Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2010

18:17 Uhr

Rohstoffe

Öl könnte noch mehr Boden verlieren

VonFiona Maharg-Bravo (Breakingviews.com)

Die Rally des Ölpreises ist nach einem 18-prozentigen Anstieg seit Mitte Dezember zum Stillstand gekommen, die Kältewelle hatte keinen großen Einfluss auf die Lagerbestände. Auch der Abbau von Konjunkturanreizen könnte den Ölpreis belasten. Weil das Angebot bis zum Jahr 2011 die Nachfrage wahrscheinlich decken wird, könnten die Ölnotierungen auf kurze Sicht zurückfallen.

In der jüngsten Vergangenheit feierten sowohl Ölbullen als auch Ölbären ihre Siege. Der Rohölpreis stieg im Juli 2008 bis auf 147 US-Dollar pro Fass, nur um wenige Monate später auf 33 US-Dollar zurückzufallen. Wegen der Kältewelle stieg der Preis in dieser Woche wieder über 82 US-Dollar, was einem Anstieg um 18 Prozent seit Mitte Dezember entspricht. Wenn es keine zunemenden Spannungen im Nahen Osten gibt, dürfte Öl auf kurze Sicht seitwärts tendieren.

Die Nachfrage bleibt relativ gedämpft, ungeachtet der massiven Anreize, die der Weltwirtschaft zugeführt wurden. Das gilt vor allem für die OECD-Länder und die Vereinigten Staaten, den weltweit größten Energieverbraucher. Die US-Rohöllagerbestände sind sogar in der vergangenen Woche, als die Temperaturen abstürzten, den jüngsten Daten des Energieministeriums zufolge um 1,3 Millionen Fass gestiegen. In anderen OECD-Ländern gingen die Lagerbestände zurück, nach Angaben der Internationalen Energieagentur aber nur leicht. Sie können die Nachfrage 60 Tage lang decken und liegen damit noch immer auf hohem Niveau.

Auch andere Faktoren könnten den Ölpreis in unmittelbarer Zukunft belasten. Billiges Geld und der schwache US-Dollar machten Investitionen in Rohstoffe ziemlich attraktiv, doch die Großzügigkeit der Zentralbanken könnte bald ein Ende haben, wenn Inflation sich von einer Bedrohung in Realität verwandelt.

Die Ölbullen argumentieren, dass das Wirtschaftswachstum weltweit, vor allem aber in China und anderen Schwellenländern, stark genug sein wird, um weitere Preisaufschläge zu rechtfertigen. Die Erholung bleibt aber unsicher. Um die Kreditvergabe der Banken einzudämmen, hat China gerade erst die Zinsen seiner dreimonatige Schatzwechsel erhöht. Dass dies auch die Ölnachfrage dämpfen könnte, sorgte am 7. Januar alleine schon für einen Preisabschlag von mehreren US-Cent.

Der Tag der Bullen könnten aber noch kommen. Die Produktion in nicht zur Opec gehörenden Förderländern fällt, selbst wenn man einige Riesenfelder berücksichtigt, die in Russland und anderswo in Betrieb gehen. Goldman Sachs zufolge dürfte die globale Nachfrage das Angebot nicht vor Mitte 2011 übersteigen. Für dieses Jahr prognistiziert die US-Bank einen durchschnittlichen Ölpreis von 110 US-Dollar. Bis dahin könnte es sinnvoll sein, eher den Ölbären zu folgen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Norbert Gass

07.01.2010, 19:40 Uhr

Der Titel "Öl könnte noch mehr boden verlieren" ist merkwürdig. in anderen Worten, Öl ist z.Z. am Verlieren und dies könnte sich noch fortsetzen. Seit März 2009 ist Öl ständig in Aufwärtsbewegung und viele Analysten rechnen mit Fortsetzung. Wenn der Titel schon falsch ist, warum soll ich für den Artikel noch zahlen?

Frank

10.01.2010, 16:55 Uhr

Die Ölpreise sind sehr volatil. Derzeit haben wir aber genau den langjährigen Durchschnittspreis von 80 Dollar. Es bedarf allerdings aufgrund des derzeitigenn Konfliktes zwischen Jemen und Saudi-Arabien in den sich auch die USA einmischt nur einmal ein Anschlag auf ein saudische Ölfeld und schon könnten wir uns in der größten Ölkrise seit den 70er Jahren wiederfinden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×