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28.09.2011

09:36 Uhr

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Die Arbeitgeber machen sich vor, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten gleichbedeutend mit einer Verbesserung ihrer Ertragssituation sei. Und die Gewerkschaften lassen sich nicht davon abbringen, dass über die paritätische Finanzierung der Sozialbeiträge die Arbeitgeber die Hälfte der Kosten der sozialen Sicherung tragen.

Beide Parteien laufen damit der verteilungspolitischen Fata Morgana nach, dass derjenige, der eine Sozialabgabe zahlt, auch derjenige ist, der davon belastet wird. Es wird ja niemand ernsthaft glauben, dass die von einem Kaufhaus gezahlte Mehrwertsteuer letztlich nicht von den Kunden getragen wird?

Wer welchen Anteil einer Abgabe trägt ist letztlich eine Machtfrage und keine Glaubensfrage. Ein Arbeitnehmer findet in einer Marktwirtschaft nur dann einen Arbeitsplatz, wenn (s)ein Arbeitgeber sich von der Einstellung – zumindest mittelfristig – eine Verbesserung seines Unternehmensergebnisses verspricht. In einer Marktwirtschaft ist nun einmal jeder eingerichtete Arbeitsplatz eine Investition, die sich für das Unternehmen rechnen muss.

Ein Arbeitnehmer muss deshalb – zumindest mittelfristig – mit seiner Produktivität seine gesamten Arbeitskosten, d. h. seinen Barlohn und alle darauf liegenden Lohnnebenkosten erwirtschaften. Andernfalls wird er nicht eingestellt oder entlassen. Arbeitgeberanteile sind nichts anderes als vorenthaltener Barlohn. Daher gewährleistet die Parität keine gewinnschmälernde Beteiligung der Arbeitgeber an der Finanzierung der Sozialversicherungen.

Diese ökonomische Logik verbietet eigentlich den gängigen Gebrauch des Begriffs „Lohnnebenkosten“, denn es gibt immer nur Arbeitskosten. Und bei Tarifverhandlungen wird nur vordergründig über Barlohnerhöhungen gestritten, in Wirklichkeit ging und geht es darum, welche der Tarifparteien sich wie viel des durch die Produktivität bestimmten Verteilungsspielraums aneignen kann. Was bei diesen Verhandlungen als Ergebnis herauskommt, hängt nicht davon ab, wie hoch „Lohnnebenkosten“ sind oder ob die Sozialversicherungsbeiträge paritätisch finanziert werden.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kommentare (1)

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hotelri

28.09.2011, 10:17 Uhr

natürlich die prodiktivität des ANs muß mindestens durchschnittlich stimmen,damit die Firma weiter besteht.Was ist da falsch daran?
Die Lohnnebenkosten sind auch indierekt schuld an Burnouts.
langfristig Unternehmen kann nur so lange gut gehen,wenn die Mitarbeiter zufrieden sind.

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