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27.01.2010

14:43 Uhr

Rusal-Börsengang

Emissions-Discount führt zum Flop

VonJason Bush

Der 11-prozentige Verlust des russischen Aluminiumgiganten im frühen Hongkonger Handel ist erschreckend. Der Emissionskurs Rusals wurde am vergangenen Donnerstag festgesetzt und damit noch vor dem jüngsten Kursrutsch am chinesischen Markt. Aber die Rusal-Anleger hätten eine Korrektur des Einstandspreises verlangen müssen, um genau diese Art von Stolpern zu verhindern.

Rusal hat den Sprung an die Börse endlich geschafft, allerdings geriet der Auftritt eher zum Debakel. Am ersten Handelstag in Hongkong fielen die Aktien des russischen Aluminiumgiganten gleich um 11 Prozent.

Eigentlich kassieren Investmentbanker hohe Provisionen, um genau solche Pleiten bei der Erstemission zu verhindern. Ein paar Erklärungen, warum es dennoch dazu kam, können sie allerdings geben. Zwischen der Bekanntgabe des Emissionskurses und dem ersten Handelstag an der Börse gab die Börse Hongkong um 4 Prozent nach. Chalco, der chinesische Aluminiumproduzent, der allgemein als mit Rusal vergleichbar angesehen wird, fiel in dieser Zeit um 9 Prozent. Rusal schnitt im Endeffekt also nur unwesentlich schlechter ab.

Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass der russische Oligarch Oleg Deripaska, der Rusal kontrolliert, und seine Berater zu gierig waren - und die Investoren zu bereitwillig zu zahlen. Typisch für Erstemissionen ist ein Kursdiscount, sodass sie unter normalen Umständen im Verlauf des ersten Handelstages steigen können - und zumindest ihren Wert halten, wenn die Märkte reagieren wie jetzt in Hongkong.

Das Rusal-Debüt war also nicht gerade ein Triumphzug. Die Finanzkrise zwang das Unternehmen 11 Prozent seiner Aktien an die Börse zu bringen - der Emissionsprospekt war gespickt mit einer langen Liste von rechtlichen, politischen und finanziellen Risiken und die Hongkonger Börsenaufsicht begegnete dem Börsengang eher lustlos. Für private Kleinanlegern wurde die Latte zudem mit einem Orderminimum von 129.000 US-Dollar so hoch gelegt, dass sie gar nicht in Gefahr geraten konnten, die Risiken zu übersehen.

Rusals neue Eigentümer werden jetzt bedauern, nicht den üblichen Kursabschlag eingefordert zu haben. Deripaska wird das nicht übermäßig belasten. Ohne den Börsengang hätte er vielleicht seinen Einfluss auf das Unternehmen verloren. Im Vergleich dazu ist ein trüber Börsenauftakt eher trivial.

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