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26.10.2011

09:26 Uhr

Professor Chiffre

Der Euro ist als politische Währung eingeführt worden

VonBert Rürup

Eine Währungsunion und volle nationale Souveränität schließen sich aus. Erst wenn die Politik das beherzigt, kann der Euro gerettet werden.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Geburten sind immer blutig und oft laut. Das Gleiche gilt auch für die Geburt von Staaten. Das, was wir seit dem Frühjahr 2010 erleben, war hoffentlich die Einleitung der Geburt der Vereinigten Staaten von Europa und nicht die Einleitung der extrem teuren letalen Phase dieser großen Idee.

Als politische Währung ist der Euro eingeführt worden, um die europäische Integration zu vertiefen und zu beschleunigen. Und da das Zerbrechen der Währungsunion – oder wie von Olaf Henkel empfohlen ein Austritt Deutschlands, Österreichs, der Niederlande und Finnlands aus dieser Union – mit sehr viel größeren ökonomischen Risiken gerade für Deutschland verbunden wäre als die alles andere als billige Umschuldung und Sanierung Griechenlands sowie die Abschirmung anderer Euroländer vor Spekulationsattacken, werden kluge Politiker die Gemeinschaftswährung bis zum Letzten verteidigen.

Die heutigen Beschlüsse des EU-Gipfels reihen sich nahtlos in diese Verteidigungsstrategie ein. Nur, auch ein noch so hoch getrimmter Rettungsschirm kann die beiden Architektenfehler des Euro nicht beseitigen, nämlich den Irrglauben, dass selbst ein mit harten Sanktionen bewehrter Stabilitätspakt ein Ersatz für eine wirklich abgestimmte europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik ist und den Trugschluss, dass es in einer EU, die immer eine Transferunion war und sein sollte, eine EWU geben kann, die keinerlei Transferelemente haben darf. Soll der Euro auf Dauer zu einer Weltwährung werden, müssen alle Staaten der Währungsgemeinschaft neben den Vertrag von Lissabon auch ihre Verfassungen ändern. Kurzum: Eine gemeinsame Währung und volle nationale Souveränität schließen sich aus. Nur über diese Einsicht führt der Weg aus dem jetzigen Schlamassel.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kommentare (9)

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Komantsche

26.10.2011, 10:12 Uhr

Nein, Herr Rürup, in einer Sackgasse kann man eben nur umkehren. Das Ergebnis des Experiments Euro ist doch, das eine einheitliche Währung für so unterschiedliche Volkswirtschaften nicht funktioniert. Das "One size - fits all" ist zum "One size - fits none" geworden. Eine "abgestimmte" Finanz- und Wirtschaftspolitik für alle Eurostaaten bedeutet nichts anderes, das man der einen Zwangsjacke, genannt Euro, bei der jetzt die Nähte platzen, eine zweite und dritte Zwangsjacke überzieht. Das endet dann im großen Knall. Mahnende Beispiele von Vielvölkerstaaten, denen genau das passiert ist, gibt es genug.

Radek

26.10.2011, 14:10 Uhr

Tja, Herr Rürup ist eben kein Historiker und kann die internen Spannungen, die ein solcher europäischer Superstaat zwangsläufig produzieren muß nicht richtig einschätzen. Beispiele für ein vorprogrammiertes Scheitern sind in der Weltgeschichte übergenug vorhanden. In jüngerer Zeit in Europa das Scheitern der östereichisch-ungarischen K.u K. Monarchie, das Scheitern Jugoslaviens, das Scheitern der Sowjetunion. Selbst die USA hatten im 19. Jahrhundert eine immense Krise zu bestehen, die Hundertausende von Toten einforderte.
Für Europa ist ein Staatenbund angemessen aber kein zentralistischer Bundesstaat, wie es der Utopist Rürup sich vorstellt.

sterbende_demokratie

26.10.2011, 15:54 Uhr

Zitat:
"Soll der Euro auf Dauer zu einer Weltwährung werden, müssen alle Staaten der Wäh-rungsgemeinschaft neben den Vertrag von Lissabon auch ihre Verfassungen ändern."

Nun Herr Rürup,
der dt. Steuerzahler ist mittlerweile ja so einigen Größenwahn zum Thema Europa und Euro gewohnt.

So erträgt er mittlerweile selbst eine Bundesministerin die –anstatt zum Wohle der Bun-desbürger lieber in die Kommunalpolitik zu wechseln- am liebsten gleich die vereinigten Staaten von Europa ausruft.

Er erträgt auch das mittlerweile ganze zukünftige Bundeshaushalte als Bürgschaften missbraucht werden um die Konkursverschleppung ganzer Staaten zu unterstützen.

Er hat sich zwischenzeitlich sogar damit abgefunden das in seinem Bundestag Subjekte agieren, deren verbale Ausdrucksweise eine geradezu asoziale Kinderstube befürchten lassen.

Ja Herr Rürup, deshalb wird der deutsche Steuerzahler letzten Endes auch ihre Phantas-tereien ertragen können, die bereits tote Währung Euro politisch zur Weltwährung zu erklären.

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