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25.04.2012

11:49 Uhr

Professor Chiffre

Familienpolitik ist kein Wunschkonzert

VonBert Rürup

Das Betreuungsgeld ist eine verkorkste Idee. Es leistet keinen Beitrag dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern oder die Gründung einer Familie zu motivieren.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

DüsseldorfFamilie ist dort, wo Kinder und Eltern(teile) zusammenleben. Dieses Zusammenleben steht unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Dieser Schutz dokumentiert sich in einer Familienpolitik, bei der es einerseits darum geht, Belastungen, die durch das Aufziehen von Kindern entstehen, zu kompensieren und andererseits, die Leistungen, die Eltern(teile) für die Gesellschaft erbringen, zu honorieren. Im Einzelnen nennt der 7. Familienbericht sieben Ziele nämlich die frühe Förderung, den Nachteilsausgleich, die Erfüllung von Kinderwünschen, den Zusammenhalt der Generationen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Wahlfreiheit sowie die wirtschaftliche Stabilität von Familien.

Jede neue familienpolitische Maßnahme muss sich deshalb daran messen lassen, ob sie einen Beitrag zu mindestens einem dieser Ziele leistet, ohne dabei in einem unverhältnismäßigen Konflikt zu anderen Zielen zu stehen. Zudem ist Familienpolitik kein Wunschkonzert, d.h. auch für dieses Politikfeld gibt es im Interesse der langfristigen Entwicklungsperspektiven unseres Landes und damit im Interesse der nachwachsenden Generationen Restriktionen, die aus den fiskalischen Belastungen oder unerwünschten Effekten auf die Erwerbstätigkeit von Frauen erwachsen können. Hier sind beim Betreuungsgeld massive Zweifel angebracht.

Es soll Müttern/Eltern die Wahlfreiheit eröffnet werden, ihr Kleinkind selbst zu betreuen. Diese mit finanziellen Anreizen verbundene Option geht davon aus, dass die frühkindliche Förderung bei einer häuslichen Betreuung  der durch eine Betreuungseinrichtung überlegen, zumindest aber gleichwertig ist und die Eltern in der Lage sind, objektiv zu beurteilen welche Art der Betreuung im Interesse ihres Kindes die bessere ist. Dieses kann man bezweifeln. Das Betreuungsgeld leistet zudem keinen Beitrag dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern oder die Gründung einer Familie zu motivieren. Mehr noch: Im Zusammenspiel mit dem Ehegattensplitting wird der Anreiz verstärkt, dass junge Müttern nach dem Elterngeldbezug nicht wieder zumindest eine Teilzeitbeschäftigung aufnehmen. Angesichts des durch die demografische Entwicklung bedingten Rückgangs der Erwerbsbevölkerung ist dies ein kontraproduktiver Effekt.

Kommentare (23)

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blackstone13

25.04.2012, 12:33 Uhr

Versichrungspolitik ist ein Wunschkonzert

Wieso nicht eine "Versicherung" oder eine "Familienanlageform" erfinden, Herr Rürup?

Dann könnten Sie zusammen mit Herrn Maschmeyer weiter Ihren Lobbyismus betreiben und abkassieren:

http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

LG
Blackstone13



Gnomon

25.04.2012, 13:10 Uhr

Sie setzten sich in ihrem Beitrag mit keinem Wort über die absolut berechtigten Gründe für ein Betreuungsgeld auseinander. Ihr Argument es könne zweifelhaft sein, ob ein Kind bei seinen Eltern besser betreut ist als in einer staatlichen Aufzuchtstelle ist ein ausgemachter Skandal! Sagen Sie das mal auf einer öffentlichen Veranstaltung den Leuten ins Gesicht! Wenn Sie das Kindeswohl als Rechtbegriff so interpretieren ist der nächste Schritt die Zwangswegnahme des Kindes von ihren unfähigen Eltern und die Übergabe in staatliche Obhut zwecks Chancengleichheit, besserer Ausbildung und Verwertung für wirtschaftliche Aspekte. Ein grauenvolles Szenario a la Thomas Morus oder Thomas Campanella. Der Erzeuger und die Gebährende wären dann wohl angebrachtere Begriffe als Vater und Mutter. Dies ist nebenbei verfassungswidrig hoch zehn, da das GG die Erziehung und Pflege der Kinder zur Vermeidung solcher Ideologien privat ausgestaltet hat.

Wahlfreiheit verstehen Sie wohl nur im volkswirtschaftlichen Sinne, quasi Freiheit ist was dem Volke nützt. Verdammt nochmal, wenn ein Elternteil sich für die wunderbare Entscheidung Kinder aufwachsen zu sehen entscheidet darf er nicht schlechter subventioniert werden als jemand, der gleich wieder ins Hamsterrad springen will. Der Staat darf nicht einseitig das Rollenbild der Doppelerwerbstätigkeit subventionieren. Er muss auch die Entscheidung für die Familie begünstigen (das tut er nur noch durch das Ehegattensplitting, was durch das BVerfG erzwungen wurde).

Was ist das eigentlich für ein perverses Menschenbild? Setzen Sie sich mal mit den gesundheitlichen Risiken der Krippenbetreuung auseinander, aber das ist alles Paperlapap nicht wahr?

Es gibt eine Grenze für ökonomisches Denken Herr Rürüp!

Account gelöscht!

25.04.2012, 13:49 Uhr

Lieber Gnomon, vielen Dank für Ihren Beitrag. 100 Prozent Zustimmung von mir.
In der gesamten Betreuungsdiskussion geht es nur um die Interessen a) der Wirtschaft und b) des radikalen Feminismus. Um c) die Kinder geht es (natürlich) überhaupt nicht!
Es freut mich, daß immer mehr Menschen hier zum Streßhormon Cortisol bloggen, daß die Bevölkerung offensichtlich das staatliche DDR-/UdSSR-Kinderkrippensystem gar nicht will. Und die Behauptung, das irgendeine andere Institution besser für die Kinderaufzucht geeignet sei als die leiblichen Eltern, ja das ist wirklich des Teufels!
Doch ich kann Sie beruhigen. Das Ansinnen verblendeter Polterinnen wird scheitern, denn Jesus hat klar gesagt, daß die Mächte Unterwelt die Kirche nicht überwältigen werden (lesen Sie nach am Ende des Evangeliums nach Matthäus). Grüsse!

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