Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2012

10:31 Uhr

Professor Chiffre

Die Grenzen der Freiheit

VonBert Rürup

Noch ist Altersarmut in Deutschland kein großes Problem. Doch das könnte sich bald ändern. Die Idee einer Versicherungspflicht für freie Berufe von Ministerin von der Leyen ist richtig, die Abwehr der Betroffenen falsch.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Altersarmut ist derzeit kein brennendes gesellschaftliches Problem. Weniger als 2,5 Prozent der mehr als 16 Millionen 65-Jährigen und Älteren beziehen Leistungen aus der Grundsicherung im Alter, dem Fürsorgesystem für Ältere. Allerdings gibt es valide Hinweise, dass – sofern die Politik nicht handelt – mittelfristig dieser Prozentsatz deutlich steigen könnte.

Eine wichtiger Grund für zukünftige Armutsrisiken im Alter ist die im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegene Zahl von schlecht verdienenden Selbständigen – vulgo Soloselbstständigen –, die im Gegensatz zu vielen anderen Selbstständigen wie Landwirte, Freiberufler, Künstler, Hebammen, Hauslehrer oder Handwerker noch in keinem der staatlichen Alterssicherungssysteme oder einem der 89 berufsständischen Versorgungswerke abgesichert sind.

Für die bislang nicht obligatorisch abgesicherten Erwerbstätigen, deren Zahl auf drei Millionen geschätzt wird, wollte die Bundesarbeitsministerin eine Rentenversicherungspflicht erlassen. Dabei sollte die Entscheidung, eine Basisabsicherung durch eine private Rentenversicherung oder die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben, im Ermessen der Betroffenen liegen.

Der Sturm der Entrüstung bei den Betroffenen war und ist lautstark. Von den Betroffenen wird argumentiert, dass dies ein nicht hinnehmbarer Eingriff in das individuelle Selbstbestimmungsrecht und die persönliche Entscheidungsfreiheit sei und es keinen Grund gäbe, diesen Selbstständigen die Verantwortung für ihr Alter abzunehmen. Überrascht von der Heftigkeit des „Abwehrfeuers“ zuckte die Ministerin zurück und kaufte sich Zeit, indem sie eine Machbarkeitsstudie beim Beratungsunternehmen McKinsey in Auftrag gab.

Zu hoffen ist, dass in dieser Machbarkeitsstudie der geplanten Wahlmöglichkeit zwischen einer Mitgliedschaft im staatlichen Umlagesystem oder einer kapitalgedeckten Pflichtversicherung eine Absage erteilt wird, nicht aber - ungeachtet der individuellen und verbandsmäßigen Unmutsbekundungen - der Notwendigkeit eines solchen Obligatoriums.

Dem Sozialstaatsgebot unseres Grundgesetzes entspricht es, dass unsere Gesellschaft jedem Einwohner in allen Lebensphasen ein - über dem physischen Existenzminimum liegendes - soziokulturelles Existenzminimum zu gewährleisten hat, also auch ein Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deswegen gibt es das dreigliedrige Fürsorgesystem, auf dessen Leistung jeder, so er bedürftig ist, einen Rechtsanspruch hat: Die Sozialhilfe für Nichterwerbsfähige, das Arbeitslosengeld II für Erwerbsfähige und die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

stopit

30.08.2012, 11:20 Uhr

HB, bitten hören Sie mit dem Maschmeyer Werbeblock auf, der hier als Rürup Kolumne getarnt ist.

blackstone

30.08.2012, 11:33 Uhr

Liebes HB,

ist es nicht allmählich an der Zeit über unabhängige Autoren nachzudenken?

Der Maschmeyer-Lobbyist und Versicherungsverkäufer Rürup ist dies sicher nicht:

http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

LG
Blackstone

Account gelöscht!

30.08.2012, 11:45 Uhr

Habt ihr ja bei der WENDE und danch alles für getan die weichen so zu stellen...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×