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29.02.2012

10:46 Uhr

Professor Chiffre

Sozialpolitische Tunnelbauer

VonBert Rürup

Der CDU-Politiker Wanderwitz hat die Idee neu entdeckt, durch den Aufbau und das Abschmelzen einer Kapitalreserve die demographischen Belastungen der Gesellschaft zu untertunneln. Funktionieren kann das Vorhaben nicht.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bereits vor 15 Jahren liebäugelte Rudolf Dressler, damals sozialpolitischer Sprecher der SPD, mit der Idee, durch den Aufbau und das Abschmelzen einer Kapitalreserve bei der gesetzlichen Rentenversicherung die Belastungen der Bevölkerungsalterung zu glätten. Salopp gesagt: den „Rentnerberg“ zu untertunneln. Vor zwei Jahren entdeckte der CDA-Bundesvorsitzende Karl-Josef Laumann diese Idee für die soziale Pflegeversicherung. Vor kurzem meinte der sächsische CDU-Jungpolitiker Marco Wanderwitz, man benötige dringend eine Milliardenreserve, die aus einer Sonderabgabe von Kinderlosen aufgebaut wird, um die steigenden Kosten der demografischen Entwicklung zu bewältigen.

Alle eint der Glaube, durch das Ansparen eines kollektiven Kapitalstocks – sei es aus Sozialversicherungsbeiträgen oder Steuern – und ein späteres Abschmelzen, die aus der Bevölkerungsalterung entstehenden Kosten vorfinanzieren und so gleichmäßiger über alle Generationen verteilen zu können. Hätten wir - was das Profil der Entwicklung des Altenquotienten angeht - einen Anstieg und nachfolgenden Rückgang, einen „Rentnerberg“, vor uns, wäre so eine Untertunnelung oder Vorfinanzierung und damit Glättung eines alterungsbedingten Beitragssatzanstiegs möglich.

Allerdings stehen wir vor keinem „Berg“, sondern vor einem „Plateau“. Denn der Altersquotient wird als Folge der seit Ende der 1960er Jahre niedrigen Geburtenrate und der steigenden Lebenserwartung noch etwa 40 Jahre ziemlich rasch ansteigen. Danach wird er aber nicht wieder abfallen, sondern sich nur deutlich langsamer erhöhen. Der Grund: Die geburtenstarken Jahrgänge bis Ende der 1960er Jahre werden dann diese Welt verlassen haben, die niedrige Geburtenrate wirkt nicht mehr als Treiber der Entwicklung dieses Quotienten, sondern nur noch die Zunahme der Lebenserwartung. Aus der „doppelten“ Bevölkerungsalterung ist dann eine „einfache“ geworden.

Kommentare (7)

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Hermann

29.02.2012, 11:24 Uhr

Tja, Herr Rürup,
ohne Kinder bzw. ohne ausreichende Kinder funktioniert die Rentenversicherung eben nicht.
Ich habe den Eindruck, dass Sie sich dieser einfachen aber mit Blick auf die Lage des deutschen Volkes bitteren Wahrheit einfach verschliessen.
Sind Ihnen die Enkel denn so egal? Haben Sie selbst überhaupt Kinder und Hoffnung auf Enkel?

Baier

29.02.2012, 12:33 Uhr

Herr Rürup, ist das mit dem Hannoveraner Klüngel abgestimmt? Welche Interessen vertreten Sie in Ihren Kommentaren?

Reinhard

29.02.2012, 13:23 Uhr

Herr Rürup ist nur am Wohlergehen des AWD des Herrn Maschmeyer interessiert, denn da verdient er kräftig mit.

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