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21.09.2011

09:24 Uhr

Professor Chiffre

Staatsverschuldung: Wer bietet mehr?

VonBert Rürup

Unsere offiziell ausgewiesenen, expliziten, Staatsschulden - zwei Billionen oder gut 80 Prozent des Sozialprodukts – sind nur die Spitze des Eisbergs.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Würde man die impliziten Schulden, die in den Sozialsystemen verborgen sind, hinzurechnen, läge das wirkliche Ausmaß  bei einem Mehrfachen des Sozialprodukts – einem echten Horrorszenario, wie es die Dramatiker unter den Politikern sagen und es die Schwarzmaler unter den Journalisten aufschreiben.

Zu Recht? Nun, die expliziten Verbindlichkeiten wurden in der Vergangenheit aufgenommen. Sie liegen fest, was ihre Höhe angeht, und stellen privatrechtlich geschützte Ansprüche der Gläubiger dar. Die impliziten Schulden hingegen entstehen aus zukünftigen  Ansprüchen, die nicht mit dem geltenden Recht finanziert werden können. Zur Bestimmung der aktuellen Höhe des Barwerts dieser erst entstehenden Verpflichtungen müssen Annahmen etwa über das Wirtschaftswachstum oder auch den Zins gesetzt werden.

Wie hoch die impliziten Schulden ausfallen, entscheidet daher  im Grunde der, der die  Analyse macht. Da es deshalb anders als  bei den expliziten Schulden  die „eine wahre“ implizite Staatsverschuldung nicht  gibt, verbietet die intellektuelle Redlichkeit die Addition beider Schulden zu einer Summe. Es sei denn, man möchte dramatisieren – aus welchen Gründen auch immer.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kommentare (5)

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22.09.2011, 12:26 Uhr

Herr Rürup, weshalb haben Sie nicht wenigstens einen Hinweis auf die Schattenhaushalte gegeben, die jetzt schon um ein vielfaches größer sind, als die öffentlich ausgewiesenen? Nicht nur bei uns in DE natürlich.
http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Schattenhaushalte.jpg

Buerger

22.09.2011, 16:48 Uhr

Na super. Damit soll wohl für eine erneute Kürzung von Sozialleistungen "sensibilisiert" werden? Hartz I bis IV und trotzem wachsen die Finanzierungsprobleme der Sozialkassen. Wann raffen es die "Experten" endlich mal, dass eine Volkswirtschaft sich nicht nachhaltig an seinem Volk gesund sparen kann. Das hat inzwischen sogar China kapiert...

dwl33

22.09.2011, 18:52 Uhr

Die implizite Staatsverschuldung besteht zum Großteil aus Beamtenpensionen, diese sind sehr verläßlich ermittelbar, etwa nach den Heubeck'schen Sterbetabellen, diese werden in der Regel bei Schätzungen der impliziten Staatsverschuldung auch zugrunde gelegt. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung werden die Rentenbarwerte nach dieser Methodik zu niedrig ausgewiesen. Die Ausblendung der impliziten Staatsverschuldung ist der Kameralistik geschuldet, wäre die BRD eine GmbH mit doppelter Buchführung, müsste die implizite Staatsverschuldung in Höhe von ca. 330% ausgewiesen werden. Man sollte nicht darüber diskutieren, ob die Gesamtverschuldung bei €8.000.000.000.000 oder €9.000.000.000.000 liegt, sondern das Ausmaß der tatsächlichen Verschuldung ins öffentliche Bewusstsein bringen und auch die Schuldenbremse nach Maßstäben der doppelten Buchführung gestalten. Dass die Pensionsvorteile bei Angestellten des öffentlichen Dienstes geschliffen werden müssen, ist ebenso wichtig wie politisch schwierig, lässt sich aber nicht vermeiden wenn die vielfach proklamierte Generationengerechtigkeit nicht zur leeren Phrase verkommen soll.

DWL33

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