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14.01.2010

14:05 Uhr

Royal Bank of Scotland

Quadratur des Kreises

VonGeorge Hay (breakingviews.com)

Der britische City Minister Paul Myners akzeptiert nun, dass die teilverstaatlichte Bank Boni zahlen muss, um wichtige Mitarbeiter zu halten. Andernfalls hätten wohl Verwaltungsratsmitglieder ihren Hut genommen oder die RBS-Investmentbank hätte Schaden gelitten. Entschädigt für ihren Rückzug wird die Regierung durch die branchenweite Einführung einer Bonussteuer.

Die britische Regierung und die Royal Bank of Scotland haben sich vom Bonusabgrund zurückgezogen. Finanzstaatssekretär Paul Myners hat - einen Tag nachdem RBS-Chef Stephen Hester versöhnliche Töne vor Parlamentsabgeordneten anschlug - akzeptiert, dass die staatsdominierte Bank konkurrenzfähige Boni zahlen muss, um wichtige Mitarbeiter zu halten. Damit dürfte die für beide Seiten schädliche Auseinandersetzung zunächst einmal entschärft worden sein.

Der Streit war gefährlich, weil beide Seiten plausible Argumente hatten. Die Regierung stand unter dem öffentlichen Druck, die Ausschüttungen einer Bank zu kontrollieren, die ohne die 45,5 Milliarden-Pfund-Hilfe der Steuerzahler zusammengebrochen wäre. Ohne ein Vetorecht bei den Ausschüttungen eines Unternehmens, das zu 70 Prozent den Steuerzahlern gehört, hätte die Regierung ausgerechnet in einem Wahljahr schwach ausgesehen.

Aber auch RBS hatte vernünftige Gründe. Anders als Lloyds Banking Group, der zweite große Nutznießer der staatlichen Kapitalhilfen, besitzt RBS eine große Investmentbank. Und ihre besten Börsenhändler erwarten konkurrenzfähige Boni. Wenn der Verwaltungsrat die Vergütungen nicht mehr hätte festsetzen können, wäre er auch nicht mehr in der Lage gewesen, den Aktionärsauftrag zu erfüllen und die Kapitalrenditen zu maximieren. Und wenn Mitarbeiter das Unternehmen aus Protest verlassen hätten - wie im Dezember angedroht - wäre es schwer geworden, vertrauenswürdigen Ersatz zu finden.

Entschädigung für ihre Kehrtwende erhält die britische Regierung nun aus der britischen Bonussteuer, die der gesamten Branche auferlegt wird. Eine 50-prozentige Steuer auf Ausschüttungen über 25.000 Pfund verleiht der Regierung innerhalb des Finanzsektors einen Anstrich von Stärke. RBS noch auf andere Weise zu bestrafen, ist wenig sinnvoll, weil das die Gesundung der Bank und einen gewinnbringenden Verkauf des Staatsanteils nur hinauszögern würde.

Folglich lenkte Myners am 13. Januar ein und gab zu, dass große Banken wichtigen Angestellten üppige Boni zahlen und RBS "sich mit angemessenen Mitarbeitern ausstatten müsse". Einen Tag zuvor hatte Hester vor Parlamentsabgeordneten betont, dass er im Hinblick auf die Bonuszahlungen seiner Bank "ein Gefangener der Märkte sei" und gleichzeitig zugegeben, dass selbst seine Eltern der Meinung seien, er verdiene zu viel.

Dennoch wird der Bonustopf seiner Bank wohl magerer ausfallen als bei der Konkurrenz. RBS muss sich nichtsdestoweniger darauf einstellen Ende Februar, wenn die Boni veröffentlicht werden, in die Kritik zu geraten. Immerhin werden dann die Vorwürfe nicht vom größten Aktionär der Bank kommen.

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