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23.01.2009

12:36 Uhr

Quartalszahlen

Microsofts gebrochener Mythos

VonJeff Segal, breakingviews

Microsoft hat die Märkte mit einem hinter den Erwartungen zurückbleibenden Ergebnis schockiert. Und der Software-Gigant baut zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte in großem Umfang Arbeitsplätze ab: 5000 Mitarbeiter müssen gehen. Der wirtschaftliche Abschwung unterstreicht die Verwundbarkeit des Unternehmens. Microsoft-Chef Ballmer muss aufhören, sich mit Videospielen zu beschäftigen und wieder das Kerngeschäft ins Visier nehmen.

Die Tage, in denen Microsoft noch als unaufhaltsam vorrückende Macht galt, sind vorüber. Der Software-Gigant hat mit seinen hinter den Erwartungen zurückbleibenden Ergebnissen die Investoren schockiert. Und er entlässt 5000 Mitarbeiter - die ersten umfangreichen Stellenkürzungen in der 33jährigen Firmengeschichte. Der konjunkturelle Niedergang hat ein Schlaglicht auf die verwundbaren Bereiche von Microsoft geworfen. Microsoft-Chef Steve Ballmer muss damit aufhören, sich in unrentablen Projekten zu verzetteln und muss sich stattdessen wieder auf die Produktlinien konzentrieren, die sein Kerngeschäft ausmachen und die dem Abschwung ungeschützt ausgeliefert sind.

Trotz der konjunkturellen Talfahrt ist Microsoft allerdings nach wie vor der Alpha-Gorilla der Software - immerhin hat die Firma im vergangenen Quartal einen Gewinn von 4,2 Mrd. Dollar verbucht. Doch dies entspricht einem Rückgang um elf Prozent binnen Jahresfrist und liegt damit weit unter den Markterwartungen. Die Aktionäre reagierten prompt und erleichterten nach der Veröffentlichung der Ergebnisse die Marktkapitalisierung von Microsoft um 14 Mrd. Dollar.

Doch noch beunruhigender als die enttäuschenden Ergebnisse sind die geplanten Entlassungen. Als der Cash Flow von Microsoft stieg und stieg, schien es sich zu lohnen, dauerhaft 90 000 Mitarbeiter zur Verfügung zu haben. Dass das Unternehmen jetzt die Kosten senken will, ist ein Signal dafür, dass es sich für noch schwierigere Zeiten rüstet.

Tatsächlich ist der Umsatz beim Windows-Betriebssystem - dem Hauptgeschäft der Firma - im Berichtsquartal um acht Prozent gefallen, da die Nachfrage nach PCs schrumpft. Der Bereich Software, darunter Windows und die verschiedenen anderen Angebote von Microsoft, macht fast den gesamten Betriebsgewinn des Unternehmens aus.

Doch Microsoft hat einen Großteil dieser Gewinne aus seinen Kernbereichen abgezogen und in Nebenprojekte wie Videospiele, Abspielgeräte für Musik und die Online-Suche geleitet. Keines dieser Vorhaben trägt maßgeblich zum Gewinn bei. Die Spielekonsole Xbox hat erst 2008 schwarze Zahlen geschrieben, nachdem sie sieben Jahre lang Verluste abgeworfen hat. Das Abspielgerät Zune wird immer wieder von Programmfehlern heimgesucht. Und die Suchmaschine MSN kontrolliert weniger als ein Zehntel des US-Markts für die Internetsuche.

In der Zwischenzeit sind die Produkte, auf die sich Microsoft maßgeblich stützt, dem Druck von Firmen wie Google ausgesetzt, die Cloud Computing-Initiativen verfolgen - also im Wesentlichen kostenlose Online-Softwareprodukte - und damit auf Microsofts Goldesel abzielen. Um zu verhindern, dass sich ein kurzzeitiger Rückgang zu einer echten Flaute auswächst, muss Ballmer einschreiten, die vielen nebensächlichen Projekte aufgeben, in denen Microsoft sich verliert, und sich nachdrücklich auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

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