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28.12.2011

07:44 Uhr

Professor Chiffre

Wetten gegen den Tod

VonBert Rürup

Die Riester-Rente ist besser als ihr verdorbener Ruf. Denn der Fehler liegt nicht in der Produktidee: Wenn jeder Deutsche eine Riester-Rente haben müsste, würde es besser laufen.

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Im Jahre 2001 wurde von Walter Riester ein kapitalgedecktes Ergänzungssystem, die Riester-Rente, eingeführt, um die Leistungsrücknahmen der gesetzlichen Rentenversicherung (mehr als) zu ersetzen. Man mag mit guten Gründen kritisieren, dass diese Form der kompensierenden Privatvorsorge nicht - wie ursprünglich geplant - als Obligatorium eingeführt wurde und die Riester-Rente deshalb zu einem Push-Produkt wurde, das verkauft werden muss und viele Anbieter verleitet hat, intransparent-teure Produkte zu entwickeln. Der dadurch entstandene Reputationsschaden der richtigen Idee ist offensichtlich. Unberechtigt sind dagegen die Vorwürfe, die Rendite sei durchweg so erbärmlich, dass es besser sei, sein Geld in den Sparstrumpf zu stecken.

Dieses Renditeargument verkennt den fundamentalen Unterschied zwischen einem Sparprodukt und einem Rentenprodukt. Altersvorsorge - gleichgültig ob umlagefinanziert oder kapitalgedeckt - zielt auf die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos ab, konkret die Absicherung der - im Einzelfall glücklicherweise unbekannten - Zeitspanne zwischen dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und dem Tod durch ein lebenslanges (Alters)Ein-kommen. Altersvorsorgesparen dient daher nicht der Bildung von verfügbarem und gegebenenfalls vererbbaren Vermögen. Eine Kapitallebensversicherung ist daher kein wirkliches Altersvorsorgeprodukt, da die Leistungen nicht in einem lebenslangen Einkommen bestehen.

Die Beiträge oder Prämien zu einem Alterssicherungssystem - sei es die gesetzliche Rentenversicherung, ein betriebliches Versorgungssystem, ein berufsständisches Versorgungswerk oder eine Privatrente - müssen sich an der durchschnittlichen Lebenserwartung der dort Versicherten orientieren. Jedes Mitglied eines Systems, welches das Langlebigkeitsrisiko absichert, geht immer eine Wette gegen den eigenen Todeszeitpunkt ein. Wettverlierer sind dabei diejenigen, die kürzer als der Durchschnitt leben und Gewinner sind die, die länger leben. Sie erben das nicht benötigte Kapital der Verstorbenen. Dem Risiko zu den "Verlierern" zu gehören steht die Gewissheit gegenüber, eine lebenslange Rente zu bekommen, selbst wenn man so alt wird wie Johannes Heesters.

Kommentare (20)

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MMa

28.12.2011, 08:13 Uhr

Leider kann man jedoch ab 2012 jedem Mann und fast allen Bürgern mit einer deutlich unterdurchschnittlich zu erwartenden Rente nicht zu diesem Produkt raten.

Wenn ich meine jetzt fast 100 jährige Großmutter im Pflegeheim besuche, sieht man warum: Dort sind fast nur Frauen und kein Mann ist über 89 Jahre alt….

Ferner sollten Kinderlose überlegen, ob sie nicht ihr Geld vor dem Pflegfall ausgeben.

Die Problematik der hohen Abschlusskosten (= Vertriebsprovisionen) ist ein separates Thema und ein Renditekiller aller erster Ordnung!

DorisDuebbert

28.12.2011, 08:23 Uhr

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet. das bedarf keiner weiteren Komentierung - Maschmeyer - !!!

Durchschaut

28.12.2011, 08:37 Uhr

Irgendwie vermisse ich den Querlink zu einem Abschlußformular auf die AWD-Seite....

Scheint ja nur Zufall zu sein, dass sich die MaschmeyerRürup AG genau mit dieser Thematik beschäftigt und hier Lösungen anbietet. Das ist jedenfalls kein objektiver Artikel, sondern kostenlose Werbung im Handelsblatt für die eigene Firma.

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