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16.11.2011

10:38 Uhr

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bei vielen Amerikanern haben sich die verheerenden Folgen der großen Depression der 1930er-Jahre in ein kollektives Gedächtnis eingeprägt. Daraus erklären sich die ausgeprägte Angst vor Arbeitslosigkeit und Rezession sowie die geringen Skrupel gegenüber einer Politik des leichten Geldes.

Durch die Hyperinflation der frühen 1920er-Jahre wurde in Deutschland die Vermögensordnung zertrümmert. Seitdem kommen viele Deutsche mit einem Antiinflationsgen zur Welt und vermuten unter fast jedem Kieselstein eine Inflation.

Für viele Zeitgenossen – einschließlich Wirtschaftsredakteuren wie Fachökonomen – ist es deshalb klar, dass den Liquiditätsinjektionen in das Bankensystem, dem Ankauf von toxischen Wertpapieren, den kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen zur Bewältigung der globalen Finanzkrise 2008/2009 und nicht zuletzt dem Aufkauf von Anleihen europäischer Staaten durch die EZB zur Bekämpfung der europäischen Staatsschuldenkrise bald kräftige Preiserhöhungen folgen werden.

Richtig ist, wie zahlreiche Studien zeigen, dass einer starken Ausdehnung der Geldmenge oft eine Inflation folgt. Nur, durch diese Maßnahmen wurde bislang die Geldmenge kaum erhöht, sondern die Geldbasis, das heißt das umlaufende Bargeld und die von den Geschäftsbanken bei der EZB gehaltenen Reserven. Entscheidend für die auf den Märkten kaufkräftige Nachfrage und damit eine Inflation ist aber nicht die Geldbasis sondern die Geldmenge, das heißt die Geldbasis  plus Sichteinlagen und  geldnahe Termineinlagen der Unternehmen und Haushalte bei den Banken.

Das Wachstum dieser inflationsrelevanten Geldmenge ist von mehr als zwölf Prozent in 2007 auf minus 0,4 Prozent zu Beginn 2010 zurück gegangen und liegt derzeit bei unauffälligen drei Prozent. Gegenwärtig liegt die Teuerungsrate als Folge der noch immer hohen Energiepreise bei etwa drei Prozent.

Angesichts der sich abzeichnenden spürbaren Abkühlung im Euroraum – verstärkt durch die Konsolidierungsbemühungen vieler Staaten – wird sie im Laufe des nächsten Jahres unter zwei Prozent sinken. Ein Inflationsschub als Folge der Antikrisenmaßnahmen der Staaten ist bis auf Weiteres nicht zu erwarten. Wohl aber könnte es sein, dass nicht zuletzt als Folge des anhaltenden wirtschaftlichen Take Off der Schwellenländer in der längeren Frist die Industriestaaten – via steigende Rohstoffpreise – mit einem importierten Inflationsdruck konfrontiert werden, einem geldpolitisch viel ekligeren Problem, welches aber nichts mit einer überhöhten Staatsverschuldung zu tun hat.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kommentare (8)

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Freiheit

16.11.2011, 13:13 Uhr

Anders ausgedrückt: Es wird zwar schon Geld gedruckt, aber ans Ausland verteilt.

Politikverdrossen

17.11.2011, 10:34 Uhr

Seien wir ehrlich: Der Euro war ein schrecklicher Fehler, nicht nur für Deutschland sondern auch für die Südländer. Anders als das EWS lässt der Euro nämlich keine kulturellen, sozialen und ökonomischen Unterschiede in Europa mehr zu. Damit der Euro funktioniert müssten alle Unterschiede radikal nivelliert werden, Vereinheitlichung von Steuern, Sozialsystemen, Löhnen, Arbeitszeiten, Wirtschafts- und Finanzpolitik usw. – hierzu bräuchte man eine EURO-Diktatur. Nur Narren können glauben, dass so ein Weg machbar ist und den Frieden in Europa bringt.

Damit Merkel, Sakozy und die Eurokraten die Euro-Utopie weitertreiben können, wird jetzt die EZB gezwungen, Staatsanleihen der insolventen Staaten aufzukaufen. Aber auch dieser Weg wird in einer Katastrophe enden.

Der einzig sinnvolle Weg aus diesem Unglück wäre ein geordnetes Ausscheiden Deutschlands aus dem Euro. Deutschland wäre weiterhin Mitglied in der EU und könnte in ein EWS II eintreten. Aber vermutlich würde es nur dazu kommen, wenn die Bundesbank bzw. die Reste davon einen realistischen Weg zum Austritt aufzeigen und Deutschlands Bevölkerung sich gegen den Euro-Wahnsinn wehren würde. Die Politik ist in ihrer Euro-Ideologie, ihrer Beratungsresistenz und ihrer Inkompetenz unrettbar gefangen.

Fast möchte ich sagen: Aufstand gegen den Euro ist Bürgerpflicht! Bundesbanker erhebt Euch gegen den Euro! Nur der Druck der Straße und die Bundesbank können Europa noch vor diesem Irrsinn retten!

Keynes_neffe

17.11.2011, 15:04 Uhr

Lieber Politikverdrossener: Was für ein Quatsch! Waren in Deutschland unter der durchaus erfolgreichen D-Mark Löhne, Arbeitszeiten und kulturelle Unterschiede, zwischen Ost und West, aber auch zwischen Nord und Süd, durch eine D-Mark-Diktatur nivelliert? Bereits bei einem vergleichsweise kleinen und homogenen Land wie Deutschland gibt es erhebliche regionale Unterschiede, mit Erfolg oder Scheitern einer Währung haben die aber nichts zu tun! Ein besserer Vergleich für den Euro wäre aber vielleicht der Dollar: Auch die USA haben ein risiges Gefälle zwischen reicheren und ärmeren Regionen, aber der Staatenbund haftet eben gemeinsam für die Staatsanleihen!

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