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25.01.2008

12:03 Uhr

Rettungsplan für US-Kreditversicherer

Mono-manie

VonDwight Cass (breakingviews.com)

Der Plan der New Yorker Aufsichtsbehörden, die Banken sollten sich zur Rettung der taumelnden US-Kreditversicherer zusammen schließen und Kapital für sie bereit stellen, ist mit Problemen behaftet. Und es gibt gute Gründe dafür, warum das Vorhaben fehlschlagen sollte. Denn es würde andere Unternehmen davon abhalten, mitzumischen und eine Versicherung zu vernünftigen Sätzen anzubieten.

Parallelen zu ziehen, kann gefährlich sein. Superintendent Eric Dinallo von der New Yorker Versicherungsaufsichtsbehörde mag sich selbst als den Bill McDonough der Monoline-Krise sehen. Als einer, der die Wall Street zusammen trommelt, damit sie die in Schwierigkeiten geratenen Kreditversicherer rettet. So wie es der ehemalige Chef der New Yorker Fed während des Debakels um den Hedge Fonds LTCM fertig gebracht hat.

Aber ein halbes Dutzend meist notierter Unternehmen, von denen jedes einzelne unterschiedlich stark bei riskanten strukturierten Kreditprodukten engagiert ist, herauszuhauen, wird ungleich schwieriger werden, als einen einzigen Hedge Fonds aufzufangen. Und es gibt für die öffentliche Hand wenige zwingende politische Gründe, den Kreditversicherern zu Hilfe zu eilen. Tatsächlich könnte das mehr Schaden anrichten als helfen.

Die Chancen sind gering, dass sich die Wall Street dafür verbündet. Die 14 Banken, die LTCM unter die Arme gegriffen hatten, waren dessen Gläubiger und Gegenparteien. Aber die Banken sind bei jedem der Bondversicherer unterschiedlich stark engagiert. Eine Bank, die Kapital für eine branchenübergreifende Rettung auftreibt, könnte ihren Konkurrenten mehr helfen als sich selbst. Die daher zögerliche Haltung der Kreditinstitute war einer der Gründe, warum schon der vom US-Finanzministerium unterstützte Plan zur Bildung eines Super-SIV nicht umgesetzt wurde, mit dessen Hilfe die Zweckgesellschaften der Banken gestützt werden sollten.

Darüber hinaus hätte eine Rettung, wenn sie etwas bewirken sollte, vor der Herabstufung der Bonitätsbewertung von "AAA" für die Monoliner durch die Rating-Agenturen erfolgen müssen. Aber Fitch hat die Ratings von Ambac und SCA bereits zurückgenommen. Und Dinallo ist nicht befugt, die Banker mit Gewalt zu einem Deal zu zwingen - tatsächlich hat seine Behörde nicht einmal die Aufsicht über alle Bondversicherer. Ambac zum Beispiel wird von Beamten aus Wisconsin kontrolliert.

Dinallo sorgt sich, dass die Krise der Monoliner die Kapitalkosten für die US-Gebietskörperschaften nach oben treiben und deren Investoren Verluste bescheren wird. Aber die zugrunde liegenden Kredite der meisten Emittenten kommunaler Schuldtitel werden mit "A" oder "AA" bewertet. Und diese Emittenten haben begonnen, sich von einer Versicherung abzuwenden, seitdem Mitte 2007 das Ausmaß der Probleme der Bondversicherer zu Tage getreten ist. In der Zwischenzeit werten die Investoren die Versicherung ohnehin ab: Die Renditen versicherter Kommunalobligationen liegen jetzt leicht über den Renditen unversicherter, mit einem Rating von "AAA" versehener Titel.

Das bedeutet, dass es für die öffentliche Hand nur wenige politische Beweggründe gibt, dem Sektor zu Hilfe zu eilen. Es sähe vielmehr nach einem großen Fehler aus. Wenn die Banken etwa 15 Mrd. Dollar in den Monoline-Sektor stecken würden, könnten sie letztendlich in den Besitz der Mehrheit seines Kapitals kommen. Das daraus resultierende moralische Dilemma könnte den Ruf der Kreditversicherer bei den Emittenten von Kommunalobligationen dann endgültig zum Kippen bringen.

Darüber hinaus könnte eine Auffangaktion für die taumelnden Bondversicherer neue Marktteilnehmer, die es Berkshire Hathaway gleichtun und ihre starken Bilanzen im Geschäft mit der Versicherung von Kommunalobligationen einsetzen wollen, veranlassen, es sich doch noch einmal zu überlegen. Da ohnehin schon so viel Schaden angerichtet worden ist, wäre es besser, die Aufsichtsbehörden würden die Finger davon lassen. Die Chips verteilen sich schon von selbst auf dem Roulette-Tisch.

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