Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2012

06:40 Uhr

Professor Chiffre

Modell D – Kein Exportschlager

VonBert Rürup

Deutschland wird wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner sozialen wie politischen Stabilität bewundert. Kopieren lassen sich die deutschen Charakteristika von anderen Ländern aber nicht.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Wer öfter im Ausland ist und sich mit Unternehmern, Politikern oder Journalisten unterhält, hört regelmäßig „Eure Sorgen hätten wir gerne“. Einerseits ist man – zu Recht – verärgert, wenn führende Politiker törichte oder unpassende Sprüche vom Stapel lassen: „Jetzt spricht Europa deutsch“ (Volker Kauder) oder „Die Indianer müssen wissen, dass die Kavallerie von Fort Yuma ausreiten kann“ (Peer Steinbrück).

Andererseits wird aber unser Land wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner sozialen wie politischen Stabilität bewundert, und man ist verblüfft darüber, wie es Deutschland in nur wenigen Jahren geschafft hat, vom „Sick man of Europe“ (Economist, November 2002) zu „Europe’s engine“ (Economist, März 2010) zu werden. In der Tat, vor 10 Jahren lag, was die wirtschaftliche Zukunft anging, Pessimismus wie Mehltau auf diesem Land. Bücher wie „Ist Deutschland noch zu retten?“, „Die Basarökonomie“, „Der Abstieg eines Superstars“ oder „Die deformierte Gesellschaft“ wurden zu Bestsellern. Und die damalige Talk-Show-Queen Sabine Christiansen hatten jeden Sonntag tolle Einschaltquoten mit Untergangsthemen und Untergangspropheten.

Heute werden zwar oft von den gleichen Propheten im Zuge der Eurokrise wieder neue Horrorszenarien an die Wand gemalt, dass sich der Wirtschaftsstandort Deutschland neu erfunden hat, wird aber kaum noch infrage gestellt.

Sicher spielten Mut und Elan der Politik eine ganz wichtige Rolle. Denn im vergangenen Jahrzehnt wurden in keinem anderen OECD-Land so weitreichende Reformen am Arbeitsmarkt, bei der Unternehmensbesteuerung, der Sozialen Sicherung oder – unter dem Stichwort Schuldenbremse – bei den Staatsfinanzen durchgesetzt. Diese Reformen waren erforderlich und richtig, sie sind aber nicht der alleinige Grund für die aktuelle Stärke des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Chiffre_E

23.05.2012, 07:36 Uhr

Genau, Herr Professor. Und schon das ist der Grund, warum eine gemeinsame Währung nicht funktionieren kann. So einfach können die Dinge liegen.
Also: Abschaffen des Euros. Jeder in Europa nach seiner Facon, seiner Mentalität und Charakter. Und wir haben wieder die europäische Vielfalt, die in einem erzwungenen "politischen Projekt" zerstört wird.
Klar, die Grünen, die Sozen und jetzt schon die CDU wollen das Deutsche zerstören. Aber genau das will die Bevölkerung nicht!

Account gelöscht!

23.05.2012, 09:16 Uhr

Vor allem läuft es momentan in DLand so gut, weil die Dolce-Vita-Staaten durch die Schuldenmacherei den Euro erheblich geschwächt haben. Das kommt der deutschen Exportwirtschaft zu Gute.

Strukturelle Verbesserungen in Deutschland habe ich in den letzten 10 Jahren kaum gesehen. Die Politik hat schlicht und ergreifen nichts gemacht.

Account gelöscht!

23.05.2012, 10:21 Uhr

Das deutsche Wesen, daran WILL niemand im Ausland genesen.
Wenn das mal in die Köpfe ginge, wäre man vielleicht ein Stück weiter. Der Deutsche nimmt sich immer wichter als er eigentlich ist. Seinen Größenwahnsinn versucht er anderen europäischen Ländern aufzudrücken.
Selber Gesetze für Bad Banks schaffen, Hauptsache es nützt für sich selbst, statt auf Europa zu sehen, spätestens dort war es Zeit die Notbremse zu ziehen, und zu akzeptieren, das die anderen Länder eben langsamer wachsen müssen. Stattdessen hat man den Sandkasten mit billigem Geld weiter zugeschüttet. Gleichzeitig hat man ja den Sündenbock, es sind die Gene, die Südländer können mit Geld nicht umgehen etc.
Der Euro ist nur Papier, es ist der Umgang damit. Die Unternehmen exportieren, aber zum gleichen Preis wie in Deutschland, teilweise deutlich darüber. Die Löhne waren und sind nicht so hoch, als das diese Preise gezahlt werden konnten. Nun sind die Löhne angepaßt, aber die Betriebe nicht mehr konkurrenzfähig damit. Und das obwohl die Sozialkosten für Arbeit deutlich unter der in der BRD liegen. Also Löhne wieder runter, und sei es durch Arbeitslosigkeit.
Das Papier auf dem Euro steht, dem ist es egal. Die EU selbst hat das mit ihrer immensen, viel zu schnellen Expansion verursacht, allen voran Deutschland.
Denn vorher waren die deutschen Banken gesünder, nun haben sie die Banken der anderen EU-Länder mit runtergezogen. Und wollen natürlich nicht für die Schäden einstehen. Um das alles zu verschleiern, wird nun die "Faulkarte" gezogen, die Völker sind schuld, wie immer. Einer muß ja immer zahlen, mal sehen wen wir da erwischen können. Versagt die monetäre Maschinerie muß einfach ein dummes Volk verantwortlich sein, sonst könnte man Systemfragen stellen, die für einige Leute doch sehr unangenehm sein könnten. Denn dieses System zahlt die Gehälter. Also nichts Neues, teile und herrsche. So gehen die Diskussionen nicht darum wie man es ändern und verbessern kann, sondern nur Schuldige suchen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×