Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2011

18:00 Uhr

Oliver Stock - was vom Tage bleibt

Schluss mit lustig

VonOliver Stock

Gipfeleuphorie? Am Montag danach ist sie jedenfalls verflogen. Sowohl diesseits wie jenseits des Ärmelkanals. Zum Glück haben wir Europäer noch Spaßmacher wie den Freiherren zu Guttenberg.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

Tschüss Dax!

Hatten Sie ein schönes Wochenende? Dann ist es jetzt auch schon wieder vorbei. Was am Freitag noch für Freude gesorgt hatte, bereitet heute Kopfschmerzen. Die EU-Beschlüsse sind nach Ansicht der Ratingagenturen lückenhaft. Außerdem herrscht Uneinigkeit über die Rolle der Europäischen Zentralbank. Der Dax rutscht deswegen deutlich unter die 6000-Punkte-Marke. Das Spiel ist offenbar das immergleiche: Kurz ist der Spaß und lange währt der Kater.

Cameron saudumm

Das könnte auch David Cameron erfahren. Er ist beim britischen „Nein“ zu Vertragsänderungen geblieben und hat sein Land damit in der EU isoliert. Das Lob weiter Teile der britischen Presse war ihm damit sicher. Mehr und mehr wird den Briten aber bewusst, dass sie ein Eigentor geschossen haben. „Es wäre wirklich saudumm, wenn Großbritannien die EU verlassen würde“, sagt der britische Wirtschaftshistoriker Timothy Leuning von der London School of Economics (LSE) Handelsblatt Online. Die größten Verlierer wären aus Sicht von Leuning der Exportsektor und die Finanzindustrie. Durch seine EU-Mitgliedschaft kann Großbritannien bislang in Fragen der Finanzmarktregulierung sein Veto einlegen und so Gesetze verhindern, die dem Finanzplatz London schaden. Bei einem EU-Austritt gäbe es diese Möglichkeit nicht mehr. Großbritannien wäre eine Art zweite Schweiz in Europa. Zwar nicht mitgefangen, aber als erstes aufgehangen.

Abschied von der Vergangenheit

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp verkauft Deutschlands Traditionswerft Blohm + Voss an die Londoner Beteiligungsfirma Star Capital Partners. Der Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp MarineSystems, Hans Christoph Atzpodien, verspricht dazu: „Die Arbeitsplätze sind sicher.“ Weil das eine unsichere Prognose ist und die Beteiligungsfirma sicher nicht der letzte Besitzer bleiben wird, schauen wir zur Abwechslung in die Vergangenheit. Da sind wir doch auf sicherem Terrain: Bei Blohm + Voss liefen Schiffe wie die „Gorch Fock“ und der Schlachtdampfer „Bismarck“ vom Stapel. Es sind Museumsstücke - was zu Thyssen-Krupp irgendwie passt: Der Essener Stahlkonzern kämpft mit Milliardenverlusten, weil er nicht rechtzeitig auf moderne Geschäftsfelder gesetzt hat. Der Verkauf bringt Entlastung, aber bringt er auch Modernisierung?

Ach Guttenberg . . .

Es muss etwas mit Sucht zu tun haben. Ohne die öffentliche Bühne kann Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg nicht leben. Anders ist es kaum zu erklären, dass er heute das Scheinwerferlicht im Brüsseler Berlaymont-Gebäude gesucht hat, dem Sitz der EU-Kommission. Um das Internet sollte es bei dem Auftritt gehen, und darum, welche Dynamik es entwickeln kann, wenn viele Menschen über einen unzensierten Zugang verfügen. Die Kommissarin für Digitale Angelegenheiten, Neelie Kroes, hat sich den Freiherrn an die Seite geholt, um mit ihm für die Freiheit des Internets in autoritären Staaten zu kämpfen. Das lustige: Als Guttenberg noch Verteidigungsminister war, unterstützte er sehr öffentlich seine Gattin, die für mehr Kontrolle im Netz warb. Ach Karl-Theodor, was soll aus uns noch werden?

Lettland hebt ab

Die Letten hatten übrigens schon seit Sonntag kein schönes Wochenende mehr. Gerüchte über Probleme bei der Swedbank und anderen in Lettland aktiven schwedischen Banken ließen sie zu den Geldautomaten aufbrechen. Bei der SEB waren zwischenzeitlich bis zu 15 Prozent der 234 Automaten ohne Bargeld. Über den Kurz-Nachrichtendienst Twitter war zuvor verbreitet worden, dass die schwedischen Geldhäuser in einer Schieflage seien. Die Swedbank wies dies umgehend zurück. Lettlands Bankenaufsicht erklärte, die Gerüchte seien grundlos. Hier hatte der Wochenbeginn also sein Gutes, denn die Lage hat sich wieder entspannt.

Eine entspannte Lage am Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.12.2011, 18:51 Uhr

Ein bisschen mehr Gelassenheit Herr Stock. Soll Guttenberg als Geist im Schloß herum laufen. Wie dummgeil die Presse ist, sieht man an der großen Anzahl der Reporter und der ach so schlauen Fragen und das wird dann als öffentliche Meinung verkauft. Im Gegensatz zu Ihnen bekommt er kein Entgelt für seine Tätigkeit.

Account gelöscht!

12.12.2011, 19:18 Uhr

herr von und zu Gutenberg zeigt uns einmal wieder deutlich, wofür die EU da ist: zur Vergabe von Sinnlosposten an gescheiterte Politiker.

Account gelöscht!

13.12.2011, 04:48 Uhr

Herr Stock,
was Ihren Kommentar zu unserem Lügenbaron betrifft, stimme ich voll mit Ihnen überein. Noch wohler wäre mir allerdings, wenn uns dieser Herr in Europa ganz mit seinen großkotzigen Reden verschonen würde. Die Presse sollte darüber nachdenken ob es nicht angebracht wäre ihn einfach totzuschweigen. Welchen Wert hat es für uns alle wenn wir erfahren müssen, wer ihm gerade wieder ein Forum gibt und wie er sein Aussehen verändert hat. Er hat als Politiker nichts geleistet, außer der unberechtigten Degradierung von 3 Abhängigen. Einer persönlichen Aussprache ist er ausgewichen. Seine vor Selbstmitleid triefende Abschiedsvorstellung ließ seinen miesen Charakter vollends hervortreten. Wir brauchen solche Typen hier nicht. Er soll endlich von der Bühne verschwinden!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×