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09.01.2008

21:04 Uhr

Rose and Fall

Unsanfte Landung für Marks & Spencer

VonJohn Foley (breakingviews.com)

Der Marks-&-Spencer-Chef Stuart Rose schockierte den Markt mit einem Quartalsbericht, auf den die Aktien des britischen Einzelhändlers mit Kursverlusten von 20 Prozent reagierten – Rose scheinen angesichts der nachlassenden Konsumentennachfrage die Ideen auszugehen.

Stuart Rose ist mit einigen Schrammen wieder auf dem Boden angekommen. In den vergangenen vier Jahren gewann der Marks-&-Spencer-Chef mit der Rettung der einst angeschlagenen britischen Nahrungsmittel- und Bekleidungskette viele Freunde. Der Ruf von Rose wuchs mit dem Kurs der M&S-Aktie, die von 400 Pence auf einen Höchststand von 759 Pence im vergangenen Sommer kletterte. Aber der jüngste Quartalsbericht versetzte den Markt in einen nach-weihnachtlichen Schockzustand, die Aktien purzelten um 20 Prozent und brachten M&S in die Bredouille. Angesichts der nachlassenden Konjunktur auf dem Verbrauchermarkt scheinen dem jüngst zum Ritter geschlagenen Rose die Ideen auszugehen.

Der Wandel des M&S-Schicksals ist drastisch. Während Analysten noch von einem Wachstumsplus ausgingen, fiel die flächenbereinigte Umsatzentwicklung im dritten Quartal um 2,2 Prozent. Zum ersten Mal seit zwei Jahren sanken die vergleichbaren Umsätze sowohl in der Nahrungsmittelsparte als auch im Bekleidungsgeschäft. Zwei symbolträchtige Kennziffern verdunkeln das Bild zusätzlich. Erstens, es sieht nicht mehr danach aus, dass M&S in diesem Jahr das Zielergebnis von einer Milliarde Pfund vor Steuern erreichen kann. Zweitens, die Aktien liegen nur wenige Pennies über der 400-Pence-Marke, die der britische Textil-Unternehmer Philip Green vor vier Jahren für M&S bot.

Die gefeierte Erholung von M&S ist weitgehend vollzogen und Rose befindet sich nun an einem Scheideweg. Die Bilanz des Einzelhändlers ist kerngesund, verglichen mit manchen Konkurrenten wie Next und Debenhams. Der Besitz an Grund und Boden im Wert von 75 Prozent des M&S-Marktwerts nach dem Kursverlust dürfte der Aktie Halt geben. Aber um die Konkurrenz weiter zu überflügeln, braucht Rose neue Tricks. M&S wächst gemessen an der Verkaufsfläche schneller als die High Street (Hauptgeschäftsstraße Londons) – der Marktanteil allerdings nach den jüngsten Zahlen des Marktforschers TNS nicht mehr.

Inzwischen hat M&S auf die steigende Bereitschaft der Konsumenten gesetzt, mehr für Lebensmittel auszugeben. Gibt die Konsumkonjunktur nach, könnte sich das als schwerwiegender Fehler erweisen. Die Verbraucher im Massengeschäft geben mehr Geld für Gourmet- und biologisch angebaute Lebensmittel aus und sparen im Gegenzug an den Ausgaben für andere Güter. M&S hat zum Beispiel die Preise für Cashmere-Pullover halbiert. Brechen die Konsumausgaben ein, werden die Konsumenten, bis auf die reichsten unter ihnen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ihre Nahrungsmittelausgaben einschränken. Damit könnte M&S sich schnell in einer Nische mit überhöhten Preisen verfangen.

Wie Rose mit diesen beiden Problemen fertig wird, wird seine wahren Fähigkeiten im Einzelhandelsgeschäft offenbaren. Die Lösung könnte darin liegen, die ausländischen Expansionspläne aufzuschieben, die die Aufmerksamkeit der Manager binden und nur von den Problemen zuhause ablenken. Sie könnte auch darin bestehen, die Pläne für die Eröffnung weiterer reiner Lebensmittelgeschäfte zu überdenken, die M&Ss Engagement im Premium-Preissegment nur erhöhen würden. Rose hat M&S schon einmal von der Klippe gerettet, man wird ihm daher verzeihen, dass er mit größeren Herausforderungen liebäugelt. Die beste Strategie könnte aber darin liegen, sich auf das Wesentliche zurückzubesinnen.

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