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14.12.2011

18:33 Uhr

Oliver Stock - was vom Tage bleibt

Was Euro, Opel und die FDP gemeinsam haben

VonOliver Stock

Die gute Nachricht: Es gibt genügend offene Stellen für alle die, die jetzt ein Problem haben. Das sind allerdings nach einem Tag wie heute viele. Sie kommen von der FDP - und von Opel.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Lesende, wie es korrekt heißt,

Der FDP geht es noch schlechter . . .,

Die lustigste Nachricht kam eben erst. Das Jobportal „Onlinemarketingjobs“ wirbt: „Die FDP löst sich auf - wir haben Jobs für alle“. Und dann gab es Stellenangebote vom Kampagnen-Manager für eine Supermarkt-Kette bis zum Praktikanten in einer Internetbude. Da müssen wir doch kichern. Kichern an einem Tag, den der FDP-Generalsekretär Lindner (32) damit begonnen hat, zurückzutreten. Er brachte damit seinen Parteivorsitzenden Rösler (39) in die Zwickmühle, der aber dann flugs Bundesschatzmeister Patrick Döring (39) zum Nachfolger erkoren hat. Das klingt sehr nach „Jugend forscht“. Es klingt auch danach, - und das ist schlimmer - als zerfleischt sich eine Partei nach zwei Jahren der Erfolglosigkeit selbst. Und es sieht so aus, - und das ist am schlimmsten - als ginge damit eine Idee von Liberalismus baden, die wir viel lieber quicklebendig in unserem Parlament vertreten sehen würden.

. . . als dem Euro, der aber auch wackelt . . . ,

Die unangenehmste Nachricht des Tages traf schon früher ein. Dem Euro geht es mal wieder nicht gut. Erstmals seit dem 12. Januar 2011 fiel die Gemeinschaftswährung wieder auf einen Stand unter der Marke von 1,30 US-Dollar, von der die Welt behauptet, dass sie „psychologisch wichtig“ sei. Damit ist gemeint, dass wenn so eine Marke einmal gerissen ist, alle Dämme brechen. Ich glaube, Psychologie spielt beim Kurs eine geringere Rolle als Tatsachen. Zu denen gehörte heute die erste Auktion fünfjähriger Staatsanleihen aus Italien nach dem jüngsten EU-Gipfel. Das Land nahm drei Milliarden Euro ein. Die Anleger lassen sich ihr Geld im Schnitt mit einem Zins von 6,47 Prozent vergüten. Im November waren es nur 6,29 Prozent. Damit fühlt der Markt unerbittlich die Temperatur. Der Zins ist wie eine Fieberkurve, und die zeigt: Der Patient Euro muss noch immer das Bett hüten. Die Medizin hat noch nicht angeschlagen.

. . . obwohl die Kanzlerin ihn verteidigt . . .,

Angela Merkel sieht das anders. Es sei auf dem EU-Gipfel in Brüssel gelungen, den Weg hin zu einer Fiskalunion unwiderruflich zu beschreiten, sagte die CDU-Chefin in ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Fragt sich wie lang der Weg ist und ob der Lauf nicht vorher abrupt abgebrochen werden muss, weil das Ziel, ein stabiler Euro, abhanden gekommen ist. Die Demokratie ist eine Schnecke und die Märkte sind eher wie Windhunde. Ein ungleiches Rennen.

...während Opel in Flammen steht.

Die absehbarste Nachricht von heute - sie kam bereits am Morgen. Und zwar aus Rüsselsheim. Da sitzt Opel und die Opelaner stoppen die Auslieferung des ersten Volks-Elektroautos namens Ampera. Absehbar war das, weil das Schwestermodell Volt der US-Marke Chevrolet schon seit geraumer Zeit nicht mehr zu haben ist - und auch solange in den Lagern bleibt, bis aufgeklärt ist, warum mehrere der Elektroautos in Flammen aufgingen. Ist ja nicht schön, wenn das Auto brennt. Mitten in der Markteinführung wegen möglicher Sicherheitsprobleme die Auslieferung eines neuen Autos stoppen zu müssen, ist auch nicht schön. Ganz besonders wenn man Opel heißt. Die groß angelegte Werbekampagne für den Ampera sollte das traurige Image des permanent kriselnden Autobauers vergessen machen. Nun wird der Ampera regelrecht zum Synonym dafür, dass es bei Opel einfach nicht rund läuft.  Es drohen Milliardenverluste, rufen bereits die Analysten.

Keinen traurigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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FAN

14.12.2011, 20:46 Uhr

Erst informieren dann kommentieren, Herr Stock !!!
Ja, Opel-Basching macht ja Spass. Aber wenn man einigermaßen ernst genommen werden will, sollte man sich an den Tatsachen orientieren.
Es ist lediglich einen Chevy Volt erwischt, der auch nocht 3 Wochen lang entgegen der Vorschriften des Herstellers mit geladener Baterie und abgestelltem Kühlsystem wer weis wo herrumgestanden hat.
Wenn man es natürlich auf ein PR-Desaster anlegt, kann man es natürlich auch herrbeischreiben. In diesem Falle sollten sie den Namen ihrer Publikation allerdings in "Kravallblatt" ändern.
Glaubwürdiger Journalismus sieht anders aus.

Hoppala

14.12.2011, 21:05 Uhr

Zu Fan:
Stimmt ich habe gestern einen Polo mit Motorbrand am Seitenstreifen gesehen. Ich glaube die VW haben das mit der Verbrennungsmotor-Technik noch nicht im Griff und sollten sofort aufhören Autos auszuliefern.

Account gelöscht!

15.12.2011, 10:13 Uhr

"Falsa demonstratio non nocet" (die falsche Bezeichnung ist irrelevant) sagt der Jurist, doch muss die Frage erlaubt sein, wie der Autor auf den absurden Gedanken verfallen konnte, der Opel Ampera sei das erste "Volks-Elektro-Auto". Womit könnte ein Auto, das gut 40.000 Euro kostet und, gelinde gesagt, eine unausgereifte Technik "verfügbar" macht, diesen Titel verdient haben? Es ist eben doch kein Zufall, dass namhafte Hersteller ihre Kunden mit derartigem Schwachsinn weiterhin verschonen, während der Pleitekandidat, der von der Affenliebe seiner amerikanischen Mutter schier erdrückt wird, hier mit einer Art von allerletztem Versuch vorprescht. Ich bleibe dabei: Opel kann es einfach nicht und wird daher vom Markt verschwinden, und zwar bald. Traurig, aber wahr.

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