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26.01.2009

20:59 Uhr

Pharma-Übernahme

Pfizer-Zukauf: Bittere Medizin

VonRobert Cyran (breakingviews.com)

Die Übernahme von Wyeth durch den Konkurrenten Pfizer wird durch Kredite eines Bankenkonsortiums geschmiert, das sich wie das Who is Who der Nutznießer des Tarp-Rettungsprogramms liest. 22,5 Milliarden Dollar stellt das Konsortium zur Finanzierung des Deals zur Verfügung. Dass hier Steuergelder für den Pfizer-Aderlass verwendet werden, wird in Washington unangenehme Fragen aufwerfen.

Der Kauf von Wyeth, für den Pfizer 68 Milliarden Dollar auf den Tisch legen wird, zeigt die Ironie des staatlichen Bankenrettungsprogramms. Die Übernahme des Herstellers von Preparation-H (Hämorrhoiden-Salbe) und Chapstick (Lippenpflege) wird durch Kredite eines Bankenkonsortiums geschmiert, das sich wie das Who is Who der Nutznießer des Tarp-Rettungsprogramms liest. Die 22,5 Milliarden Dollar aus Steuermitteln, die helfen den Deal zu finanzieren und bei Pfizer für die notwendige Bluttransfusion nach dem Aderlass sorgen, werden den Glauben der neuen Regierung an die freie Marktwirtschaft auf eine dringend notwendige Probe stellen.

Pfizers Akquisition ist mit massiven Stellenstreichungen verbunden - schätzungsweise 19 000 Arbeitskräfte oder 15 Prozent der Belegschaft des fusionierten Konzerns könnten ihren Job verlieren. Hinzu kommt, dass Pfizer seine Kostensenkungsprognosen bei vergangenen Übernahmen regelmäßig übertroffen hat, die Zahl könnte also auch noch steigen. Genau das ist das Argument, was Pfizer in den Augen der Banken - die nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Hilfen auf reichlich Barmitteln sitzen - kreditwürdig macht.

Das Unternehmen verfügt gegenwärtig noch über Barreserven und der vereinte Konzern dürfte ein Ergebnis (EBITDA) von um die 31 Milliarden Dollar erwirtschaften, durch das die Verpflichtungen leicht zu decken sein werden. Eine Kreditvergabe an den neuen Konzern bedeutet für die Banken also einen sicheren und einfachen Weg zu beschreiten, um wieder etwas Gewinn zu machen. Solche Erfolge brauchen die Banken, um ihre Kapitalbasis zu stärken und damit ihre Kreditvergabekapazität zu erhöhen. Auch Pfizers Bereitschaft, 60 Prozent der Übernahme mit Barmitteln zu bezahlen - die wiederum die Banken bereitstellen -, gilt als Zeichen, dass Wyeth günstig bewertet ist. Für die Aktienmärkte allgemein ist das ein gutes Signal.

Auf der anderen Seite liegt aber auch auf der Hand, warum die ganze Situation vielen Politikern und Wählern, die schon bisher keine große Sympathie für das Tarp-Programm hegten, auf den Magen schlagen kann. Jeder will, dass die Banken wieder Kredite vergeben. Aber Unternehmen zu finanzieren, die dann gut bezahlte Stellen streichen, entspricht nicht so ganz dem Regierungsprogramm, das den Wählern die Bankenrettung schmackhaft gemacht hat.

Pfizers Akquisition hat vielleicht einen schalen Beigeschmack, aber solche Ironien zu verhindern, würde der Wirtschaft noch größeren Schaden zufügen. Kredite sollten vergeben werden, um normale Geschäftsaktivitäten zu finanzieren, die eben manchmal auch Stellenstreichungen beinhalten. Und es ist allgemein bekannt, dass die Pharmakonzerne stark überbesetzt sind, vor allem, wenn man die demnächst auslaufenden Patente mit ins Kalkül zieht. Mitarbeiter zu entlassen ist kein Vergnügen, aber oft ein notwendiger Nebeneffekt des Kapitalismus. Letztendlich besteht die Hoffnung - teilweise aus vergangenen Erfahrungen - dass die meisten freigesetzten Arbeitskräfte neue Arbeitsplätze finden, die der Gesellschaft genauso gut oder sogar besser dienen. Vielleicht entstehen die neuen Jobs in kleinen Biotech-Unternehmen, die mehr Erfolg bei der Entwicklung neuer Medikamente haben.

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