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09.05.2012

11:02 Uhr

Professor Chiffre

Warum der Euro doch keine Schnapsidee ist

VonBert Rürup

In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt fordert Arnulf Baring den Austritt Deutschlands aus der Währungsunion. Doch der steilen These des Politikwissenschaftlers fehlt eine klare Begründung. Er müsste es besser wissen.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Arnulf Baring, ein anerkannter Politikwissenschaftler und Historiker, ist ob seiner Streitbarkeit und Wortgewalt sowie der Berechenbarkeit seiner Position in Talkshows ein gerngesehener Gast. Da der Euro seit einiger Zeit kein Talkshowthema mehr war, griff Baring zur Feder und forderte in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt vom 4. Mai unter dem Titel „Der Euro - eine Schnapsidee“ den Austritt Deutschlands aus der Währungsunion.

Er, Baring, habe nie an die Überlebenschancen des Euro geglaubt und immer schon gewusst, dass die Gemeinschaftswährung zu massiven Transferleistungen zwingen und am Ende auf ein gewaltiges Erpressungsmanöver gegenüber Deutschland hinaus laufen würde. Unser Land hätte immer weitergehende Forderungen abzuwehren und müsse deshalb, um einer Überforderung und einem sozialen Niedergang zu begegnen, bald aus der Währungsunion austreten.

Nun, auch einem gelernten Politik- und Geschichtswissenschaftler ist es unbenommen auszublenden, dass der Euro mehr als ein ökonomisches Projekt war und ist. Und natürlich kann man auch die sich abzeichnende markante Verschiebung der weltwirtschaftlichen Gravitationszentren bei der Frage einer europäischen Gemeinschaftswährung als irrelevant erachten. Aber auch wenn man rein nationalökonomisch argumentiert, ist dennoch zu beachten, dass Ökonomie das Denken in Alternativen bedeutet.

Deshalb hätte Baring zur Begründung seiner steilen These als erstes klar machen und zeigen müssen, dass die auf Deutschland zukommenden Verpflichtungen im Rahmen einer dauerhaften Stabilisierung der Währungsgemeinschaft die Vorteile überwiegen, die unsere Exportnation aus dem Euro gezogen hat und ziehen wird. Und wenn diese Nachteile wirklich überwiegen, hätte in einem zweiten Schritt belegt werden müssen, dass im Vergleich dazu eine Rückkehr zur D-Mark auf Dauer gesamtwirtschaftlich vorteilhafter wäre. Auch dies fehlt.

Schließlich und endlich hätte ein Mann von der Erfahrung Arnulf Barings wissen müssen, dass es bei manchen Dingen, die schwer ans Licht der Welt zu bringen sind, unmöglich ist, sie wieder zurückzubringen. Dazu gehören Babys, Champagnerkorken und der Euro. Auch eine „kränkelnde Frühgeburt“ – wie der damalige Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder die europäische Gemeinschaftswährung nannte – hat bei entsprechender Pflege das Zeug, ein Kraftprotz zu werden.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kommentare (54)

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Systemknecht

09.05.2012, 11:05 Uhr

Wie peinlich und erbärmlich ist das denn?

Account gelöscht!

09.05.2012, 11:16 Uhr

Der Euro ist keine Schnapsidee sondern Teil der von langer Hand geplanten Abwicklung der europäischen Nationalstaaten in die Vereinigten Staaten von Europa. Früher auch mal das europäische Haus genannt. Der Euro ist der europäische grosse Sprung nach vorn und wird ähnliche Ergebnisse zeigen wie der chinesische, nämlich Verwüstung allerorten.

Die Völker Europas wurden darüber natürlich im unklaren gelassen, oder um es deutlicher auszudrücken, sie wurden und werden belogen und betrogen. Sie wurden auch niemals gefragt, und wenn doch, wie beim Lissabonner Vertrag, wurde das NEIN einfach ignoriert und weiter gemacht.

Deshalb gibt es auch keine ökonomische Begründung für den Euro, sondern nur politische. Die Ökonomie sowie der Wohlstand der Nationen ist nur Beiwerk und irrelevant.

Somit haben auch Krisen wie die Eurokrise etwas gutes, sie öffnen die Augen. Danke dafür.

Account gelöscht!

09.05.2012, 11:17 Uhr

Ach Gott, der Herr Professor. Ich glaube, es ist genau umgekehrt: Jeder kann inzwischen erkennen, dass der Euro eine Super-Schnaps-Idee war und immer noch ist - Arnulf Baring hat es nur mal offen ausgesprochen. Und es sind seine Befürworter, die uns eine tragfähige Begründung schuldig geblieben sind, dass der ganze Rettungs-Irrsinn mehr nützt als schadet. Das ewige Gesülze von den ach so tollen Exporterfolgen, die angeblich dem Euro zuzuschreiben sind (was nützt der eigentlich beim Export nach Asien?!), ist doch Makulatur, wenn die ganze Party hinterher vom Steuerzahler doppelt und dreifach bezahlt werden muss. Mal abgesehen von der Tatsache, dass alle Rettungs-Qualen spätestens an Spanien scheitern werden: Diese Volkswirtschaft ist schlicht zu groß, als dass wir sie auch noch durchfüttern könnten, selbst wenn wir wollten - es geht schlicht nicht. Punkt, Ende.

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