Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.11.2011

09:43 Uhr

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bei einer Schiffshavarie muss es immer als Erstes darum gehen, möglichst viele Passagiere in die Rettungsboote zu bringen und erst in einer zweiten Phase darum, nach den Ursachen des Unglücks zu fragen, um eine ähnliche Katastrophe in der  Zukunft zu verhindern. Ordnungs-politische Grundsätze sind mit Konstruktionsprinzipien vergleichbar. Für den Bau eines Schiffes sind sie wichtig, im Falle eines drohenden Untergangs helfen sie allerdings nicht, die Passagiere in die Boote zu bringen.

In Sachen Euro-Krise befinden wir uns leider  immer noch in der ersten Phase der akuten Krisenbewältigung. Die Idee, mit den von knapp 250 Mrd. Euro auf eine Billionen Euro hochgehebelten Mitteln des europäischen Rettungsschirms (EFSF) Portugal, Spanien vor allem Italien mit seiner Schuldenquote von 120 Prozent gegen Spekulationswellen abschirmen zu können, beeindruckt die Märkte nur mäßig und veranlasst  keinen potenten Investor beispielsweise aus Fernost, Staatsanleihen südeuropäischer Euroländer  zu kaufen. 

Bis die aktuelle Krise wirklich überwunden und eine dauerhaft stabile  europäische Fiskalunion rechtlich abgesichert ist  - unabhängig  was letztlich mit Griechenland geschieht - werden noch viele Jahre - Frau Merkel sprach von zehn - ins Land gehen, in denen neue Misstrauenswellen gegen einzelne Staaten den Zusammenhalt der Währungsgemeinschaft gefährden können.

Um den Märkten die Gewissheit zu geben, dass  es keinen zweiten „freiwilligen“ Haircut der Gläubiger eines Euro-Landes gibt, führt bis auf weiteres kein Weg  daran vorbei,  entweder dem mit einer Banklizenz versehenen Rettungsschirm oder - ehrlicher - der EZB das Mandat einzuräumen, in unbegrenztem Umfang Anleihen von Euro-Ländern aufzukaufen.

Nur durch so einen letzten Garanten kann sicher verhindert werden, dass aus der Angst vor einem Bankrott eine self-fullfilling prophecy wird. Die Ausübung dieses Mandats bedeutet eine Monetarisierung von Staatsschulden, was – im deutschen Verständnis - eine schwere ordnungspolitische Sünde darstellen würde.

Manchmal ist es allerdings notwendig in einer brandgefährlichen Situation, für die es keine historischen Vorbilder gibt, unkonventionell zu handeln, um Schlimmeres zu verhindern. Zumal wenn man erwarten kann, dass so ein Recht der EZB oder des Rettungsschirms die gewünschte vertrauenstiftende Wirkung haben dürfte, ohne zum Einsatz kommen zu müssen.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Alex

09.11.2011, 14:32 Uhr

"Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet" - wenn man das schon liest... Genauso wie Maschmeyer die Kleinanleger betrogen hat wird das deutsche Volk nun von Politikern wie Rürup betrogen. Niemals hätten unsere Ersparnisse und die stabilen Verhältnisse in Deutschland für ein Euro-Experiment mit ungewissem Ausgang auf's Spiel gesetzt werden dürfen.

grosserfesterfeiner

09.11.2011, 15:00 Uhr

Das hätten Sie nicht kürzer und prägnanter formulieren können!
In einem Punkt darf ich Ihnen aber widersprechen: Das Euro-Experiment hatte von vornherein einen definierten Ausgang. Das Scheitern war absehbar.
Hr. Rürup betreibt wie der Rest der politischen Laienspielgruppe nach wie vor ein Spiel auf Zeit, das sie nicht gewinnen werden.

schlingel

09.11.2011, 15:29 Uhr

Jawoll! Wir etablieren die EZB als staatsschulden monetisierende Bank und werfen schöööön die Druckerpresse an.

Ich könnt' kotzen wenn ich die Vorstellungen solcher Planwirtschaftler höre. Warum bietet das Handelsblatt solchen Spaten eine Plattform?

Aber wie schon gesagt wurde. Das ist ein Spiel auf Zeit. Und der Knall wird um so größer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×