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16.05.2012

14:14 Uhr

Professor Chiffre

Der Inflations-Fehlalarm

VonBert Rürup

Mit einer großen Inflations-Schlagzeile hat die Bild-Zeitung die Angst der Deutschen vor einer Geldentwertung geschürt. Doch der Alarmismus ist unbegründet. Ein Faktencheck.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Die Schlagzeile der Bild-Zeitung vom Freitag hatte es in sich: „Inflationsalarm! Die Bundesbank weicht den Euro auf“. Die Boulevard-Zeitung stützte sich dabei auf eine Aussage von Jens Ulbrich, dem Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank. Der hatte vor dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestags gesagt, dass die Preissteigerungsrate in Deutschland in der nächsten Zeit nicht nur über dem Mittelwert der letzten Jahre, sondern auch über dem bisherigen Durchschnittswert für den Euroraum von 2,2 Prozent liegen dürfte. Die guten Wirtschaftsaussichten würden laut Ulbrich dazu führen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Inflationsziel – eine Zunahme der Verbraucherpreise im Euro-Raum, die "unter, aber nahe bei zwei Prozent" liegt – in naher Zukunft verfehlen dürfte.

Der zweite Kronzeuge, den Bild aufbot, war der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg. Homburg, der immer dann bereit steht, wenn alarmistische Voraussagen gefragt sind, assistierte mit dem kernigen Statement, dass sich der Preisanstieg auf fünf Prozent mehr als verdoppeln würde. Bei einer Verschärfung der Euro-Krise seien sogar zehn Prozent drin.

Da die meisten Deutschen mit einem Anti-Inflations-Gen zur Welt kommen, werden solche Meldungen begierig aufgenommen. Aber stimmen sie auch? Werfen wir einen Blick auf die Fakten:

  • Die Verantwortung für die Geldwertstabilität im Euro-Raum liegt bei der EZB. Es gibt kein separates Stabilitätsziel für die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesbank hat seit 1998 kein eigenes geldpolitisches Mandat mehr. Die Bundesbank kann den Euro deshalb weder härten noch aufweichen.
  • In der Zeit, in der die Deutsche Bundesbank die Stabilitätsverantwortung für die D-Mark hatte, lag die Inflationsrate im Durchschnitt bei 2,7 Prozent. Seit es den Euro gibt, und die Verantwortung für die Geldwertstabilität auf die EZB übergegangen ist, waren es im Euroraum 2,2 und in Deutschland 1,5 Prozent. Am aktuellen Rand liegt die Teuerungsrate aufgrund der Verbrauchsteueranhebungen in einer Reihe von Euro-Ländern bei 2,7, in Deutschland aufgrund der gestiegen Energiepreise bei 2,1 Prozent. Von einer zweifelhaften Stabilitätskultur der EZB kann keine Rede sein.

Kommentare (19)

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Furz

16.05.2012, 13:10 Uhr

Durchhalteparolen übelster Sorte!

svebes

16.05.2012, 13:26 Uhr

. .. klar wer 30 Jahre die Regierung "beraten" hat will sich seinen Ruf nicht ruinieren. Seine Kunden rekrutieren sich eben genau aus den wenigen Grossprofiteuren. Der Ruhrgebietsfilz ist eh legendär. Aus seinem Universum heraus mag das sogar stimmen - also eben rein der Theorie nach. Wie wäre es mal mit wirklichem Bodenkontakt, oder aber Gewissen, Herr Rürup.

Account gelöscht!

16.05.2012, 13:42 Uhr

Wenn man der veröffentlichten und gesteuerten Inflationsrate glaubt mag er vielleicht recht haben. Die tatsächliche - am Warenkorb des Normalbürgers gemessene - Inflationsrate lag bei mehr als vier Prozent und wird die nächsten Jahre mindesten dieses Niveu erreichen. Beim Bäcker, Metzger, Gastwirt und im gesamten Energiebereich haben sich die Preise seit Einführung des Euro locker verdoppelt. Da kann auch Lieschen Müller - ohne Hilfe des Herrn Rürop - die Inflationsrate ausrechnen.

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