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03.01.2008

12:29 Uhr

Rohöl bei 100 Dollar

Der Platz in der Geschichte hat seinen Preis

VonSimon Nixon (breakingviews.com)

Es ist ein amerikanischer Händler, der als erster Mensch 100 Dollar für ein Barrel Rohöl hingeblättert und damit weit mehr als den Marktpreis gezahlt hat. Eine entsprechende Urkunde und der Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm sicher. Es gibt aber noch ein paar andere Abschlüsse, die er sich für 2008 vormerken sollte.

Der amerikanische Rohölhändler Richard Arens an der New York Mercantile Exchange hat sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Er ist die erste Person überhaupt, die für ein Barrel Rohöl 100 Dollar gezahlt hat. Für diesen „Erfolg“ wird er eine Urkunde erhalten – die zweifellos bald gerahmt und ausgestellt wird – und zusätzlich das Recht auf lebenslange Prahlerei. Weniger wahrscheinlich ist allerdings, dass die Person auf der anderen Seite des Handels historische Erwähnung findet: die erste Person überhaupt, die es fertig gebracht hat, ein Barrel Öl für 100 Dollar zu verkaufen. Und doch hat er damit wohl die größere Leistung vollbracht: Er hat die Mindestorder von 1 000 Barrel um fast 60 cts über dem Marktpreis losgeschlagen und damit sofort einen Gewinn von 600 Dollar eingesackt, während seine Kollege den Verlust übernommen hat.

Natürlich steht es Privatpersonen frei, zu handeln, was sie wollen und dafür jeden beliebigen Preis zu zahlen – auch wenn dabei nicht alle Transaktionen in einer schönen Urkunde münden, um das Ereignis zu bestätigen. Viele Finanzprodukte werden im Freiverkehr gehandelt. Damit wird dem Händler, der so gern Geschichte schreiben würde, die Chance verwehrt, dass sein Moment des Ruhmes von einer Börse aufgezeichnet und registriert wird. Aber das beiseite: Wenn ein Käufer bereit ist, für das Privileg so viel draufzulegen, dann wäre es schon ein griesgrämiger Verkäufer, wenn er nicht freudig eine Quittung ausstellen würde.

Auf dieser Basis wäre es eine Schande, wenn Arens sein Streben nach Marktunsterblichkeit bei 100 Dollar für das Fass Rohöl einstellen würde. Denn 2008 könnte ein exzellentes Jahr für das Überschreiten von Aufsehen erregenden Preisschwellen werden. Einen moderaten Handelsverlust einkalkuliert, hat Arens immer noch Zeit, um als Erster 1 000 Dollar für die Feinunze Gold hinzulegen oder 1,50 Dollar für den Euro. Oder wie wäre es damit, sich ein Beispiel an einigen Londoner Restaurants zu nehmen, die ihre Wände mit russischen Bond-Zertifikaten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg oder Aktien der argentinischen Eisenbahn zieren, die dann auf Null gesunken sind? Wie wäre es, der letzte Mensch zu sein, der 100 p für Northern Rock zahlt?

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