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11.07.2012

07:41 Uhr

Professor Chiffre

Buhmann Bankenunion

VonBert Rürup

Der Aufruf der Wirtschaftsprofessoren ist ehrenswert. In ihrer Kritik aber liegen sie falsch: Die Bankenunion ist ein Schritt in die richtige Richtung und Grund zur Hoffnung - nicht etwa zur Sorge.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Am 5. Juli richteten 172 Wirtschaftsprofessorinnen und -professorinnen einen offenen Brief an die „Lieben Mitbürger“, in dem  sie vor den Gefahren der Eurorettungspolitik der Bundesregierung warnen. Ähnliche Appelle hat es bereits im Vorfeld der Einführung des Euro in den 1990er Jahren gegeben. Es ist gut und richtig, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch auf diesem Wege eine Bringschuld in Sachen Information und Aufklärung gegenüber der Öffentlichkeit erfüllen und dabei ihre Sicht der Dinge erläutern wollen. Und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Ökonominnen und Ökonomen sich dabei kritisch zur Wirtschaftspolitik der amtierenden Bundesregierung äußern.

Das Ärgerliche an diesem Aufruf ist, dass er in seinen  teilweise polemischen Formulierungen und Unterstellungen nicht der Aufklärung dient, sondern mehr zur Verwirrung beiträgt. Ob, wie zu lesen ist, sich „die Kanzlerin auf dem Gipfeltreffen der EU-Länder (zu Entscheidungen) gezwungen sah“, mag aufgrund  interner Informationen aus den Gipfelgesprächen, die den Verfassern dieses Briefs vorlagen stimmen. Definitiv falsch dagegen ist die Behauptung, dass die Etablierung einer Bankenunion, die Risiken vergemeinschaften soll zu den am 28./29. Juni getroffenen Entscheidungen gehört. Und unzutreffend ist es ebenfalls, dass eine Europäische Bankenunion gleichzusetzen sei mit einer kollektiven Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems.

Gewiss das Bündel  der getroffenen Vereinbarungen ist  interpretierbar. Fest steht allerdings, dass nachdem  eine Europäische Bankenaufsicht eingerichtet wurde , Banken, die in Schwierigkeiten sind und deshalb die Kreditversorgung gefährdet ist, direkt Geld aus dem Rettungsschirm bekommen können und nicht mehr - wie im Falle Spaniens -  der Staat dazwischen geschaltet ist. Die Haftungsrisiken Deutschlands sind dadurch aber nicht geändert worden, und bis auf weiteres bekommt keine Bank Geld aus dem Rettungsschirm. Der Begriff Bankenunion taucht in der offiziellen Gipfel-Erklärung nicht auf.

Kommentare (34)

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Rolando

11.07.2012, 07:58 Uhr

Genau eine Bankenunion ist ja auf einmal nur noch die Bankenaufsicht, und nur die Ankündigung einer Aufsicht hat dann wohl die Aktienkurse der EU Banken innerhalb von wenigen Studen teilweise um >10% nach oben getrieben.
Wer'sa glaubt wird selig, oder der glaubt auch daß der ESM ja auch nur ein Fiskalpakt mit Defizitgrenze (gem Eurostat Definition nicht etwa eine Schuldengrenze) ist.

Und Morgen kommt der Weihnachtsmann .....

Account gelöscht!

11.07.2012, 08:03 Uhr

"Es ist gut und richtig, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch auf diesem Wege eine Bringschuld in Sachen Information und Aufklärung gegenüber der Öffentlichkeit erfüllen und dabei ihre Sicht der Dinge erläutern wollen."

Wieso verlangt dieser Mensch eine Bringschuld der Wissenschaftler? Ich fordere eine Bringschuld der (vermeintlichen) Politiker (bzw. Geschäftsführer der BRD Finanz GmbH).

Einanderer

11.07.2012, 08:18 Uhr

Schade dass wir keine Expertendiktatur haben. Die wüssten alles viel besser als diese Politiker.

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