wäre eine Winzlingsmandat verglichen mit der Euronext-Fusion über 26 Mrd. Dollar, die Niederauers Vorgänger John Thain eingefädelt hatte. Aber das heißt nicht, dass es kein gutes Geschäft wäre.

Sicher, die Amex ist kein großartiger Fang. Ihr Marktanteil sinkt seit Jahren. Und ihre sperrige Eigentümerstruktur einer Gegenseitigkeitsgesellschaft hat sie in den vergangenen Jahren zum Mauerblümchen gemacht, während ihre immer größer werdenden Konkurrenten mit einer Reihe von Partnern entschwunden sind. Die Amex könnte auch die offenkundigen Lücken der Nyse – wie die Handelsplattform für US-Derivate – nicht füllen.

Aber Niederauer ist kein Neuling, wenn es darum geht, den Wert solcher Deals zu erkennen. Das Investieren in kleine Handelsfirmen hat er mit der Muttermilch aufgesaugt, als er den Bereich für den Elektronischen Handel bei Goldman Sachs geleitet hat. Und die Amex würde eine Reihe von Geschäftszweigen einbringen, die für die Nyse praktisch wären: Sie liegt bei Exchange-traded Funds (ETF) gut im Rennen – einem Markt, den sie vor 15 Jahren mitgegründet hat. Und sie ist die bevorzugte Wahl, wenn Unternehmen mit einer geringen Marktkapitalisierung eine Börsennotierung anstreben. Darüber hinaus könnte sie der AIM-Plattform der Londoner Börse Konkurrenz machen.

Und den Kaufpreis von angeblich 350 Mill. Dollar kann man nicht gerade als Schwindel erregend bezeichnen. Damit würde die Amex um gerade einmal 30 Mill. Dollar höher bewertet, als ihre eigenen Mitglieder ihr zugestehen, geht man von dem jüngsten Verkauf von Börsenmitgliedschaften aus. Zieht man nach der Besteuerung gerade einmal fünf Mill. Dollar ab und veranschlagt man ein Vielfaches von zehn, dann würde das schon ausreichen, um den Aufpreis abzudecken.

Niederauer könnte das der Amex möglicherweise bereits abringen, indem er lediglich einige doppelt vorhandene Funktionen in der Abwicklung kürzt. Das Handelsparkett dicht zu machen, würde sogar noch mehr einbringen. Natürlich reicht diese Übernahme nicht aus, es mit den heftigen Akquisitionen von Thain aufzunehmen. Aber sie könnte signalisieren, dass der Laden immer noch von einem gewieften Geschäftemacher geführt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×