Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2009

17:04 Uhr

Kolumnen

Rubin verabbschiedet sich mit hängendem Kopf

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Sandy Weill hatte einen PR-Coup gelandet, als er 1999 den ehemaligen US-Finanzminister und Goldman Sachs-Chef Robert Rubin zu Citigroup holte. Aber Rubins Ratschläge konnten nicht verhindern, dass sich die Bank von einer Notlage zur anderen schleppte. Und während der Kreditkrise avancierte Rubin zum Blitzableiter für die Kritik an den anhaltenden Schwierigkeiten der Citigroup.

Robert Rubin verlässt die Citigroup unter Umständen, die so ganz anders sind, als bei seinem Eintritt in die Bank vor knapp neun Jahren. Damals stand das US-Kreditinstitut ganz oben: Der Gründer und Co-Chef Sandy Weill hatte gerade eine globale Mega-Bank geschaffen, die vielen als Vorbild galt - einen Finanzdienstleister, der unter seinem Dach alles vereinigte, vom Privatkundengeschäft zum Investment Banking über das Asset Management und damals auch noch Versicherungen. Den ehemaligen US-Finanzminister und Chef von Goldman Sachs in die Reihen der Citigroup aufzunehmen, war ein PR-Coup.

Bei der Pressekonferenz, bei der Rubins Ernennung verkündet wurde, johlten und klatschten die Mitarbeiter, die Analysten überboten sich damit, dem Institut Beinamen zu verleihen, die vor Superlativen nur so strotzten und innerhalb von wenigen Tagen stiegen die Citigroup-Aktien um weitere 25 Prozent. Rubin hatte, wie es Weill damals ausdrückte, den "besten Job in der Firma. Er ist nicht direkt verantwortlich und kann doch hundertprozentig an allem teilhaben ? Er wird zusammen mit mir und John (Reed, damals Co-Chef) über alles, was passiert, im Bilde sein."

Rubin wurde ihr Consigliere und diese Rolle behielt er bei, als zuerst Chuck Prince und dann Vikram Pandit an die erste Stelle im Unternehmen rückten. Nach Angaben der Bank drehten sich seine Ratschläge um die sorgfältige Risiko-Nutzen-Einschätzung und darum, die richtigen Leute an der richtigen Stelle einzusetzen und einen echten Überblick zu haben.

Aber das reichte nicht aus, um zu verhindern, dass sich die Citigroup von einer Krisensituation zur nächsten schleppte. Da war der Skandal um den Telekom-Analysten Jack Grubman; das fragwürdige Geschäftgebaren gegenüber Enron, Worldcom und Parmalat; es gab den "Dr. Evil"-Handel mit Staatsanleihen, bei dem die Bank nicht nur ihr Europa-Geschäft beschädigte, sondern viel von dem Wohlwollen, das man ihr entgegen brachte, verspielte, und die Zwangsschließung ihrer Privatbank in Japan aufgrund von Gesetzesverstößen wie etwa der Geldwäsche. Dazu kam, dass die Großbank von der US-Notenbank aufgrund unangemessenen Risiko-Managements für eine paar Jahre mit dem Verbot belegt wurde, Akquisitionen zu tätigen. Und schließlich häufte das Institut Abschreibungen von bisher 45 Mrd. Dollar auf verseuchte Übernahmefinanzierungen und hypothekenbezogene Vermögenswerte an, die zu mehrfachen Kapitalerhöhungen in höchster Not und zwei Rettungsaktionen durch die US-Regierung geführt hatten. Ganz zu schweigen davon, dass die Citigroup selbst in den verblichenen Tagen des Boom-Markts nicht dazu imstande war, ein positives Betriebsergebnis zu erzielen.

Es wäre hart, Rubin direkt die Schuld an vielen dieser Vorgänge zuzuweisen, wenn überhaupt an irgendeinem. Aber alles in allem ergeben sie eine lange und erbärmliche Litanei institutionellen Fehlverhaltens. Und er strich doch ein hübsches Sümmchen ein - mehr als 100 Mill. Dollar seit 1999 -, während Citigroup vor sich hinstotterte. Außerdem verärgerte er Ende 2007 die Investoren, indem er öffentlich erklärte, der in die Kritik geratene Boss der Bank, Chuck Prince, bliebe noch für Jahre am Ruder. Auch dass er es ablehnte, sich über eine zeitlich begrenzte Führungsrolle hinaus zu engagieren, nachdem Prince das Unternehmen verlassen hatte, und die Bank gerade zu jenem Zeitpunkt eine Persönlichkeit mit seiner Erfahrung und Sachkenntnis gebraucht hätte, ist in gewissen Kreisen nicht gut aufgenommen worden. Abgesehen davon, wie stark man ihn für Fehler der Bank verantwortlich macht, oder wie man seine Fähigkeit, nützliche Ratschläge zu erteilen, einschätzt, ist Rubin zum Blitzableiter für alle Schwierigkeiten geworden, unter denen die Citigroup derzeit leidet. Er hat Recht, wenn er geht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×