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05.12.2011

18:50 Uhr

Oliver Stock - was vom Tage bleibt

Die Griechen des deutschen  Fernsehens

VonOliver Stock

Griechenlands Ex-Parlamentarier wollen mehr Geld. Italien braucht mehr Geld. ARD und ZDF bekommen mehr Geld trotz schlechterer Quote.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

Gierige Väter der Nation

Ach Griechenland! Dem Mutterland der Eurokrise gelingt es im Monatsrhythmus mit Meldungen aufhorchen zu lassen, die klarmachen, warum Griechenland dasteht, wo es steht. Heute kam diese: Hunderte ehemalige Parlamentsabgeordnete klagen auf Erhöhung ihrer Pensionen. Nun ist es nicht so, dass diese Ehemaligen am Hungertuch nagten, sondern sie erhalten etwa das Zehnfache dessen, was ein Normalgrieche verdient. Es ist nur so, dass sie eine Rechtsprechung aus dem Jahr 2006 ausnutzen und mit ihrer Forderung juristisch durchaus gute Chancen haben durchzukommen. Es gibt eine griechische Weisheit, die lautet so: „Der Mensch wird zwar plötzlich reich, aber nicht plötzlich gut.“ Wie wahr.

Armes Italien

Von Griechenland stammt die Erkenntnis, dass viele Euroländer über ihre Verhältnisse leben. Italien gehörte bislang dazu. Inzwischen stemmt sich die neue Regierung Monti dagegen und gab heute Teil zwei ihres Sparpakets bekannt. Das alles hat die Investoren aber noch wenig beeindruckt. Sie verlangten heute sieben Prozent Zinsen, wenn sie Italien längerfristig Geld leihen sollten. Der Rekordwert drückte die Stimmung und den Euro. Er fiel am vorletzten Handelstag 2011 auf sein Jahrestief.

 

Mehr Geld, schlechtere Quote

Auf ein Tief sind in diesem Jahr auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF gefallen – bei der Quote. Die ARD rutschte um einen Prozentpunkt auf 12,4 Prozent ab, ZDF lockte durchschnittlich  nur noch 12,1 Prozent der Zuschauer hinterm Ofen hervor, während RTL seine Quote um etwa einen Prozentpunkt nach oben auf 14,1 Prozent ausbaute. Nun ist das populärste Fernsehen sicher nicht das Beste. Aber warum müssen die öffentlich-rechtlichen Sender, die in der Gunst der Zuschauer ständig verlieren, künftig mehr Geld von uns einfordern und dieses auch noch wie das Finanzamt seine Steuern von jedem Haushalt automatisch kassieren dürfen? Es liegt daran, dass ARD und ZDF den verantwortlichen Umgang mit unserem Geld längst verlernt haben. Sie sind so etwas wie das Griechenland oder das Portugal der Unterhaltungsbranche. Je weniger Besucher kommen, um so mehr liegen sie uns auf der Tasche.

Fähiger Diktator gesucht

Zum Schluss fiel uns diese Anzeige auf: "Sind Sie unser Typ?", stand da. "Wir sind ein kleiner sympathischer Staat im Norden der Halbinsel Korea, der seit einem halben Jahrhundert in Familientradition geführt wird. Für unsere demokratische volksnahe Regierung suchen wir ab dem 1.1.2012 eine / einen motivierten Diktator(in). Sie haben langjähriger Erfahrung in der Unterdrückung der Pressefreiheit, beherrschen die Verletzung der Menschenrechte aus dem Effeff und sind Experte in der Anwendung von Foltermethoden. Dann sind Sie unser(e) Mann/Frau." Die Anzeige, deren Text hier gekürzt ist, stammt von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Kim Jong Un hat den Job seit heute. Er wurde in Nordkorea zum "obersten Führer" ausgerufen.

Lassen Sie die Glotze heute doch mal aus

Herzlichst

Oliver Stock

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

29.12.2011, 18:44 Uhr

Was können wir als Verbraucher und als Bürger dieses Staates gegen diese Parasitentum der öffentlich-rechtlichen Anstalten, sprich ARD und ZDF Unternehmen veranlassen? "Nichts!!" ist doch die schrecklich ernüchternde Antwort!! Oder?

rxm

29.12.2011, 19:10 Uhr

Bei Italien sehe ich noch Hoffnung: Das Land könnte ja den Vatikan besetzen und sich auf diesem Weg sanieren. Ich bin sicher, in den Tiefe der Engelsburg findet sich genug Geld und Gold.

Kronecker

29.12.2011, 19:42 Uhr

Die Öffentlich-Rechtlichen haben es in den letzten Jahren zur schlechten Gewohnheit werden lassen, die vermeintlich "Zurückgebliebenen" in den Ferienzeiten mit Wiederholungen abzuspeisen, so wie am Sonntag die ARD mit dem "Tatort". Da die Dinger alle schon abgedreht sind, sollten die Zuschauer es genauso zur Angewohnheit werden lassen, in der Ferienzeit nur die hälftige Gebühr zu überweisen. Es wäre zu überlegen.

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