Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.03.2012

08:11 Uhr

Prof. Chiffre

Das Richtige liegt doch so nahe

VonBert Rürup

Die Krankenkassen wollen ihre Überschüsse nicht als Prämien an ihre Versicherten auszahlen. Die Politik will Arztpauschale und Bundeszuschüsse kürzen. Aber daran, die Versicherungsbeiträge zu senken, denkt niemand.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Im Jahr 2011 erzielten die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) einen Überschuss von etwa vier Milliarden Euro. Zusammen mit den in den Vorjahren erwirtschafteten positiven Salden betragen die Reserven dieser Kassen derzeit etwa 10 Milliarden Euro. Diese Mittel sind allerdings höchst unterschiedlich auf die etwa 150 Krankenkassen verteilt.

Die Politik hat keinen unmittelbaren Zugriff auf diese Finanzpolster, und die Kassen weigern sich, wie eigentlich vom Gesetzgeber vorgesehen, diese Überschüsse in Form von Prämien an ihre Versicherten zu erstatten. Zu diesen Kassenreserven hinzu kommen Rücklagen des Gesundheitsfonds in Höhe von noch einmal knapp zehn Milliarden Euro. Davon stehen – bedingt durch die Reserveverpflichtung des Fonds – sechs Milliarden Euro der Politik als Dispositionsmasse zur Verfügung. Diese Gelder lösen, wie könnte es anders sein, Begehrlichkeiten aus.

Die FDP will - mutmaßlich um im Wahljahr 2013 eine Kriegskasse für wahltaktische Wohltaten zu haben - nicht an die Mittel des Fonds, sondern die Praxisgebühr, die in den Honorartopf der Ärzte fließt und deren jährliches Aufkommen bei etwa zwei Milliarden Euro liegt, abschaffen. Entlastet würden dadurch nicht die Beitragszahler, sondern diejenigen, die einen Arzt aufsuchen (müssen).

Mit der im Jahr 2004 eingeführten Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal sollte die im internationalen Vergleich extrem hohe Anzahl der Arztkontakte von mehr als18 pro Versicherten (!) gesenkt werden Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Mutmaßlich auch deshalb weil diese Quartalsgebühr, ist sie einmal bezahlt, dazu anreizt, die damit für ein Vierteljahr erworbenen Ansprüche auf weitere kostenfreie Arztbesuche auszunutzen. Deswegen sollte es nicht darum gehen, diese Praxisgebühr abzuschaffen, sondern eher darum, sie zu senken und dafür bei jedem Arztbesuch zu erheben.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bate

14.03.2012, 08:38 Uhr

Ach Herr Rurüp, was man von Ihren Versicherungen und "Expertisen" halten kann, weiß man doch, da liefert der Schlamm unter einem aufgehobenen Stein objektivere Ergebnisse...

> http://www.youtube.com/watch?v=RK4o8KzEuH8

> http://www.youtube.com/watch?v=ZiNQsjLz3bQ

> http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

Beitragszahler

14.03.2012, 08:48 Uhr

Nun, Herr Rührup, es ist eigentlich ganz einfach.

Milliardenüberschüsse in den GKV können eigentlich gar nicht vorkommen. Da haben nämlich nur unsere Ärztelobbyisten wieder geschlafen und die Gebühren nicht rechtzeitig erhöht. Das kann wie in jedem Selbstbedienungsladen natürlich nachgeholt werden. Der nächste Ärztestreik steht vor der Tür. Und Beitragssenkungen? Seit 1950 hat sich der prozentuale Beitrag verdreifacht. Die wettbewerbsfreie Gesundheitsbranche hält bereits 11,9% des BIP. Das ist natürlich noch steigerungsfähig! Z.B. U.S.A.: 17%. Goldene Zeiten sehe ich da. Allerdings nicht für Arbeitnehmer.

Denn wie wäre eine stärkere Heranziehung der "Gesundheits"-Abnehmer zu den Kosten? Wie in einer Marktwirtschaft entsprechend der Nachfrage? Z.B. Zahlung entsprechend der Inanspruchnahme unserer Ärzte durch Rentner und Pensionäre statt durch Arbeitnehmer? Einfach zu beantworten. Natürlich nicht durchsetzbar. Das würde nämlich die Nachfrage nach bislang "kostenloser" Arztbetreuung senken. Und insbesondere eine FDP kann dies für ihre Ärzte nicht wollen. Siehe Abschaffung der Praxisgebühr.

Account gelöscht!

14.03.2012, 08:52 Uhr

Die Mittelschicht in Deutschland wird ausgepresst, natürlich könnte man endlich den Soli abschaffen und jetzt den KV-Beitrag senken. Schäuble stopft damit lieber die Löcher in Griechenland und anderswo. STrategie oder ein Gewissen gibt es in der Politik in Deutschland nicht mehr. Nur noch Ad-Hoc-Aktionen und ständige Krise als willkommene Ausrede.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×