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11.01.2012

12:18 Uhr

Professor Chiffre

Haken schlagen wie die Hasen

VonBert Rürup

Seit Horst Seehofer die Debatte über die Rente mit 67 erneut angefacht hat, ist die intergenerative Gerechtigkeit zum wahltaktischen Spielball der Parteien geworden. Ob die Wähler das honorieren, ist zweifelhaft.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Seit geraumer Zeit steigt bei uns die Lebenserwartung eines neugeborenen Kindes von Jahr zu Jahr um durchschnittlich drei Monate an. Dieser höchst erfreuliche Lebenserwartungsgewinn von sechs Stunden pro Tag schlägt sich – bei unverändertem Renteneintrittsalter – in steigenden Rentenlaufzeiten nieder. Die Lebenserwartung der 65-Jährigen nimmt im Durchschnitt um knapp 1,5 Monate pro Jahr oder bis 2030 um fast drei Jahre zu. Die mit dieser Leistungsausweitung der gesetzlichen Rentenversicherung um nahezu 15 Prozent verbundenen Kosten sind real – sie können nicht wegreformiert, sondern nur umverteilt werden. Und zwar entweder durch

· eine Erhöhung des Beitragssatzes und damit zu Lasten der beitragspflichtigen Mitglieder der Rentenversicherung,

· eine die Steuerzahler belastenden Erhöhung des Staatszuschusses,

· die weitere Absenkung des Rentenniveaus der derzeitigen und zukünftigen Rentenempfänger oder

·  eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters. Dies belastet die zukünftigen Rentner. Sie werden durch die Rente mit 67 im Vergleich zum Status quo zwar nicht schlechter gestellt, aber die mit der steigenden Lebenserwartung verbundene Leistungsausweitung wird deutlich verringert.

Die ökonomisch „richtige“ Antwort auf diese Verteilungsfrage gibt es nicht. Jede Antwort auf ein Verteilungsproblem – sei es intergenerativer oder interpersoneller Natur – ist ein Werturteil. Und bei der Beantwortung von Verteilungsfragen haben Ökonomen keine größere Kompetenz als Dachdecker, Physiker, Hebammen oder Bäcker. Kompetenz, gesellschaftliche Verteilungsfragen zu entscheiden, hat nur die Politik.

Kommentare (2)

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11.01.2012, 13:12 Uhr

Die Rentenaltererhöhung ist definitiv eine unfaire Rentenkürzung.

Warum? Erstens wird das Eintiegsalter hoch gesetzt. Zweitens sind viele Rentenangänger zu dieser Zeit gar nicht mehr beschäftigt, weil arbeitslos. Diese Zahl liegt nach meinen Recherchen >>50%! Hier muss die Politik handeln, es bleibt gar keine Wahl. Denn derzeit ist es ein reines Glücksspiel, bis zum Ende beschäftigt zu sein. Fair wäre deshalb, entweder die Fühverrentung zu staffeln. Also gerechte Rentenabschläge, derzeit sind sie aber weit überproportional. Oder die Rente tatsächlich und allgemein zu kürzen. Beide Punkte würden zu mehr Transparenz führen. Angehende Rentner können besser planen und auch die Vorsorge lässt sich besser planen, weil die Lücke besser abschätzbar wird. Derzeit rechne ich persönlich damit, dass dich der Arbeitsmarkt mit 55 zum Teufel jagt. Hier muss den Menschen geholfen werden.

Die Anhebung der Altersgrenze ist deshalb für mich an ganz ganz mießer Zug der Politiker. Er ist unfair, untransparent und lässt die Menschen alleine.

Dr.NorbertLeineweber

12.01.2012, 16:35 Uhr

Dr.NorbertLeineweber:
Das ist ja der Hammer, bei Rürup gibt es wahltaktische Spielbälle und Zick-Zack-Kurse. Und wenn Rürup in Verteilungsfragen als Ökonom keine größere Kompetenz als ein Dachdecker hat, wieso will er dann mit der Rürup-Rente die Verteilung ändern? Ein Widerspruch in sich. So, so nur die Politik hat Kompetenz. Da hat er aber vergessen, dass der Dachdecker und Physiker die Politik bestimmen, zumindest nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie. Der nächste Widerspruch in sich. Und Zick-Zack-Kurse und Pareteiengezänk werden im Artikel zum "Big-Bang" (4.Januar) einfach wegdefiniert. Da gibt es nur Parallelogramme und Diagonalen. Man muss die beiden Artikel einmal miteinander vergleichen. Rürup ist geisteswissenschaftlich nicht mehr in der Spur. Bei einem Diplomanden stünde am Rand: Widerspruch in sich, fehlende Logik, Verständnis?
Zu Rürup kann man nur sagen: lassen Sie das Kommentieren, wenn sich schon zwei Artikel nicht "miteinander vertragen." Ansonsten ist auch klar, weshalb es keine weiteren Kommentare gibt: Sie erübrigen sich in der Tat.

A

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